Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 1)
- Language
- German
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138 Besprechungen Dr. W. J. de Wilde: De Messiaansche opvattingen der middeleeuwsche exegeten Rasji, Aben Ezra en Kimchi vooral volgens hun commentaren op Jesaja. Roy 8 9 — 253 S. H. Veenman & Zonen, Wageningen, 1929. Es ist ein ziemlich seltenes Ereignis, daß ein christlicher Theologe sich ein Thema aus der rabbinischen Literatur zur Doktorarbeit wählt. Und doch schreibt Verf. mit Recht in der Einleitung: ,,Die Christliche Theologie kann an diesem Gebiet (der mittelalterlichen jüdischen Literatur) nur zu ihrem eigenen Schaden vorübergehen. Wir müssen doch feststellen, daß sie in Sprachkunst und Exegese bei den Juden zur Schule gegangen ist.“ Das Buch enthält zwei Teile : S. 1—94 Einleitung und 94—251 Ueber- Setzung von messianischen Stellen bei Raschi, ibn Esra und Redak zu Jes und Dodekapropheton. Zunächst einige Bemerkungen zum ersten Teile: Verf. schreibt, daß es keine kritische Ausgabe der alten Kommentare gebe (S. 3); aber in seiner Literaturangabe nennt er selbst Dr. M. Friedlaender, the Commentary of Jesaia. Auch die gute Ausgabe von Redak, Jes 1—40, von L. Finkeistein, New York 1926, ist ihm unbekannt geblieben. Wahrscheinlieh infolge eines Fehlers in der Satzkonstruktion wird Maimonides der Verf. des Fons Vitae (S. 6). In dem More Nebuchim sieht Verf. ein Buch, ,,worin M. noch einmal Ordnung schafft in dem talmudischen Chaos“ (!). Unwissen־ schaftlich ist es Lewis Browne, Stranger than Truth zu zitieren bei einer Charakteristik Jehuda Ha levis (S. 8). Raschi ist 1040, nicht 1030 geboren (S. 9). Samuel b. Meir war Enkel, nicht Sohn Raschis (S. 10). Daß eben Raschis ,,Kommentar zu Genesis“ so populär ist (S. 12), ist nicht weiter bekannt. Gänzlich verfehlt ist, was Verf. über die bekannte Ibn-Esra-Stelle Deut 1! schreibt. Er meint, ,,daß Ibn Esra die Wanrheit nicht ganz verstanden, da er die Bedeutung der dort zitierten Stellen nicht versteht“ (!). Eine Studie über die סודות bei Ibn Esra hätte ihn eines anderen belehren gekonnt und ihm einen Einblick gewährt in die pointillierende Schreibart dieses dunlden Kommentatoren. Beim Abstecher über den Namen ,,Kimchi“ (S. 20) wäre hin zuweisen auf ,,Kimchi oder Kamchi“ von B. Felsentbal in Semitic Studies in Memory of A. Koliut, S. 127, 133 und 138; bei dem über Sambatjon auf I. Markon in Wohlgemuths Jeschurun XIV S. 273 ff.; bei der Besprechung der Dogmen im Judentum wäre zu zitieren MGWJ 1926, S. 65, 225, 433, 440. Bei aller Anerkennung für die zusammengebrachten Materialien läßt sich gegen die Uebersetzung der Texte manches Vorbringen. S. 26 meint Verf., daß Raschi Jes 42 mit עץ חיים den Messias meint, wozu er einige Sohar-Stellen anführt. Man kann doch unmöglich in Raschis Erklärung einen Sohar-Gedanken imputieren. S. 30 versteigt Verf. sich zu der These, daß Raschi Jes 95 zwei Erklärungen kombiniert und diese Stelle laut einer von R. zitierten Stelle aus Tosifta auch inessianisch deutet (S. 30). Verf. hat hier תוספת Tosifta verstanden. Wie bekannt, ist'n,תו׳ oder תוספת eine Indikation für einen Pseudo-Raschi. Uebrigens ist diese תוספת keine Tosifta, sondern eine Talmudstelle (Sanbedrin 94a). Im zweiten Teile hatte Verf. für Raschi die Uebersetzung Breithaupts, für Ibn Esra die Friedlaenders zur Seite. Bei Kimchi scheint er keine Kontrolle gehabt zu haben. Hier sind ihm grobe Schnitzer untergelaufen: (S. 162) Jes 128 übersetzt Verf. ואלים במו אילונים וכן הנחמים באילים אילי צדק ,,Weder Eichen noch andre Bäume. Und dies wird ihr Trost sein über die Götter: Eiche der Gerechtigkeit.“ Er hat also nicht bemerkt, daß Redak zum Schluß zwei Tenachstellen bringt, wo auch אילונים אילים gedeutet werden muß. (S. 164) Jes 310 übersetzt er ״ טוב לשמים אינו טוב לבריות זהו צדיק שאינו טובWas gut ist für den Himmel, ist noch nicht gut für die Menschen, d. 11. einem Rechtfertigen geht es nicht immer gut“ anstatt: ,,Wer gut ist in gottesdienstlichen Sachen, aber nicht gut gegenüber Menschen, der ist ein Zaddik, der nicht gut ist“ (Kiddushin 40a). (S. 169) Jes 119 ״ שילכו אחרי נושא חנם כל החילindem also das Banner das ganze Heer trägt.“ Wie ist dieses Kunststück möglich? ,,Irrtümliche Satzkonstruktion“ ist die Antwort.