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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 150

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 150 (sequence 2)
Language
German
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150 Daneben werden wir die einzelnen Bände kurz nach Erscheinen anzeigen. Der vorliegende zeigt bezüglich der Mitarbeiter und der Auffassung der Aufgabe keine Veränderung; nach wie vor verdient die Ausstattung durch Karten und Bildschmuck alles Lob. Weniger korrekt ist diesmal der Druck; so steht S. 352 Origines statt Origenes; 644 liest man Gaonim; in der Literaturangabe 688 unten ist vor Hebrew Union College Annual mein Name falsch gestellt. — Vermißt haben wir Artikel über Beth din und über Julius Blau- Frankfurt a. M. Die zahlreichen Artikel zur Städte- und Ländergeschichte zeichnen sich durch starke Betonung der Statistik aus (z. B. Berlin; Budapest; Bulgarien), die meist getrennt von den rein geschichtlichen Angaben durch besondere Fachmänner behandelt wird; ihnen tritt ergänzend die Abhandlung ״Berufs- Statistik“ (21 Spalten, A. Ruppin) zur Seite. Manchmal, z. B. bei Berditschew, ist die politische und die Geistesgeschichte unter verschiedene Hände verteilt. Auch die Beiträge Bibliographie, Bibliotheken, Buchschmuck, Buchwesen beleuchten von verschiedenen Seiten das gleiche Thema, die Geschichte des Buches und seiner Behandlung im Judentum. Sehr verdienstlich ist, daß Simchoni s. A. dem Briefwesen eine ausführliche, von der Bibel bis zur Gegenwart reichende Abhandlung gewidmet hat. Auch in den Beiträgen Beleidigung, Bestattung, Boden, Bund zeigt sich das erfreuliche Bestreben, allen Erscheinungsformen des Judentums gerecht zu werden. Besonders ausführlich ist der Beitrag Beschneidung, der, auf 6 Verfasser verteilt, zunächst die biblischen Daten, dann völkerkundliche Parallelen bringt, den Kampf um die B. in hellenistisch-römischer Zeit sowie die Auffassung der Agada und der Halacha bespricht und abschließend den medizinischen Gesichtspunkt zur Geltung bringt. Uebersehen ist z. B. die Zusammenstellung halachischer Begründungen der B. bei Wohlgemuth, Das .jüd. Religionsgesetz in jüd. Beleuchtung II 49 ff. und die (an anderer Stelle von mir vermerkte) seltsame Vorstellung des Buches der Jubiläen 1527, daß der Mensch durch die B. die Natur der Engel erlange. Ein Buch für sich (von S. 485—753) bildet die Behandlung der Bibel — wiewohl Einzelfragen der Bibelwissenschaft natürlich auch sonst eingehend behandelt werden. Die Abhandlung Bibel gliedert: I. Bücher der Bibel, II. Bibeltext, III. Pentateuch der Samaritaner, IV. Bibelhandschriften mit und ohne Buchschmuck, V. Bibelausgaben, VI. Bibelübersetzungen (in 20 Sprachen bezw. Sprachgruppen), VII. Bibelexegese, VIII. Bibelkommentare, IX. Nachwirkung in den verschiedenen Zweigen des jüdischen Schrifttums, X. Nachwirkung in Christentum und Islam, XI. Bibelwissen־ schaft, jüdische und nichtjüdische, XII. Biblische Motive in der Kunst, XIII. Die Bibel in der jüdischen Geistesgeschichte, XIV. Die Bibel und die Weltkultur. Daß die notgedrungene Verteilung auf eine große Anzahl von Mitarbeitern, ja, auf mehrere Abteilungsleiter zu Wiederholungen führte, kann bei einem mehr zum Nachschlagen als zu zusammenhängendem Lesen bestimmten Werk nicht als schwerer Fehler gelten. Aber zu bedauern ist, daß bei solch ausführlicher Behandlung das Ringen der Religionsphilosophen mit den methodischen Schwierigkeiten einer über den nächsten Wortsinn hinausgehenden Schriftauslegung S. 710 eine ganz unzureichende Behandlung erfährt, zumal die Nüchternheit der Uebersetzung Saadias auch S. 587 nicht scharf genug gekennzeichnet ist. Dagegen bietet Scholems Darstellung der kabbalistischen Bibelauslegung auch dem Fachmann manches Neue, zumal noch unveröffentlichte Handschriften verwertet werden. S. 622 vermutet Kaminka Einfluß der hellenistischen, zumal in Alexandrien gepflegten Sprachkunde auf das rabbinische Judentum; so soll die gesera schawa aus dem Streben Aristarchs herzuleiten sein, dunkle Stellen durch Parallelstellen zu erläutern. Ich habe gegen den Schluß von der Uebereinstimmung in manchen Einzelheiter! auf die Entlehnung starke Bedenken, da unzweifelhaft Juden und Griechen völlig unabhängig voneinander mindestens seit dem. 5. Jahrhundert Dichter zum Gegenstände erzieherischer Schullektüre machten und sich aus der Gleichartigkeit des Schulbetriebes gewisse Analogien ergeben mußten; übrigens hat Pohlenz, Neue Jahrbücher für das klassische Altertum 1926, 257 ff. mit ״semitischen“ Einflüssen auf die griechische Sprachwissenschaft seit dem 3. Jahrhundert gerechnet. Aber allerdings geht die Analogie ziemlich weit; so hat mich der Kanon der biblischen Bücher längst an den Kanon der Redner und der Tragiker erinnert, den dje alexandrinischön Gelehrten aufstellten und

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