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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 94

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 2
Article
Aus der neuen und neuesten Literatur zur Geschichte der Juden in Deutschland [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 94 (sequence 14)
Language
German
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94 finden: A. Kober, Rheinische Judendoktoren, vornehmlich des 17. und 18. Jahrhunderts; F. Lazarus, Hessen-Kassel vor der Fremdherrschaft; S. Silberstein, Die Familiennamen der Juden unter besonderer Berücksichtigung der gesetzlichen Festlegung in Mecklenbürg, sind in dieser Zeitschrift bereits gewürdigt worden. Zum Machsor Jannai. Von Shalom Spiegel in New York. Ein seltsames Schicksal hat über dem literarischen Nachlaß Jannais gewaltet. Einst weit über die Grenzen seiner Heimat bekannt und gepriesen, — nennt ihn doch eine alte Poetik aus der Schule Saadjas den ,,wohlbekannten Jannai“ (1(ינאי אלמערוף und noch im 10. Jahrh. wird er sowohl in spanischen2 wie in deutschen3 Landen als nachahmenswertes literarisches Vorbild, wie es scheint, nicht bloß gelobt, sondern auch gelesen, — gerät er bald darauf auf geheimnisvolle Weise in fast vollständige Vergessenheit. Aus der Lombardei wird im 12. Jahrh. die merkwürdige Sage berichtet, die wohl mit dazu beigetragen haben muß, Jannai aus dem Gottesdienst zu verdrängen: er hatte nämlich aus Neid zu seinem Schüler, Eleazar Kalir, einen Skorpion in dessen Schuh gelegt, und ihn so umgebracht4. Einen triftigeren Grund für Jannais Verschollenheit verdanken wir Prof. Israel Davidson. Ihm ist, wie bekanntlich, der überaus bedeutende Fund gelungen, in Geniza-Palimpsesten, deren hebräischer jüngerer Text wegen des allgemeinen Interesses an der älteren griechischen Schriftschichte achtlos übergangen wurde, eine beträchtliche Anzahl von Bruchstücken zu entdecken, die aus dem bezeugten, aber jahrhundertelang verlorenen Machsor Jannai herrührten. Davidson hat nachgewiesen, daß die liturgischen Kompositionen Jannais dem. dreijährigen palästinischen Zyklus der biblischen Sabbatlektionen folgen, und wahrscheinlich deshalb, nachdem dieser Zyklus außer Brauch geraten, ihren ,,Sitz im Leben“, ihren Platz im Gottesdienste eingebüßt haben5. Die von Davidson entdeckten Keroboth gehörten sämtlich den gesetzlichen Bibelabschnitten des Leviticus und machten den Eindruck gereimter halachischer Midraschim. Las man die inhaltschweren Liturgien, die von den verschiedenen Gattungen des Aussatzes und von den verschiedenen Graden levitischer Unreinheit handelten, so verstand man leicht, warum die gereimte Aggacla Kalirs größere Popularität gefunden. Allerdings schon die von Wertheimer6 veröffentlichten, in den Machsor Jannai auf genommenen Fragmente und die neuen Beiträge 1 S. Schechter, Saadyana, S. 136. 2 תשובות יהודי אבן ששת, ed. Stern, S. 37. 3 שבלי הלקט, ed. Buber 13a, ein Responsum des R. Gerschom, auf das als erster Rapoport hingewiesen hat in seiner Kalirmonographie (Anm. 19) zur Zeit, wo der Kodex nur als Handschrift bekannt war. 4 Kerem Ghemed VI, S. 25. 5 Israel Davidson, Mahzor Yannai, New York 1919, 8. XXIV. 6 רכזי ירושלם II (Jerusalem 1901) 18b und 1.9a.

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