Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 2)
- Language
- German
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185 Historiker, Volkskundler, Kulturforscher, Architekt, Statistiker und Kunstfreund, aber auch der Mann aus dem Volke, ein jeder, der für Jüdisches Sinn und Herz hat. Hunderte von Bildern aus älterer und neuerer Zeit bringen Synagogen, Ghetti, Lehrstätten, Kultgeräte, Grabsteine, Rabbiner, geistige Führer und Charakterköpfe zur Anschauung. Weit über Mähren hinaus greift die Darstellung in die slawische Welt, aber auch in den deutschen und selbst angelsächsischen und sefardischen Kulturkreis. Die äußere Ausstattung ist würdig und schön. Keine jüdische Bibliothek darf die Anschaffung dieses Standard works verabsäumen. Inhaltsverzeichnis, Personen- und Ortsregister sowie eine Handkarte erleichtern die Benutzung. Die deutschen Memorbüclier zählen ausdrücklich Mähren zu denjenigen Landschaften, die unter den Judenverfolgungen des Mittelalters Märtyrer ihres Glaubens aufwiesen, und nennen als Stätten des Blutvergießens Brünn, Kremsier, Olmütz und Znaim (1337/49)1. Aus den Rechtsgutachten ש&דית יוסף des Krakauer Rabbiners R. Josef ben Mordechai Katz (st. 1591) Nr. 40 ist ersichtlich, daß es in Mähren bereits im sechzehnten Jahrhundert Landesälteste gab, die angeblich das jüdische Recht beeinflußten oder die Macht hierzu besaßen, und von denen die Anordnung ausging, daß kein Prozeß unter mährischen Juden außer Landes ausgetragen werde. Bei dieser Gelegenheit wird der Austerlitzer Josef ben Isaak genannt, der seine Gemeinde vor ein ausländisches Forum laden wollte, weil er die Landesältesten für befangen hielt. Mährische Landesverordnungen betreffend Heiratsvermittlungsgebühren s. קונטרס לספר טעמי המנהגים, Lemberg 1907, S. 87a. Ueber Austerlitz 1523 und 1742 (Friedhof) s. Grunwald, Mitteilungen zur jüd. Volkskunde 1909 S. 121 f. Der Name des ältesten Eibensch itzer Rabbiners R. Isaak פפמם geht möglicherweise auf Pappenheim zurück, wo bereits 1381 Juden erwähnt werden (Löwenstein, Blätter f. jüd. Gesch. u. Lit., Beil, des ״Israelit“, Mainz 1902, III 111). Das Memorbuch von Heidingsfeld nennt als Rabbiner von Holleschau und sodann von Ungarisch-Brod (S. 553) R. Israel ben Koppel Levi, Israel Wiener genannt, der als Rabbiner in Würzburg, aber erst 1706, gestorben ist (Löwenstein a. a. O. V 92). Nikolsburger Grabsteininschriften und Regesten zur Gemeindegeschichte sind veröffentlicht bei Grunwald a. a. O. 1907 S. 11 ff., 1908 S. 117 ff. R. Isaak ben Dorbolo, zeitweise in Olmütz, hat in Prag nicht R. Isaak Ballaban (S. 451) sondern R. Isaak Halaban gesehen (Jubelschr. z. 70. Geburtst. . . Graetz, Breslau 1887, S. 31). Umfassend gestaltet sich die Tätigkeit des jüdischen wissenschaftlichen Instituts in Wilna, das bereits auf zwei Tochteranstalten in Berlin2 und New York blicken darf, die der Mutter an wissenschaftlichem Streben nichts nachgeben. Die Sektion für Wirtschaft und Statistik hat ihre ,,Schriften für Wirtschaft und Statistik Band I“ unter der Redaktion von Jakob Lestschinsky, Berlin 1927 (VII 1 Jahrbuch der jüd.-lit. Gesellschaft XVI 262—287, Salfeld, Das Martyrologiurxi des Nürnberger Memorbuch.es, Berlin 1898, ß. 455. 2 Verein z. Ford, des jidd.-Wissens ch. Inst. E. Tscherikower, Berlin- Wilmersdorf.