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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 3 · p. Seite 239

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 3
Article
[Nachricht]
Date
1930-01-01
Page
Seite 239 (sequence 2)
Language
German
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Bertha Bappenheim, Allerlei Geschichten, Maasse-Buch, Buch der Sagen und Legenden aus Talmud und Midrasch nebst Volkserzählungen in jtldischdeutscher Sprache. Frankfurt a. M., I. Kauffmann, 1929, 346 S. Die Verfasserin hat das Maasse-Buch von Amsterdam 1723 aus den hebräischen Schriftzeichen in deutsche umgesetzt; auch die ׳ alte Sprachiorm (z. B. in Formen wie ,,sturb“) ist erhalten geblieben; die Namen und die eingefiochtenen hebräischen Wörter sind meist nach der aschkenasischen Aussprache (Thauroh), manchmal nach der ostjüdischen (Mosche),.selten nach der sefardischen (Satan, Mammon) wiedergegeben. So wenig wie die Verfasserin versucht hat, den alten Geschichten ein neues Sprachgewand anzulegen, so wenig hat sie eine Auswahl aus dem Inhalt getroffen; unter den 250 Geschichten, die sie wiedergibt, befinden sich auch vereinzelte abergläubische und andere, die mit kostiicher, aber nicht gerade moderner Naivität von gewissen Vorgängen des Lebens und den gesetzlichen Bestimmungen über sie reden. Eben dadurch aber, daß das alte Buch bewußt als ein Fremdling in unser Kulturleben eintritt, also keine unmittelbare Geltung verlangt, sondern mit dem Auge des Unbeteiligten gelesen werden will, wird es zweifellos durch die Frömmigkeit und die Lebensweisheit, die daraus spricht, auch die Herzen moderner Menschen, Frauen und Männer, zu rühren wissen. Es enthält zahlreiche höchst wertvolle Erzählungen aus Talmud und Midrasch, eine größere Reihe von Geschichten aus dem Kreise der deutsch-jüdischen Mystiker, aber auch ziemlich viel Neueres; zu Nummer 146 (ein Vogel bringt dem König ein Frauenhaar; dieser begehrt die Trägerin zum Weibe) oder zu 223 (der Mörder eines Juden wird durch Vögel verraten) wird auch der Nichtfachgelehrte sofort Parallelen finden. So bietet das Buch, dem Elbogen ein Geleitwort mitgegeben hat, starke Anregungen in religiöser und kultureller Hinsicht; außer der Bearbeiterin gebührt auch dem Jüdischen Frauenbund Dank für die Herausgabe. Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. 73.-80. Lieferung (Monrad-Papsttum II). Tübingen, Mohr, 1930. Auch die neuen Lieferungen des mit erfreulicher Gleichmäßigkeit fortschreitenden Sammelwerkes enthalten eine große Anzahl zusammenfassende Abhandlungen, die für den jüdischen Leser von hohem Wert sind. Wir nennen nur die Beiträge: Musik (mit Berücksichtigung der Synagogalmusik), Mystik (s. u.), Offenbarung (mit Heranziehung der jüdischen Offenbarungslehre), Opfer (hier kommt das nachbiblische Judentum etwas zu knapp weg), ökonomische Geschichtsauffassung; Okkultismus; Pädagogik. Den trotz der gebotenen Knappheit belehrenden Ausführungen der jüdischen Mitarbeiter wird man meist zustimmen können; daß aber Mose de Leon den Sobar (nach älteren Vorlagen) verfaßt habe jS. 341), ist allermindestens unwahrscheinlich, da Gerhard Scholem in einer bekannten Abhandlung die herührungen zwischen dem Sohar und Schriften de Leons einleuchtend auf Entlehnung des letzteren zurückgeführt hat. Auch die nichtjüdischen Mitarbeiter ziehen gelegentlich Nachbiblisches heran; S. 297 wird das Wort des Talmud, der Schofarton solle den Satan verwirren, mit verwandten Vor- Stellungen anderer Religionen zusammengestellt — in der Hauptsache wohl mit Recht, so gewiß diese Vorstellung im Judentum der Vertiefung fähig gewesen ist; was über die ,,noachischen Gebote“ gesagt wird, ist zutreffend, wenn auch der Vervollständigung sehr bedürftig; nur sollte man bei der wörtlichen Wiedergabe ,,Noachidengebote“ bleiben, da die Zusammenfassung der Menschheit unter der Bezeichnung ,,Söhne Noahs“, die auch außerhalb dieser Verbindung vorkommt, ihren religiösen Wert besitzt, der nicht verdunkelt werden darf. Der Ausdruck strebt durchweg nach Klarheit und Versiändlichkeit; eine Entgleisung wie ״die Grundierung des Menschenbildes durch den Gottesgedanken“ S. 555 steht vereinzelt da. Der Druck ist gut durchgesehen; S. 241 ist unter den Gegnern der herkömmlichen Pentateuchkritik M. Wiener statt H. M. Wiener genannt. S. Wininger* Große Jüdische Nationalbiographie, Bd. IV: Leavith — Pereire, 637 S., 1929. Auch der neue Band der Nationalbiographie zeigt die Vorzüge und Schwächen seiner Vorgänger. Zu den Vorzügen gehört die Reichhaltigkeit — man muß den Riesenfleiß des Verf. bewundern — zu den Schwächen der Mangel an Kritik. Dieser äußert sich zunächst in der Aufnähme einer Menge von״Personen, die nicht jüdischer Abstammung sind — sogleich auf den ersten Seiten, um nur bekanntere Namen zu nennen: Hugo

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