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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 144

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 144 (sequence 4)
Language
German
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144 Judentum übergetreten war, hat Kasas es ernst gemeint, ohne Hintergedanken gehabt zu haben. Später suchten die Karäer diese Theorie aus folgenden Gründen zu verbreiten: Firkowitsch beabsichtigte, mit seinen Erfindungen den Nachweis zu führen, ,,daß die Karäer seit uralter Zeit, seit der Gefangennahme der zehn Stämme, in der Krim lebten, und folglich an der Kreuzigung Christi keinen Anteil hatten, somit ,,anständige Bürger“ wären, die die Gleichberechtigung* mit den russischen Bürgern verdienten.“ Als diese Theorie sich als Fälschung herausstellte, stützten sich die Karäer gern auf die neue Theorie, von den Türken abzustammen, um damit die Ansprüche auf die Emanzipation nicht preiszugeben. Kasas wollte an dem öffentlichen Leben der Karäer nicht teilnehmen. Das höchste Amt eines Chacham über alle Karäer, das man ihm anbot und das bei der Regierung hohes Ansehen genoß, hat er abgelehnt. Zu Seite 140. Der erwähnte Prof. Smirnoff ist nicht A., sondern W. D. Smirnoff. Der zweite Teil, der Erzählungen in belletristischer Form־ und einige Legenden aus dem Leben der Karäer enthält, ist sehr interessant und lesenswert,. da es eine derartige Darstellung aus dem Leben der Karäer bisher nicht gab. Die gesamte Darstellung des Buches ist lebendig und in gutem Hebräisch geschrieben. Hamburg. Isaak Markon. Roeznik Statystyki Rzeczypospolitej Polskiej. VI. Band — Annuaire Statistique de la Republique Polonaise. VI An nee. 1928 — Warschau. Ein Tabellenwerk von fast 700 Seiten mit polnischen und französischen Aufschriften und Erklärungen umfaßt das neueste statistische Jahrbuch der polnischen Republik aus dem Jahre 1928. Dieses ist umso interessanter, als Polen absolut und auch relativ — in letzterer Beziehung abgesehen von Palästina — das judenreichste Land der Welt ist, der Prozentsatz der jüdisc'hen Anteile unter der gesamten polnischen Bevölkerung beträgt 12,9 a. H., während in Deutschland auf 100 Einwohner nur 0,9 und selbst in den Vereinigten Staaten, die ebensoviel Juden wie Polen aufweisen, nur 3,0 Juden entfallen. Aber während in den Vereinigten Staaten die Massen der Juden nach kürzerer oder längerer Zeit von dem Amerikanertum aufgesogen und sich ihm assimilieren, bilden die Juden in Polen, sowie andere Gruppen, eine nationale Minderheitsgruppe mit eigener Kultur und eigener Muttersprache, und wir finden sie auch als solche in dem statistischen Jahrbuch angegeben. Stofflich ist die An- Ordnung fast dieselbe, wie sie aus deutschen Jahrbüchern bekannt ist, wir begegnen den statistischen Zusammenstellungen über die Größe des Landes, seinem Klima, seiner Bevölkerungsbewegung, seine industrielle und finanzielle Entwicklung, aber besonders interessieren uns die Daten, welche sich auf die Juden beziehen. Zum Unterschiede von den deutschen Juden haben die polnischen Juden einen natürlichen Bevölkerungszuwachs aufzuweisen, der Ueberschuß der Geborenen über die Toten beläuft sich für das Jahr 1926 auf über 30 000 gegen 39 781 im Jahre 1923. Der Rückgang ist zwar ein bedeutender, übertrifft fast die Angehörigen aller Konfessionen, bei einigen in stärkerem, bei den andern in geringerem Ausmaße. Sehr interessant ist auch die Tabelle auf Seite 72 des Jahrbuches, die über die Auswanderung Angaben enthält. Insgesamt sind aus Polen fast 150 000 Menschen ausgewandert, darunter befinden sich 18 074 Juden, von denen nur ein Achtel in Europa bleibt und sieben Achtel nach überseeischen Ländern strebte. Ihre Auswanderungsquote ist um einige Prozent höher als ihren Bevölkerungsanteilen entspricht. Im Zusammenhang damit sei auch die Tabelle erwähnt, die die Auswanderungs Ziffern aus Polen nach den Vereinigten Staaten für die Jahre 1920/21 bis 1926/27 wiedergibt. Im Jahre 1920/21 betrug die jüdische Auswanderungs zahl noch fast dreiviertel Hunderttausend, durch die Einwanderungsbeschränkungen ist sie bis auf zwei bis vier Tausend gesunken. Vordem waren die Vereinigten Staaten der Stützpunkt der jüdischen geographischen Emigration, nach seinem bedauernswerten Verlust ist es mit Freuden zu begrüßen, daß die Krisis, die durch die Ein wände rungsbescbränkung unter der Ostjudenbeit hervorgerufen ist, durch die geplante Umschichtung unserer Stammesgenossen im Osten, der vielen ,,Luftmenschen“, gemildert wird. Noch eine ganze Reihe von Tabellen des polnischen Jahrbuches verdient unsere Aufmerksamkeit, z. B. die über das Genossenschaftswesen, über das Schul-

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