Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
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314 Besondere, daß er mit dieser Welt gar nicht rechnete, daß es ihm, im Gegensatz zum Judentum, das die Ordnung dieser Weit will, damit sie zum Gottesreich werde, auf sie und ihre Ordnung gar nicht ankam, weil er eines neuen Aeon Anbruch für bevorstehend hielt, für den er dachte und sprach. Trotz dieser einzelnen Irrtümer ist Nielsens Buch im ganzen ein wohl zu beachtendes Buch freigesinnter, vom Dogma unbeeinflußter volkstümlicher Belehrung, in klarer Sprache, vieles kann man aus ihm lernen, und ein schöner Wille zur Gerechtigkeit und Menschlichkeit spricht aus ihm. Ihm vorauf geht eine in ihrer Knappheit und Klarheit vorzügliche Abhandlung ,,Grundsätzliches zur Leben Jesu-Forschung“, L. F. gezeichnet. In ihr wird besonders scharf ins Gericht gegangen mit jener Methode gewisser Gelehrter, nachdem sie kritisch das Jesusbild der Evangelien und des Dogmas zerstört haben, den Saltomortale zu machen, mit dem nunmehr über das Dogma hinaus, gerade weil die Wissenschaft nichts über Jesus in seiner Stellung als Welterlöser zu sagen hat, dem Glauben an ihn und seine Uebergeschichtlichkeit der Weg freigemacht wird. Davon, führt L. F. aus, sei Nielsens Buch frei. Ist es wirklich davon frei? Ja, insoweit ein Glauben an Jesus als Welterlöser, als Gottmensch, als Sühneopfer für die Sünde der Menschheit in Frage kommt; aber was ist die Behauptung, daß Jesus als erster Gott als Vater erkannt habe, daß er eine besondere Kraft des Vertrauens auf Gott besessen habe, anders als ein Einmünden in jenen Weg, nach Ueherwindung des alten Dogmas für Jesus irgendwo und irgendwie einen Bezirk der Einzigartigkeit der Persönlichkeit im Laufe der Weltgeschichte glaubensmäßig zu erobern? Soll es tatsächlich auch beim strengsten Willen zur Wissenschaftlichkeit so bleiben, daß bei einem Buch über Jesus ein Unterschied ist, ob es von einem Juden oder Christen geschrieben ist? Offenbach a. M. Dienemann. תלמוד ירושלמי.♦ . עם פירוש פני־ משה וחדושי מראה הפכיים- להר״ר משד, מרגלית רעם 4 ♦. מראי(!) מקומות בשם כר מערבי.♦. וציוני עין משפם והעדות בשם גליון הש״ס בהוצאת (0 חורב ברלין נדפם בשנת ה' תרפ״פז. Der Jerusalemische Talmud in zwei Bänden, erschienen im Verlag Choreb in Berlin im Jahre 1929/5689. Es ist sehr verdienstvoll seitens des genannten Verlages, wenn er, nach bewährtem Muster der Verteuerung der Arbeitskräfte nach dem Weltkrieg Rechnung tragend, es unternommen hat, die Grundschriften der Jüdischen Traditionsliteratur in photo typischen Nachdrucken zu allenfalls wohlfeilen Preisen herauszugeben in handlichen Oktavhänden. In der kurzen Zeitspanne von fünf Jahren sind nicht weniger als die beiden Talmude erschienen, der Talmud Babli in vier Bänden und der Talmud Jeruschalmi in zwei Bänden. Ja außerdem noch die gesamte Mischna, so handlich, daß man sie bequem in die Rocktasche stecken kann; der Midrasch Rabba und Midrasch Tanchuma in je einem Bande; der gesamte Pentateuch, mitsamt dem Targum Onqelos, Rascni, sowie obendrein Targum Jonathan, Rambän (Nachmanides), Abraham ihn Esra mit seinem Superkommentar, Seforno und Raschbam — alles in einem Oktavbande, dann auch der ganze Rambam (die Jad Hachasaqa) mit allen seinen ,,Begleitern“ — in zwei Bänden. Ein Unternehmen wahrlich allen Lohes wert und würdig. Allein, wie Alles hienieden, haben auch diese Werke zu leiden unter den Folgen, den Kehrseiten ihrer Vorzüge. Das dünne Papier, welches eben das Zustandekommen der handlichen Bände erst ermöglicht, hat zur Folge eine gewisse Zartheit, welche eine ständige Benützung zu Studier zwecken geradezu ausschließt. Das kleine Format hinwiederum, bald größeres, bald kleineres Oktav, trägt ein zweites Minus als Kehrseite in sich: die winzigen Typen, welche speziell in den Tosaphot das Lesen mit freiem Auge ganz bedeutend erschweren, beim Rambam in den Kommentaren das Lesen ohne Vergrößerungsglas einfach zur Unmöglichkeit machen. So wird dafür schon von selber gesorgt, daß die Bäume nicht bis in den Himmel wachsen. Nicht minder jedoch sind diese lieben Bände mit ihrer wirklich geschmackvoll schönen Ausstattung nicht nur für Geschenkzwecke hervorragend geeignet, sondern man kann sich derselben sehr bequem als Nachschlagswerke oder auf Reisen bedienen.