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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 3 · p. Seite 180

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 3
Article
Zur wissenschaftlichen Talmudpflege [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 180 (sequence 9)
Language
German
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180 den andern. Auf Jabneh folgten in verhältnismäßig kurzen Zwischenräumen andere Orte, die der höchsten jüdischen Gesetzeskörperschaft zeitweiligen Aufenthalt boten, und der römische. Druck brachte es bald dahin, daß Palästina von Babylonien überflügelt wurde. Das Exilarchat wuchs so sehr an Macht und Ansehen, daß seine Autorisation in praktischer Hinsicht höher zu stehen kam als die des Patriarchats (Sanh. 5a). Eine Spaltung des Mittelpunktes stand damals schon vor der Türe, denn Babylonien hing nur noch mit schwachen Fäden an Palästina. Daß in der gaonäischen Periode auch diese wenigen Fäden durchschnitten wurden, liegt hauptsächlich in der verschärften politischen Trennung dieser beiden Länder, und nicht zuletzt daran, daß die palästinensische Judenheit infolge zunehmenden Druckes noch mehr verkümmerte. Neben der von G. richtig festgestellten Tatsache, daß das Gaonat zentrale Stellung gewann und mehr oder weniger das ganze Diasporajudentum beherrschte, kann die andere Tatsache nicht ganz in den Hintergrund gedrängt werden, daß Palästina auch während dieser Zeit seine einstige Selbständigkeit nicht aufgab. Ja, nicht einmal die Hoffnung aufgab, die leitende Stellung wieder an sich zu reißen. Noch gegen Anfang des 10. Jahrhunderts machte Ben Meir den kühnen Versuch, Babylonien unter den Einfluß Palästinas zu bringen und sein ererbtes Recht auf Kalenderbestimmung Saadja gegenüber durchzusetzen. Es gelang ihm nicht, weil dieses von der Gesamtjudenheit schon längst als verjährt empfunden wurde. Aber ebensowenig konnte das Gaonat seine Hegemonie für die Dauer behaupten, weil die eigentliche Mittelpunktstheorie schon mit der Zerstörung des Tempels gefallen war. Sobald die Judenheit in europäischen Ländern festen Fuß faßte und zu größerer Blüte gelangte, war die Bildung eines oder auch mehrerer geistiger und religiöser Mittelpunkte von selbst gegeben. * * * Eine dankenswerte Arbeit leistete Dr. Michael Higger in seiner kritischen Ausgabe der מסכתות זעירות, wörtlich kleine oder winzige Traktate. Der Titel ist nicht ganz zutreffend, weil es sich nicht um eine Ausgabe der bekannten ,,Kleinen Traktate" handelt, sondern um Stücke, die zu dem Kreis des מס׳ דרך ארץ gehören. Schon die Texte sind sehr wertvoll, auch dort, wo sie Bekanntes geben, weil sie aus Mss. fließen und mit einem kritischen Apparat versehen sind. Die Texte selbst nehmen nur einen verhältnismäßig kleinen Raum ein, etwa den vierten Teil des Buches. Der Verfasser hat sich aber der Mühe unterzogen, den ganzen ־מס כ׳ דרך ארץ Kr eis eingehend zu beleuchten, und widmet ihm eine eigene Untersuchung (1—69) mit Anmerkungen (121—127). In dieser Untersuchung scheint der Verfasser seine Einleitung zur geplanten kritischen Ausgabe des מס׳ דרך ארץ רבה וזוטא vorausgeschickt zu haben. Unter den 6 Textstücken kommen nur die ersten 5 als zusammenhängende Textteile in Betracht: 1. 2) מם׳ יראת חטא Vers.), 2.2) פ׳ שלום .5 ,פרק מעשים .4 ,מם׳ עריות.3 ,מם׳ ד״א ופירא Vers.). Das sechste Stück ist eine Zusammenstellung der Sprüche, die mit גדול השלום beginnen, und haben insofern einige Berechtigung, hier

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