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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 393

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Materialien zur Geschichte der Juden in Italien [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 393 (sequence 2)
Language
German
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393 schauungswelt1. Als. mit dem Ausgang des Mittelalters die Juden in fast allen Ländern von der. Beziehung zur allgemeinen Kultur abgedrängt wurden, blieb in Italien diese enge Verbindung erhalten. Die Geschichte der Juden in Italien ist darum unter verschiedenen Gesichtspunkten von ganz besonderem Interesse. In Italien selbst schien freilich eine Zeitlang das Interesse erlahmt zu sein, in neuerer Zeit ist es wieder rege geworden. 1918 ist das Archiv der jüdischen Gemeinde in Rom von Blustein angeblich geordnet und katalogisiert worden. Aber als ich es 1923 zu Studien zwecken benutzen wollte, war ich enttäuscht. Nur einen winzigen Bruchteil der Archivalien hat Blustein unzureichend bearbeitet, das meiste war völlig ungeordnet, ohne Verzeichnis. Nur was der Zufall mir in die Hand gab, konnte ich benutzen2. Das ist jetzt anders geworden. Vor mir liegt eine von der jüdischen Gemeinde in Rom herausgegebene Schrift ״S 10 r i a e Rior'dinamento d e 115A r ch i v i 0 col Catalogo d.ell’ Archivio e un Saggio di bibliografia sugli Ebrei di Roma a cura di Attilio Milano <3 di Roberto Bachi. Roma 1929.“ Der Vorsitzende der Gemeinde Angelo Sereni bat das Verdienst, die Ordnung des Archivs angeregt und gefördert zu haben, die von Milano und Robert Bachi unter Leitung ihres Lehrers Prof. Riccardo Bachi durchgeführt worden ist. Die ,,Presentazione“ von Prof. Bachi enthält sehr interessante Notizen über einen 1768 gemachten Versuch der Ordnung des Archivs und interessante Aufzeichnungen des damaligen Bearbeiters. Aber eine wirkliche Ordnung der Archivalien war während der Dauer der päpstlichen Herrschaft nicht möglich. Sobald sie erfolgt war, mußte man damit rechnen, daß die päpstliche Regierung die Urkunden ,,zur Prüfung“ nach dem Vatikan schaffen ließ, von wo sie nie wieder zurückkamen3. In diesem Zusammenhänge ist von Interesse eine auf Befehl des Kardinalvikars von dem Notar Nicolö Fiorello 1668 erlassene Verfügung an .den Rabbiner Salvatore Sonatore (Josua Menaghen), die Mitglieder der Gemeinde unter Androhung des Bannes zur Ablieferung aller in ihren Händen befindlichen Archivalien aufzufordern4. Für die Geschichte der römischen Ghetto zeit (seit 1555) ist die Ordnung des Archivs von größter Bedeutung. Der größte 1Teil der Archivalien besteht aus Eingaben der Gemeinde oder Einzelner an die verschiedenen päpstlichen Behörden und aus Verzeichnissen zu den Abgaben an die Gemeinde und an die päpstliche Regierung. Die immer drückendere Belastung der römischen Juden erhellt aus ihnen, und ein Einblick.in die wirtschaftliche Lage der Gemeinde und ihrer Mitglieder ist dadurch ermöglicht5. Auch über die. Zwangstaufen ist wertvolles Material enthalten. Mit Recht nennt Prof. Bachi die Widerstandskraft der römischen Juden ein leuchtendes Beispiel der Macht der Ideale, des Glaubens und der Tradition. Mit den Zeugnissen der ältesten Geschichte dieser ältesten jüdischen Gemeinde der Welt — Rom ist die einzige Stadt, in der seit 2000 Jahren ohne Unterbrechung eine jüdische Gemeinde besteht — beschäftigt sich eine Arbeit von H. J. Leon über die Geschichte der Entdeckung und Erforschung der jüdischen Katakomben in Rom6. Bemerkungen zur Geschichte der Juden im Kirchenstaat gibt Ermaimo Loevinson, dessen Buch7 bereits S. 392 besprochen wurde. In den von Loevinson benutzten Akten ist• mehrfach die Befürchtung ausgesprochen, daß die Juden, die während der napoleonischen Zeit für die 1 Roth in Hebrew Union College Annual V 354. 2 Ueber Blusteins Arbeit urteilt sehr scharf, aber durchaus gerechtfertigt Milano, Storia e Riordinamento etc. p. 16 Anm. 1. 3 Milano a. a. 0. S. 14. 4 Bachi das. S. 10. 5 Milano das. S. 19, Bachi, das. S. 9. Ueber die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden in Rom während der Ghetto zeit hat Milano eine Arbeit angekündigt. 6 H. J. Leon, the Jewish Catacombs and Inscriptions of Rome: an account of their discovery and subsequent history in Hebrew Union College Annual vol. V (1928) p. 299—314. 7 Ermanno Loevinson, Gli israeliti dello Stato Pontificio e la loro evoluzione politico sociale nel periodo del Risorgimento Italiano fino al 1849. (Estratto dalla Rassegna Storica del Risorgimento Italiano. Fase. 4°. 1929.)

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