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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 391

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 391 (sequence 2)
Language
German
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391 ziehen (Vorwort). Er hat seine Aufgabe mit größter Gründlichkeit durch־ geführt und die Ergebnisse sind sehr beachtenswert. Einerseits erhärten sie bereits erkannte Tatsachen, andererseits jedoch berichtigen sie verschiedentlich das bisher Angenommene. So wird durch die erschöpfenden Untersuchungen der ersten 2 Kapitel die bereits längst bekannte Tatsache bestätigt, daß innerhalb der halachischen Midraschim Mechilta und Sifre Numeri eine besondere Gruppe bilden, der Sifra und Sifre Deut, als eine zweite Gruppe gegenüberstehen, wobei das Verhältnis zwischen Mechilta und Sifre Numeri ein viel engeres ist als zwischen Sifra und Sifre Deut. Der Verf. weist auf den Umstand hin, daß die halach. Midraschim entsprechend ihrem kommentatorischen Zweck eine Erklärung so oft wiederholen, als sich Gelegenheit dazu bietet. Eine Erklärung, die ursprünglich zu einer bestimmten Stelle gegeben worden ist, wird nicht bloß auf alle gleich- oder ähnlichlautenden Stellen, sondern zuweilen auch auf verschiedenlautende übertragen, wenn die Deutung dahin paßt; zuweilen wird sie auch übertragen, trotzdem sie nicht ganz paßt, oder sie wird passend gemacht. Dieser Umstand bietet große Möglichkeiten der Vergleichung. Konstante Gleichheit der Erklärung und Deutung weisen natürlich auf gleiche Quellen hin, Verschiedenheit auf verschiedene. Dazu kommen noch als Kennzeichen der Zusammengehörigkeit oder Getrenntheit stereotype Redewendungen und schließlich die Terminologie, der das ganze 2. Kapitel gewidmet ist. Es ist jedoch m. E. zu weitgehend, wenn der Verf. die Terminologie ganz auf Rechnung der Redaktoren setzen will. Es ist vielmehr anzunehmen, daß insbesondere Mech. und Sifre N., die sich durch Erklärungsweise (S. 21), äußere Form (S. 44) und die Herkunft der Quellen (S. 134) von den anderen Midraschim wesentlich unterscheiden, sich schon in den Quellen in der Terminologie unterschieden haben. Die Barajtot im Talmud sind m. E. wenig beweisend, denn man könnte den umgekehrten Vorgang annehmen, daß die Talmudredaktoren Barajtot in die ihnen geläufige Terminologie umgeändert haben. Wohl aber muß angenommen werden, daß die Uebertragung der Terminologie auch auf jene Deraschot, die nicht der Schule entstammen, aus der der Grundstock des betreffenden Midrasch herrührt, das Werk des Redaktors ist. Im 3. Kapitel weist der Verf. nach, daß unsere halach. Midraschim den Talmuden unbekannt waren. Oft wird im Namen eines Amoräers ein Derasch oder eine Halacha angeführt, die ebenso in den halach. Midraschim zu finden sind, ohne daß auf diese Tatsache hingewiesen wird. Ferner werden Deraschot, die sich im ein- und demselben Midrasch finden, bald durch eine allgemeine Zitierungsformel (Vn u. dgl.) eingeführt, bald als der Schule eines bestimmten Tannaiten angehörig bezeichnet. Ueberdies erklärt der Talmud oft von ihm angeführte und in den halach. Midraschim enthaltene Barajtot in einer Weise, daß eine Bekanntschaft mit diesen Midraschim ausgeschlossen erscheint. Und schließlich erwartet man häufig vergebens einen Hinweis auf eine bestimmte Midraschstelle. Der Verf. belegt alles reichlich mit Beispielen und man kann nicht umhin, ihm zuzustimmen. Die ganze Frage der halach. Midraschim scheint von einer irrigen Voraussetzung aus behandelt worden zu sein. Man geht von der Annahme aus, daß in den Worten R. Jochanans b. Sanh. 86a Sifra und Sifre Bezeichnungen bestimmter Midraschwerke sind, was ja scheinbar durch die Tatsache gestützt wird, daß wir tatsächlich solche Midraschim besitzen. In Wirklichkeit hat jedoch bereits Raschi das Richtige angegeben. Sifra ist bloß Bezeichnung für das 3. B. M., im Gegensatz zu Sifre, worunter die anderen Bücher des Pentateuchs zu verstehen sind. R. Joch, will bloß sagen, daß als Autor der im Lehrhause anonym vorgetragenen halach. Deraschot zum 3. B. M. R. Jehuda und der anonymen Deraschot zu den anderen Büchern R. Simon anzusehen sei. Schon der Zusammenhang der Stelle in Sanhedrin allein ist Beweis dafür. Im 4. Kapitel bekämpft der Verf. die Meinung, daß man im striktesten Sinne des Wortes von dem Sifra sagen könne, daß er ein Werk der Schule R. Akibas sei und ebenso von Mech. und Sifre Num., daß sie ein Werk der Schule R. Ismaels seien. Die Abhängigkeit der Methoden dieser Midraschim von den Grundsätzen der gen. Tannaiten sei dafür ailzuschwach begründet (S. 139). So viel stehe fest, daß dem Redaktor von Mech. und Sifre N. andere Quellen zu Gebote standen als den Redaktoren von Sifra und Sifre Deut., daß ferner unter den Quellen der Mech. und S. N. viele aus der Schule R. Ismaels stammen, daß aber auch unter den Quellen von Sifra und Sifre Deut.

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