Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die slowenischen Bestandteile in der jiddischen Sprache
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 477 (sequence 3)
- Language
- German
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477 Sprachschatz slowenisches Gut birgt. Wenn man einmal von denjenigen Ausdrücken absieht, die offenbar erst in neuerer Zeit aus den nordslawischen Sprachen in das Jiddische eindrangen, so enthält die jiddische Sprache rund hundert slawische Stämme samt ihren zahlreichen Ableitungen, die sich als gemeinslawisch erweisen und in den verschiedenen Sprachen auf treten. Bei näherer Untersuchung ergibt sich jedoch, daß diese gemeinslawischen Wörter einmal der polnischen, das andere Mal der russisch-kleinrussischen Gruppe fehlen, während sie in der slowenischen Sprache das eine wie das andere Mal enthalten sind. Nachdem nun einmal der slowenische Einfluß erwiesen ist, ist die Vermutung sehr naheliegend, daß viele Ausdrücke des täglichen Lebens, der Hauswirtschaft, der Pflanzenwelt usf. schon der slowenischen Sprache entlehnt und bei der Uebersiedlung in die nordslawischen Gegenden mitgebracht wurden. Einige Formen haben sich unverwandelt erhalten, andere mögen in den ähnlichen nordslawischen Entsprechungen untergegangen sein. Die zweifellos slowenischen Reste jedoch erweisen die Beeinflussung der Juden durch die alpinischen Slawen, bestätigen und stützen dadurch aufs neue die Ansicht Mieses' von der Entwicklung der jiddischen Sprache. Eine mißverstandene Midraschsteüe. Von J. Mieses in Warschau. Grätz in seiner Geschichte der Juden, Band IV, Note 17/IV (so auch unverändert in der 3. Auflage vom Jahre 1893, Seite 432) schreibt: ״Im zusammenhängenden Berichte über den Fall Betars, .. . heißt es auch: Hadrian habe ein Areal von 1800 Quadratmil mit den Leichen der in Betar Gefallenen in aufrechter Stellung umzäunen lassen und einen Befehl erlassen, sie nicht zu beerdigen, .... (Jerus Taanit IV, S. 69a und Threni Rabba zu 2, 2) כרם גדול היה לאדרינום הרשע שמונה פשר מיל על י״ח מיל מן טבריה לצפורי והקיפו גדר מהרוגי ביתר מלא קומה ופשוט ידים ורגלים ולא גזר עליהם שיקברו עד שעמד מלך חדש וגזר עליהם שיקברו.“ Aber wie vermag man Leichen in aufrechter Stellung zu halten, oder überhaupt auch nur aufzurichten? Der Ausdruck ״melo qoma uphischut jadajim weraglajim“ ist hier einfach mißverstanden worden. Qoma bedeutet in der Verbindung mit melo lediglich ein Maß, hier ein Längenmaß. Gerade die Redeweise: Melo qoma, bedeutet bereits in der HSch ein eindimensionales Längen m a ß, siehe I;Sam 2820, wo von Saul berichtet wird, er wäre seiner ganzen Länge nach zu Boden gefallen. Im neuhebräischen Sprachgebrauch kommt ,,melo" zwecks Andeutung von Maßangaben in sämtlichen möglichen drei Variationen vor, so z. B. Mischna Chullin III 3 bedeutet: melo zawwar — die Breite des Halses; BB VI 8 melo hammitta ... — die für die Bahre usw. erforderliche Fläche; Peah IV10 melo jado — den Fassungs raum des Armes. Der Sinn der Midraschstelle ist demnach: Hadrian hat die Leichen aufschichten lassen, das heißt übereinander legen in einer