Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Geschäftsbericht [der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums] für das Jahr 1929
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 2)
- Language
- German
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156 ersten Bände der monumentalen neuen Mendelssohn-Ausgabe überreicht, und der Vorsitzende unserer Gesellschaft hatte Gelegenheit, in einer Ansprache auf dieses Ereignis hinzuweisen. Diese Ausgabe von Mendelssohns Gesammelten Schriften hat, wie wiederholt berichtet wurde, seit einigen Jahren unsere Gesellschaft und die Akademie für die Wissenschaft des Judentums mit Unterstützung des Bankhauses Mendelssohn & Co. vorbereitet. Es ist während der Vorarbeiten gelungen, zahlreiches, bisher unbekanntes oder unbeachtetes handschriftliches Material zu Tage zu fordern und dadurch unsere Kenntnis der Geistesarbeit Moses Mendelssohns wesentlich zu bereichern. Es ist außerdem sehr wertvolle Arbeit für eine sorgfältige Textherstellung geleistet und endlich mancherlei für die geistige Entwicklung Moses Mendelssohns und das Werden seiner Anschauungen und seiner Werke ermittelt worden. Die neue Ausgabe von Moses Mendelssohns Gesammelten Schriften wird daher nicht nur viel reichhaltiger als die bisherigen Ges amt-Ausgaben sein, sondern auch durch den beigegebenen Kritischen Apparat, die einführenden Einleitungen und erläuternden Anmerkungen ihre Vorgängerinnen an Wert und Benutzbarkeit übertreffen. Wir sind den wissenschaftlichen Mitarbeitern und Herausgebern für ihre wertvolle Arbeit sowie dem Akademie-Verlag für die herrliche Ausstattung zu aufrichtigem Dank verpflichtet. Erschienen sind bisher Band 1, der die Philosophischen Schriften, und Band 16, der die hebräischen Briefe enthält; Band 7, der erste Band der Abteilung ,,Jüdische Schriften“, wird gerade in diesen Tagen fertig. Der erste deutsche Briefband und ein weiterer Band Philosophischer Schriften sind im Druck, und so sollen jedes Jahr drei Bände erscheinen. Die gesamte Ausgabe ist auf 16 Bände berechnet. Der Preis für die Gesamtausgabe konnte dank der Subvention des Hauses Mendelssohn & Go. recht niedrig gehalten werden. Leider sah unsere Gesellschaft sich genötigt, ihre Beiträge an der Vorbereitung des Textes, die sie seit Anfang 1926 zu gleichen Teilen mit der Akademie geleistet hat, mit Beginn dieses Geschäftsjahres einzustellen. Ihre Finanzlage gestattet ihr im Augenblick nicht, diese Beiträge weiter zu leisten. Die Akademie hat sich bereitwilligst erboten, die Kosten für die Vorbereitug der weiteren Bände allein vorzustrecken. Wir gehören nach wie vor dem vorbereitenden Komitee an und arbeiten dort im besten Einvernehmen mit den Vertretern der Akademie. Die Finanzlage der Gesellschaft hat sich 1929 dahin verschlechtert, daß wir im Laufe des Jahres 3000.— Mk. mehr ausgegeben als eingenommen haben. Die Zahl der Mitglieder und die Summe der Jahresbeiträge sind zwar nicht zurückgegangen, aber worüber wir bittere Klage zu führen haben, das ist der Erlös aus den Verkäufen von Schriften der Gesellschaft, der außerordentlich niedrig ist. Die Gründer der Gesellschaft gingen von dem Gedanken aus, daß sie sich durch die Mitglieds bei träge und den Verkauf der eigenen Schriften ohne größere Subventionen selbst erhalten müßte. Sie gaben daher den bei der Gründung vorgesehenen Plan einer dauernden Subventionierung von Gelehrten auf und zogen es vor, die Arbeit in bescheidenerem Umfang zu halten und in der Hauptsache die Verbreitung einer wertvollen Literatur über das Judentum zu billigen Preisen zu fördern. In dankenswerter Weise haben sich in den fast 30 Jahren seit dem Bestehen der Gesellschaft stets Autoren gefunden, die gegen ein minimales Honorar ihre Werke der Gesellschat zur Verfügung stellten, und die Gesellschaft hat ihrerseits dem großen jüdischen Publikum eine stattliche Bibliothek aufgebaut, die zum Selbstkostenpreis abgegeben wurde; besonders unsere Mitglieder erhalten durch den ihnen zustehenden Rabatt die Möglichkeit, ihren Bücherbestand zu außerordentlich billigem Preise zu ergänzen. In den letzten Jahren stehen wir nun vor der beklagenswerten Erscheinung, daß die Veröffentlichungen der Gesellschaft bei weitem nicht mehr den Zuspruch finden wie früher, daß namentlich diejenigen Kreise, die durch ihre Führerstellung im jüdischen Leben in erster Reihe dafür in Frage kommen, von den günstigen Angeboten der Gesellschaft keinen Gebrauch machen. Es ist geradezu rätselhaft, daß ein Standardwork wie Hermann Cohens ,,Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums“, wenn es nach 10 Jahren in einer neuen Auflage veröffentlicht wird, nicht mehr Abnehmer findet, als tatsächlich der Fall ist. Es erscheint das ganz besonders unerfindlich, wenn man erwägt, daß der Text der!.Auflage vollständig durchgesehen und verbessert ist, und‘erst jetzt zum Verständnis