Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zum Machsor Jannai
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 2)
- Language
- German
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66 aus dem Nachlaß Jannais, die Davidson in 3נ{י nachgetragen hat1, erweckten, den Zweifel, ob denn Jannais Gedichte durchgehend halachisch gewesen. Die von Max Kober soeben edierten neuen Jannaitexte2 beweisen, daß die Gleichsetzung Jannais mit halachischer, Kalirs mit aggadischer Dichtung nicht mehr aufrecht zu halten ist. Es ist wieder ein seltsamer Umstand, dem Jannai seine neuerliche Beachtung verdankt. Es ist ein außersachliches Interesse an der altertümlichen (im Gegensatz zur babylonischen und tiberischen) palästinisch genannten Punktation, mit der Jannais Liturgien wohl nicht zufällig vokalisiert sind. Paul Kahle, dessen grundlegende Forschungen über die älteste Geschichte der hebräischen Punktation verdiente Anerkennung gefunden, hat im Frühjahr 1925 in Cambridge in den Genizafragmenten der Taylor-Schechter-Sammlung eine Anzahl von liturgischen Texten mit palästinischer Vokalisation entdeckt. Sein Schüler Kober hat in fünf von diesen Blättern, wie auch in dem von C. Levias noch im Jahre 1899 veröffentlichten Fragment3, Teile des Machsor Jannai festgestellt. Ein weiterer Fund Kahles in der Sammlung des Archimandriten Antonin zu Leningrad hat ein Cambridge-Bruchstück aufs glücklichste ergänzt. In seinen ״Masoreten des Westens" hat Kahle die baldige Veröffentlichung der Texte, die er Kober zur Bearbeitung übergab, in Aussicht gestellt4. Von den neun Kompositionen, die die Bruchstücke enthalten, liegen nun fünf vor (H 16, Nr. 7 und Antonin 369), der Rest (TS 13 H 2 Nr. 10 und H 16, Nr. 4) soll ,,leider aus technischen Gründen" (S. 2) im nächsten Jahre folgen. Es sind fünf Keroboth zu den Wochenabschnitten des dreijährigen Zyklus aus Gen 814 ,1210 ,!11 ,918 ,5נ!. Die zwei letzten sind arg verstümmelt und bloß trümmerhaft erhalten, also sachlich fast wertlos; dagegen enthalten die zwei ersten jede vier bzw. fünf gut erhaltener Stücke aus den neunteiligen Jannaischen Keroboth, und die dritte Keroba vom Babelturm ist, mit Ausnahme des letzten Teiles, fast lückenlos erhalten. Sie trägt den Namensakrostichon עיי und bestätigt, wie übrigens auch die bruchstückhaft erhaltenen Keroboth, aufs glänzendste den von Davidson auf Grund spärlichen Materials so treffend aufgedeckten Aufbau der Jannaischen Keroba5 6. Daß ein nachahmender Epigone, wie der von Davidson veröffentlichte שטו&ל nach gleichem Aufbau seine lahmen Verse gezimmert hat, darf nicht im vorliegenden Falle die unzweifelhafte Urheberschaft Jannais beanstanden®. 1 Isr. Davidson, Genizah Studies III: Liturgical and Secular Poetry. New York 1928, S. 8 ff. 2 Max Kober: Zum Machsor Jannai. Neue Texte ediert, übersetzt und auf ihre Punktation hin untersucht (Bonner Dissertation). Fft. a. M. 1929. 8°. 49 S. Jahrbuch der Jüd.-lit. Gesellschaft XX, 21 ff. 3 American Journal of Semitic Languages XV, S. 156—164; neu bearbeitet in Paul Kahles: Masoreten des Westens, Stuttgart 1927, S. כ״ד ff. und 59* ff. 4 Kahle 1. c. 25 und 89. 5 Mahzor Yannai S. XXVI—XXXIV; vgl. auch desselben Antrittsvorlesung an der Universität zu Jerusalem: לתכונת הפיוטים. 6 Genizah-Studies III, S. 24—31 und Kober a. a. O. S. 6.