Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Altsinaitische Schrift und Inschriften [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 2)
- Language
- German
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310 doch nicht ein bloßer Ableger der ägyptischen Schrift, zu deren Aufbau älteres Material benutzt worden ist.“ Die Schaffung der neuen Schrift erfolgt auf Grund der Akrophonie, d. h. den von ihm gewählten Ideogrammen ,,gab der Schrifterfinder die Aufgabe, Zeichen für Laute zu sein, und zwar sollte jedes den Laut darstellen, mit welchem der semitische dem Ideogramm entsprechende Lautname begann. Beispielsweise ist der sinaitische Buchstabe ״Beth“ so entstanden, daß der Schrifterfinder in seiner Sprache einen Laut b konstatierte, ihn in dem semitischen Worte Beth (= ,,Haus‘ף festhielt, für ,,Haus“ sich aus der ägyptischen Schrift das Ideogramm C”T3 (pr) aussuchte und schließlich mit diesem Ideogramm den semitischen b-Laut schrieb“ (A S, S. ל). Diese Auffassung von der Entstehung der Sinajschrift kann, vor der Hand an wenigstens, als die vorherrschende angesehen werden. Wir halten an dem von Gr. gewählten Beispiel ״Beth“ fest. ,,Haus“, also ein höchst konkreter Begriff. Und dasselbe gilt für alle Fälle, in denen das Ideogramm mit dem Namen vollständig und sicher übereinstimmen, so z. B. mem —־ Wasser; da sieht man tatsächlich die Meereswogen. ,,Nun“ ist auch bildlich Wasser- oder Landschlange, ,,Samekh“ tatsächlich ein Fisch. ,,Ajin“, hier sieht jedermann ein Auge, ,,peh“ — Mund, ,,resh“ — Kopf usw. Ob bei diesen Begriffen auch eine andere symbolische Auffassung denkbar ist, ob die Buchstabenfolge ein Ganzes, Sinnerfülltes darstellen1 mag dahingestellt bleiben. Eines scheint jedoch sicher zu sein, und zwar: bei feststehenden Identifikationen kommen nur konkrete Begriffe vor. Wie steht es nun um die Durchführung dieses Prinzips der Üebereinstimmung von Bild und Name und der Realität, der Faßbarkeit der behandelten Begriffe in Grimmes Werken? Als Beispiel lassen wir ״jöd“ und ״kaf“ gelten. Für jöd bieten sowohl S e t h e als auch Gardiner (Gr. behauptet zwar, er habe ,,mit den Aegyptologen nichts mehr abzumachen“, allein wo es sich um Hieroglyphen handelt, so gilt doch audiatur et altera pars) den Hieroglyphen ״Hand“. E i s 1 e r bemerkt: ,,Die Verwendung des Ausdruckes יד ,,Hand“ für ,,Denkmal“ und dergleichen — gemeint ist ursprünglich ein mit dem Symbol der aufgehobenen Hand, d. h. der Gebärde des Gelübdes, versehener Gedenkstein.“2 Ganz anders bei Grimme. Hier heißt es3: ,,Der Buchstabenname Jod bedeutet nicht ,,Hand“, wie oft behauptet ist, sondern ist der Name des altsemitischen Gottes Wudd in hebräischer Umformung. Diesem Gotte setzte der Schrifterfinder den ägyptischen Gott gleich und schrieb daher seinen Laut j mit dem Bilde des Set (ein Tierchen mit Steilschwanzj. Nun war aber Set der alte Gott des ägyptischen Deltas und symbolisierte geradezu dieses Gebiet, wie Gott Horus solches für Oberägypten tat. Das Delta hatte aber noch ein anderes Symbol im Aegyptischen, nämlich die Papyrusstaude, die mit dem Symbol für Oberägypten, der ,Pflanze des Südens6, gern zusammen gebraucht wurde.“ So erklärt Gr. jod׳ und die angebliche Dublette. Der Schrifterfinder gibt mit einemmal das Konkrete auf, um den Götterberg zu besteigen. Dem semitischen Wudd wird Set mit Steilschwanz gleichgesetzt; so entsteht j. Um aber auch dem Pflanzensymbol nicht Unrecht zu tun, wird eine Dublette geschaffen. Jod ist demzufolge gleichbedeutend mit ״Aegyptisches Delta“4. Mit dem bildlichen Beleg dieser eigenartigen Theorie geht es weniger gut, denn für Jod I (d. h. Set) will das sinaitische Zeichen herzlich wenig, denn hur — Gr. sagt ,,vor allem“ — ״den Kopf und den Steilschwanz“des ägyptischen Vorbildes wiedergeben, während ״die liegenden Füße nur schwach angedeutet sind“5. Und die vorderen, stehenden Füße? Die scheinen spurlos verschwunden zu sein. Auch bei Jod II geht es nicht ganz mit rechten Dingen zu, (Die Biegung am oberen Ende des hieratischen Zeichens fehlt nämlich dem sinaitischen 1 Ich gestatte mir auf mein Büchlein ״Sinajschrift“, Trieste 1925, hinzuweisen. Meine der letzten Jahresversammlung der Antropologischen Gesellschaft in Rom unterbreitete Arbeit Studi sull5 alfabeto wurde in die ״Atti“ aufgenommen und liegt vorläufig als Saeparatum gedruckt vor. 2 Robert Eisler, Die kenit. Weihinschriften, S. 35 f. — Bauer und Leander, Histor. Grammatik der hebr. Spr., Bd. I, 1922, S- 69 erklären ■יוד und כף mit ״Hand“ und ״Handfläche“. 3 AS, S. 8. 4 Das. S. 13. 5 Das. S. 19.