Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Bemerkungen zu Jesaja
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 2)
- Language
- German
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man diesen Satz ais prägnante Apostrophierung (deutsch etwa‘. ,,Vertraut ihr nicht, bleibt ihr nicht betreut'') versteht, wird es deutlich, welche Betrachtung von Schuld und Strafe dem Folgenden zugrunde liegt. Aber wir sind ja für die Auslegung des אם לא תאמינו וגר glücklicherweise nicht auf diese Stelle allein angewiesen; II Chr. 2 020, h1 einem Bericht von selbständiger Tradition und erheblicher Sprachkraft, finden wir die gleiche Paronomasie wieder, aber in positiver Wendung: ,,Vertraut IHM eurem Gott und ihr werdet betreut." Wie immer man übet das literarische Verhältnis der beiden Stellen zueinander denken mag, aus dem eindeutig religiösen Charakter der zweiten geht mit fast unanzweifelbarer Sicherheit hervor, daß auch die erste keine profane Sentenz anführt, sondern eine Glaübensforderung von schicksalhafter Bedeutung ausspricht. Daß der Spruch von den 65 Jahren auf eine alte Orakelrede zurückgeht, deren Erfüllung nun nah bevorstellt, ist immer noch die weitaus wahrscheinlichste Erklärung. Aber wie ist seine Einflechtung zwischen die beiden Aussagen über Damaskus und Samaria zu deuten? Die Schwierigkeit mindert sich, wenn wir die beiden konzessiv nehmen, der Prophet also sagt, daß der überlieferte Spruch gelte, ,,mag auch noch Damaskus Haupt Arams sein . . ." und ,,mag auch noch Samaria Haupt Efrajims sein". Aber immer noch bleibt problematisch, daß der Spruch ja nur für Israels Sturz (,,über 65 Jahre stürzt Efrajim aus dem Volksein", vgl. zum Verb 5lfi, zur Präpositionalkonstruktion 23!), nicht auch für den Arams eine Zeit bestimmt. Der verwandte Vers 173 führt uns zu der Vermutung1, daß die an unsrer Stelle angeführte Orakelrede analog aus zwei Teilsprüchen, nur in umgekehrter Reihenfolge, bestand, deren erster, Aram behandelnder vom Propheten weggelassen werden durfte, weil der Wortlaut der ganzen Rede allgemein bekannt und der Israel betreffende Teilspruch situationsmäßig der gewichtigere, weil erfüllungsnähere war. 8,9 f. דרשו אל האבות וט׳ Das schwierige Stück bis ולתעודה kann einem eindeutigen Verständnis nahegebracht werden, wenn man den Zusammenhang mit V. 16 festhält und sodann die dialogische Struktur von V. 19 durchschaut. Die ,,Bezeugung" und ,,Weisung", die über die Katastrophe hinausdeutet, soll vorerst geheim bleiben, sie soll in den ״Lehrlingen" des Propheten ,,eingeschnürt" und ,,versiegelt" sein auf den Tag, auf den er ״harrt" und ״hofft"; aber sie dürfen auch jetzt schon auf sie hinzeigen und zu ihr hinleiten, ohne ihr Geheimnis preiszugeben, — und zwar dann dürfen, ja sollen sie es tun, wenn man sie auffordert, die Geister nach dem Schicksalsweg zu befragen. Jesaja führt die Rede der solchermaßen Auffordernden an: ״Beforscht die Elben (das ist die mythologisch richtige Bezeichnung 1 Ueber den Zusammenhang unserer Stelle mit Kap. 17 hat S. Grünberg (Exeget. Beiträge I 14 ff.) eine beachtenswerte Hypothese geäußert, die aber den Spruch von den 65 Jahren nicht erklärt.