Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 2)
- Language
- German
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147 Nicht gleichmäßig verlaufen die Entwicklungslinien bei den jüdischen Studenten und Studentinnen, Gegenüber der Friedens zeit im Jahre 1911 haben sich die Studentinnen mehr als verdoppelt, die Studenten haben aber die Zahl von 1911 kaum erreicht, wobei aber zu beachten ist, daß die Ausländer jüdischer Provenienz seit 1911 bis 1928 von 729 auf 369 herabgegangen sind, sich also um die Hälfte vermindert haben, während sie bei den Studentinnen von 60 auf 92 gestiegen sind, im Vergleich zu den Hauptzahlen sind die männlichen jüdischen Studenten zahlenmäßig und noch mehr relativ zurückgegangen und sie sind kaum in Einklang zu bringen mit den Ausstreuungen unserer Gegner, daß der Einfluß des deutschen Judentums unter dem akademischen Nachwuchs im Zunehmen begriffen ist. Der uns zugemessene Raum hindert uns weitere Daten aus den inhaltsvollen Statistiken mitzuteilen, wir können nur jedem jüdischen Bevölkerungspolitiker empfehlen, dieses Quellenmaterial eingehend zu studieren. Julius Rothholz. Emile Vanderveide: Le Pays d’Israel, un marxiste en Palestine, suivi de ״Les Oeuvres d’Asistance en Palestine Juive“ par le Dr. Jeanne Emile Vanderveide. Paris 1929. Les editions Rieder. Enthalten in der Sammlung ,, Judaisme“, Nr. IX, 256 S. Preis fr. 15.—. Der ehemalige belgische sozialistische Minister legt hier seinen Rechenschaftsbericht über seine Palästinareise vor, die er auf Einladung der Zionistisehen Organisation Ostern 1928 zusammen mit seiner Frau gemacht hat. Man spürt aus diesem Buche deutlich heraus, mit weicher Freude der bekannte Politiker durch die jüdischen Siedlungen Palästinas geschritten ist und wie er sich grade zu dazu zwingen mußte, die Dinge klar und nüchtern zu sehen. Aber aies hat er dann doch mit aller Entschiedenheit getan. Sein Buch ist kein Reisefeuilleton, eher ist es dem Palästinabuche Felix Pinners an die Seite zu stellen, es gibt eine ausgezeichnete Materialsammlung und eine Auseinandersetzung mit den brennendsten Fragen des gegenwärtigen Palästinas, wie etwa mit dem Problem der Hebraisierung, der Rückkehr zum Lande, des Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit, der Rolle der palästinensischen Mandatsregierung, dem Problem der Arbeitsbeschaffung. Vanderveide ist der Meinung, daß Palästina auch noch durch ein kapitalistisches Stadium schreiten wird, aber dabei mit den starken Organisationen der Arbeiterschaft zu rechnen hat. Der Verf. glaubt an die Zukunft des Landes, vielleicht nicht im Sinne Herzls, nicht an den Judenstaat, aber an einen jüdischarabischen Staat. Er schließt mit einem Scherz: als er sich nach dem Stande der Geisteskrankheiten erkundigt, antwortet man ihm: ״Alle Juden Palästinas. Man muß toll sein, um hierher zu kommen. Wir sind es.“ Vanderveide fährt dann fort: ,,Ihre Tollheit, wenn es eine ist, gehört zu denen, die notwendig sind, um neue Dinge zu schaffen, schöne und glückliche.“ Breslau. _ _ Willy Cohn. ״Sinai“; Anuar de Studii Judaice. Redactor: Dr. M. A. Haie vy. Band II: Oma giuD-luiDr. Ad. Stern. Bukarest 1929, in 8, 104 + XXXII S. Verlag der ״Societatea de Studii Judaice din Romania“. Einem Aufrufe zufoige, den Dr. M. A. Haievy im Jahre 1925 erließ, hat eine Gruppe intellektueller Juden aus Rumänien die Grundlage einer Gesellschaft zur Pflege jüdischen Wissens in allen seinen Zweigen, insbesondere der Geschichte und des Folkiores der Juden Rumäniens gelegt (״Societatea de Studii Judaice din Romania“). Im Jahre 1927 ging die Gesellschaft unter dem Vorsitz des Oberrabbiners Dr. J. Niemirower und der wissenschaftlichen Leitung des Dr. Haievy mit einer großangelegten historisch-archäologischen Rundfrage über die Vergangenheit der jüdischen Gemeinden Großrumäniens an die Arbeit. Die Ergebnisse dieser Rundfrage beginnen schon Früchte zu tragen. Wichtige Inschriften, Urkunden und Schriften der altjüdischen Literatur, wie auch der nichtjüdischen, soweit sie sich auf Juden bezieht, wurden abgeschrieben und veröffentlicht; in kurzem werden sie in einer besonderen Sammlung ״Dacia Judaica“ herausgegeben werden. Außerdem ist die Gesellschaft im Begriffe, eine jüdische Bibliothek mit Museum und historischem Archiv zu gründen. Die Zeitschrift ״Sinai“ beginnt wieder, als Jahrbuch, zu erscheinen mit Artikeln in rumänischer, hebräischer und deutscher Sprache, um sie ihren 10*