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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 3 · p. Seite 172

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 3
Article
Sitten und Sagen
Date
1930-01-01
Page
Seite 172 (sequence 12)
Language
German
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vorausbestimmten Ort anzeigen wollen, wo der himmlische Schatz in legitimen Besitz einer Kirche eingehen soll“1. Eine göttliche Fügung führte nach dem Untergang Jerusalems die jüdischen Flüchtlinge nach Südfrankreich, wohin sie die jüdische Lehre verpflanzten, wie auch das Christentum, von den Römern verfolgt, auf wunderbare Weise nach Südfrankreich hinausgetragen wurde. Es geschah nach göttlicher Fügung, daß die Talmudgelehr־־ samkeit noch vor dem Untergange des Gaonats nach Spanien und die jüdische Mystik nach Italien gelangte. Der Leichnam des R. Amram kam von selbst nach Mainz und der Sarg des unbekannten Frommen mit den heiligen Büchern nach Magnesia. Im Schicksal der göttlichen Lehre und ihrer Träger waltet eine göttliche Fügung und wirkt fortdauernd Wunder; das ist die Geschichtsphilosophie der Legende. Ueber den Bericht des Abraham ibn Daud von dem wunderbaren Schicksal der gefangenen Gelehrten urteilt Eppenstein: ,,Zu einem Körnchen von Wahrheit, das jedenfalls in der Nachricht über den Raubzug des maurischen Admirals Ibn Rumähis enthalten ist, hat sich eine große Masse von Dichtung hinzugesellt“■2. Dieser Bericht trägt an sich alle Merkmale der Legende: er widerspricht historischen Tatsachen, erzählt Wunderbares und wiederholt Sagenhaftes und sollte endgültig in das Reich der historischen Legende verwiesen werden. neueren Von Michael Guttmann in Breslau. ,,Die Zisterne füllt sich nicht vom eigenen Regen wasser“ lautet ein talmudisches Sprichwort. Dieses Wort gilt auch für die Wissenschaft. Kein Wissensgebiet kann Idar erfaßt werden, wenn ihm nicht Beleuchtungen in Form von Analogien, Aehnlichkeiten und Gegensätzlichkeiten aus anderen Gebieten zufließen. Für den Talmud gilt dies noch in erhöhtem Maße, da er eines der umfassendsten Literaturwerke der alten Welt darstellt und die mannigfaltigsten Berührungspunkte mit ihr aufweist. Wohl dient er in erster Reihe den Bedürfnissen des religiösen Lebens; doch geht er weit über den Rahmen des bloß Religiösen hinaus. Neben der eigentlichen Halacha und dem erbaulichen Teil, der Agada, enthält der Talmud eine große Fülle von außerkonfessionellem Wissensstoff: geschichtliche Mitteilungen oder Hinweise, kulturgeschichtliche Denkwürdigkeiten, folkloristische Elemente,, Sinnsprüche, Märchen, Legenden, Fabeln und Gleichnisse. Besondere Erwähnung verdienen die aus den verschiedensten Wissenszweigen geschöpften Bestandteile, wie medizinische, naturwissenschaftliche, mathematische, astronomische und sonstige dem antiken Wissensschatz angehörigen Sätze. 1 Delehaye, Die h agiographischen Legenden, Kempten und München 1907, 32 f. 2 MGWJ 1912, 95,

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