Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 2)
- Language
- German
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aus der talmudischen Literatur hat der Verfasser ־wohl die Quellen nicht genug herangezogen, er führt oft nur S. Klein (Beiträge zur Geographie und Geschichte Galiläas und Neue Beiträge zur Geschichte und Geographie Galiläas) an. Ich darf aus meinen Notizen folgendes vorlegen: Zu § 9 die Frühreife des Josephus betreffend vgl. Kjgenkel, Josephus •und Lukas S. 84 und Rheinisches Museum 78 (1920) S. 235, dies ist fast typisch für große Leute des Altertums, 10: die Erzählung über die Sekten gehört in die Biographie des J., hat nichts mit seiner Eignung zur Historiographie zu tun, 12: über Stoa und Judentum und die Zusammenhänge wird sehr übereilt geurteilt, vgl. Bergmann in der Festschrift für Hermann Cohen, Judaica S. 145 und meine Besprechung von Kaminkas hebräischem Marc Aurel (Monatsschrift 68, 173), 47: es wäre auf ant. 17, 23 ff. zu verweisen, 187: Sogane vgl. Pauly-Wissowa, Realencyclopädie II. Reihe, Bd. 5, 787/8, der Ort ist nicht identisch mit Sogane, 265: wie es Haefeli will, 289: vgl. noch Klein Monatsschrift 61 (1917) S. 138, 277: zum Begriff rcpasüpj vgl. S. Krauß, Synagogale Altertümer S. 16, 403: vgl. Strack-Billerbeck, Kommentar zum N. T. I, S. 159. Es wäre wohl gut anzumerken, daß §§ 355/6 Dublette zu 343 ist, zu dem Ausdruck xaxrjyTjaa) im Agrippabrief sei auf Ed. Meyer, Ursprung und Anfänge des Christentums I, 7, 1 verwiesen (zu § 366). Die Anmerkungen, zu 418 und 423 zeigen die Gefahr der Berufung auf Laqueur. In der Geschichte der hl. Schriften zeigt sich der Priesterabkömmling, und in dem Gehalt des Josephus, das ihm Vespasian gewährt, zeigt sich, daß er sozusagen Hofhistoriograph ist, daher die Benutzung der Denkwürdigkeiten der Kaiser, von denen deutlich in § 358 die Rede ist. Ein Namen- und Sachregister sowie eine Karte ,,Galiläa bei Josephus’, sind nützliche Beilagen des Buches, das das Urteil über Josephus nicht heben, ihn aber bekannter machen kann. Ist hier im wesentlichen nur eine Schrift des J. behandelt, so hat Guttmann den gesamten Nachlaß des J. gesichtet, um seine Darstellung* der jüdischen Religion zu eruieren. Die Arbeit zeugt von Belesenheit und kritischer Begabung, läßt aber die genügende Kenntnis der Josephusliteratur und die literarische Einreihung historischer Tatsachen an gaben vermissen. Im ersten Kapitel, das J.s Berichte mit denen der agadischen Literatur vergleicht, vermisse ich die Nennung der Arbeit von A. Jonas (de ratione, quae inter Josephum et litteras rabbinicas intercedit, Breslau 1915), die recht viel Material bringt; der Verfasser liefert nur dort mehr, wo wir keine Parallelberichte zu J. finden. Das Gesamturteil auf S. 18 ist daher auch nicht scharf genug ausgefallen. J. bringt die fremden Berichte selbstredend nicht aus Mißtrauen zur Bibel, sondern — und so erklären sich seine Zusätze — unter Berücksichtigung seiner nichtjtidischen Leser, denen die anderen Angaben mehr Wahrheit zu sein dünken. Abweichende Darstellung des jüdischen Kultus bei J. und unseren Quellen beweist 1. die Unkenntnis der Gesetze, 2. die Unkenntnis der Halacha nicht, J. schreibt nur nieder, was in seiner Zeit religionsgesetzlich galt; das kann im Widerspruch zu unserer Halacha stehen (neben Olitzki wäre hier H. Weyl, die jüdischen Strafgesetze bei Flavius Josephus in ihrem Verhältnis zu Schrift und Halacha, Berlin 1900, zu benutzen gewesen). Das Kapitel über den Tempel findet vollkommen meine Zustimmung. Dagegen muß ich glauben, daß bell. V, 458 (S.32 ״) falsch aufgefaßt ist: die Worte xtjj frst!) sind gar nicht beachtet, J. will nicht sagen, wir sehen in der Welt einen schöneren Ersatz des Tempels, der zerstört ist, sondern Gott besitzt die Welt als das größere Heiligtum1. Auch die Theokratie ist sicherlich politisch und national von allem Anbeginn an gedacht (vgl. A. Jacobus, der Gottesstaat). Die auf S. 36 gebrachten Beispiele für eine gröbere Form von Gottes Tätigkeit sind einmal biblisch gefaßt — etwa nach den Drohkapiteln des Pentateuch — und ferner aretalogisch aufzufassen. Mit S. 37 beginnt der Abschnitt des Buches, der auf Laqueur besonders stark fußt, und daher auch gegen W. Weber, Josephus und Vespasian (1921) zu Felde zieht. Wir finden bei J. keine eigene Deutung des Messiasgedankens vor, sondern sehen ihn mit der hellenistischen Deutung sich abfinden ־und sie vortragen. Die Worte d%b T?j<z xtopac aox&v bei J. und Judaea profecti bei Tacitiis decken sich so stark, daß "eine Teilung der J.-Worte unmöglich 1 Man vergleiche auch Matth 126 mit der Textlesung von M. Freimann in der Monatsschrift 58/19!4? S. 282.