Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 3)
- Language
- German
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erscheint. Dagegen ist die Stelle in ant. X, 210 aus Daniel II und VII nicht anzuführen, denn dort bringt J. wiederum nicht seine Meinung, sondern die in der Zeit übliche Erklärung zu Daniel. (Unhaltbar ist natürlich Wohieb, wie der Verfasser mit Recht auseinandersetzt.) Die Vorzeichen, z. T. typisch (Cf. Dio 51, 17, 5 bei der Einnahme Alexandrias ^durch Octavian oder Matth 275) sind dem J. sicherlich zum größeren Teil aus eigener Erinnerung bekannt, er erwähnt aber nur solche, die sich mit den religiösen Anschauungen der Zeit decken. Die Betonung des Fatalismus will zwar einerseits die Römer und ihre Kriegstaten rechtfertigen, aber sie dient noch weit mehr der eigenen Rechtfertigung, denn in der Verteidigung wird J. persönlich (das weiß auch G. S. 46). So gibt der Verfasser auch mit Laqueur zu, daß J. ,,den größten Teil seines Bellum im römischen Sinne abgefaßt hat“ (S. 47). So erklärt sich das ,,Flavische Werk“, wie Weber es nennt, das ist die eigene Vorlage der kaiserlichen Niederschrift, an die sich J. hält, und dadurch wird er unselhständig und große Stücke scheiden aus, wenn es gilt, seine Darstellung der jüdischen Religion festzulegen. Wo lesen wir daher Apologetisches bei J.? Im bellum nicht, und Gelegenheit hätte er auch dort hierzu, aber hier hielt ersieh an seine Vorlage, die derartiges Material nicht liefern konnte, sie mußte Rom rechtfertigen und nicht die jüdische Sache. Man möge die vorstehende Auseinandersetzung nicht als Tadel des Buches auffassen; denn der Verfasser kommt zu dem Resultat, das ich stets als das wahre vermutet habe ,,sein religiöser Standpunkt bzw. seine religiösen Standpunkte sind von seiner jeweiligen persönlichen Lage und politischen Einstellung abhängig“ (S. 51); auch was sonst in den Schlußworten zu lesen ist, kann nur Billigung finden. Unangenehm sind die vielen abgesprungenen Buchstaben und die Druckfehler z. B. S. ל Gen. VIII, 12 —15, 24 Deut. XXIII, 19. Es ist zu wünschen, daß der Verfasser seine Josephus-Studien noch fortsetzt. Kiel. A. Posner. Oenvres completes de Flavius Josephe: traduits en franqais sous la direction de Theodore Reinach, tome deuxiöme: antiquit^s judaiques, livres VI—X, traduction de Julien Weill (Publications de la societd des etudes juives, Paris 1926). Auch dieser Band reiht sich würdig den früheren an. Die Uebersetzung scheint zuverlässig: die Anmerkungen ermöglichen einen Einblick in die biblische Quelle und in das Material, das dem Josephus Vorgelegen hat bzw. in seine Arbeitsweise; sie zeigen im besonderen, in welchem Maße er ausschmückt oder kürzt, in welchem Umfange er midraschische und nichtjüdische Nachrichten heranzieht, wie stark er von den LXX abhängig ist und wie sehr er übliche historische Darstellungsweise seiner und der früheren Zeit auf sich wirken läßt. Man stellt gern fest, daß J. in der Königsgeschichte doch die Quellen oder die Berichte der Königsbücher und der Chronik gemeinsam verarbeitet und darauf seine Darstellung aufbaut. Es ist deutlich, daß er — zumal für Orts- und Personennamen — neben dem MT die LXX- Uebersetzung benutzt. Eigenartig, daß er ausführliche Schilderungen der Bibel — z. B. die Jona-Geschichte —. kürzt und kurze Andeutungen des biblischen Textes zur Grundlage großer Erzählungen nimmt. Bei dem reichen Plus gegenüber der Bibel vergißt man zu leicht, daß J. auch sicher vielfach sich auf mündliche Ueberlieferung stützt, die wir nicht mehr belegen können. Die recht langen Reden gerade in diesem Teil der Altertümer zeigen den Einfluß der antiken Historiographie, der auch hei der Beschreibung von Krank- Leiten oder von Kriegsereignissen sich kund tut (daher glaube ich nicht, daß die Schilderung der Belagerung Jerusalems durch die Babylonier durch die selbsteriebte der Römer beeinflußt ist, 327, t); eine Uehertragung aus der biographischen Literatur sind die Charakteristiken und Werturteile, die J. den ablebenden Königen folgen läßt, ־wie auch seine zahlreichen eigenen Reflexionen beweisen, daß er die Tatsachenberichterstattung der Bibel durch die antike Art der subjektiven Erzählungsweise ersetzen will. — Zu der sehr wertvollen Tabelle über die Königsjahre S. 91 vgl. man Kugler, von Moses bis Paulus (1922) S. 150 und M. Thilo, die Chronologie des Alten Testamentes (1917) S. 172, 2 ff.: die Anmerkungen für den Tempel sind sehr gut; aber Weill übersieht auch hier das Typische der Beschreibung von Bauten usw., was Papi Friedländer (Johannes von Gaza 41 ff.) aufgedeclct hat; auch auf