Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Erforschung des Jelamdenu-Problems
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 1)
- Language
- German
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266 Zur Erforschung des Jelamdenu-Problems. Von A. Marmorstein in London. Unter den schwierigen Problemen, die von der talmudischmidraschischen Forschung noch immer nicht gelöst sind, steht das Midrasch werk Jelamdenu im Vordergründe. Seit Leopold Zunz haben beinahe ein Dutzend Gelehrte ihre Aufmerksamkeit und ihre Forschertätigkeit dem Jelamdenu gewidmet. Kaum einer, der an unserem alten Schrifttum interessiert ist und von der literargeschichtliehen Bedeutung des Midrasch im allgemeinen und des Jelamdenu im besonderen Kenntnis hat, wird diesen Forschungen gleichgültig gegenüberstehen. Es kann nicht geleugnet werden, daß die richtige Erkenntnis des im Midrasch aufgehäuften theologischen und ge- Schichthöhen Materials von der Beurteilung und Beschaffenheit der Quellen abhängt. Literaturgeschichtliche Studien haben den Zweck, die geistige Kultur, die intellektuellen Strömungen einer Epoche oder eines Volkes zu beleuchten. Dies ist auch beim Jelamdenu der Fall. Aber abgesehen davon zeigt uns der Jelamdenu eine Entwicklungsstufe der jüdischen Homiletik und eine Höhe der rabbinischen Gotteserkenntnis, die wohl der Beachtung wert ist. Es ist um so mehr am Platze, dieses Problem hier aufzurollen und. einen Beitrag zur Lösung dieser Frage zu liefern, als Prof. Dr. L. Ginzberg kürzlich im ersten Bande seiner Schechter- Studien (Ginze Schechter I, New York 1928) das Jelamdenu-Problem von neuem gestellt hat. Er hat Mitforscher zu Dank verpflichtet, indem er in der Geniza eine Anzahl von Midraschfragmenten, darunter auch Jelamdenustücke, entdeckt und veröffentlicht hat. Seine Entdeckerlcunst führte ihn zu einer neuen Theorie. Er fand in einem Fragment 13 Homilien, welche sicherlich dem Jelamdenu angehören. Diese sind kürzer als die Jelamdenus; die sonst in den Tanhumaeditionen oder -rezensionen, im Deut. r. und Pesikta rabbati vorhanden sind. Er sieht in ihnen den Ur-J elamdenu; die anderen seien sekundär, umgestaltet und umgearbeitet. Der Ur- Jelamdenu führt nach Ginzberg eine altertümliche hebräische Sprache, die Zitate in den Antworten sind der tannaitischen Literatur entlehnt, keins stammt aus der amoräischen Periode. Einige der Homilien finden sich gar nicht in der Literatur. Tanhuma benutzte Jelamdenu, welcher älter sei als der Jeruschalmi. In einer längeren Abhandlung am Schlüsse werden alle Jelamdenu-Homilien gesammelt und analysiert. Ob wir berechtigt sind, auf Grund des von Ginzberg entdeckten neuen Materials und des gesammelten alten Stoffes diese Schlüsse zu ziehen, wollen wir hier an einzelnen Stichproben prüfen. Dabei soll sich zeigen, daß der Jelamdenu jünger ist als die bisher bekannten Midraschim. Unseres Erachtens stellte der Jelamdenu die letzte Stufe einer langen Entwicklung dar und Ginzbergs Ur- Jelamdenu ist eine gekürzte Form dieses Midrasch. Der gegenwärtige Stand unserer Midraschforschung gestattet noch kein endgültiges Urteil über den ganzen Umfang der. Sammlung. Daher sollen einige neue Fragmente neues Licht auf die Beschaffenheit des Werkes