Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die slowenischen Bestandteile in der jiddischen Sprache
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 476 (sequence 2)
- Language
- German
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476 ja bekanntlich Großvater סב, während grauhaarig שב lautet. Auf Grund der identischen Aussprache dieser beiden Worte konnte auch das slowenische sed die Bedeutung Großvater erlangt haben. Die Liste der slowenischen Wörter, die bei Mieses S. 231 f. zu finden ist, läßt sich durch einige Beispiele vermehren, von denen es unzweifelhaft ist, daß sie nur aus dem Slowenischen stammen können. Jaden (ärgern, quälen) wird gewöhnlich vom polnischen jadac (fressen) abgeleitet (z. B. Strack, Jüdisches Wörterbuch1, S. 81). Es ist aber ganz sicher, daß jaden dem slowenischen jaditi und dessen zahlreichen Ableitungen entspricht. Seine Bedeutung ist eben ärgern , quälen (v. Pletersnik, Slovensko-nemski slovar2 I, S. 354). Pamejlech (allmählich) erklärt Mieses (S. 80) für slawisches pomalo mit dem jüdischen Suffix ch. Dabei bleibt aber unerklärt, warum auch die deutschen Dialekte ein ch in dieser Entlehnung enthalten. Im bajuvarischen Kärnten lautet das Wort bamachla (Mieses ib.). Die Frage erledigt sich durch den Hinweis auf das Slowenische, das als einzige von den slawischen Sprachen neben den Formen pomale auch pomaleh aufweist (v. Pletergnik, II, S. 127). Chraken (sich räuspern) lautet in den nordslawischen Sprachen charkati, charkae, während sich im Slowenischen die Form hrakati erhalten hat. Es gibt noch einige jiddische Formen, die mit dem Slowenischen vollkommen übereinstimmen, während sie von den nordslawischen Sprachen mehr oder minder abweichen. Dazu gehören vor allem: iandar (Gendarm), dessen m in den nordslawischen Sprachen erhalten bleibt, während es im Slowenischen geschwunden ist, Wewerke (Eichhörnchen) entspricht dem slowenischen veverka; im Polnischen lautet es mewiorka, im Kleinrussischen vevirka und vevjorka. Es ist bezeichnend, daß jetzt neben wewerke auch wewjorke gesprochen wird, worin sich eben der nordslawische Einfluß bemerkbar macht. Kest (Kastanie) lautet in allen slawischen Sprachen kastan und kostanj, auch in der heutigen slowenischen Sprache. -Das Altslowe״ nische (= Altbulgarische) aber und das Serbokroatische weisen die Form kesten auf, von der offenbar das jiddische Wort abzuleiten ist. Grabljen (harken) entspricht mit seiner Konsonantenfolge blj nur dem Slowenischen und Serbokroatischen, während die anderen Sprachen entweder bj oder bl aufweisen. Ugerke (Gurke) wird ebenfalls aus dem Slowenischen stammen, wenn man das mhd, agürka aus slawischen Sprachen ableitet (v. Mieses, S. 225). Das Slowenische enthält nämlich die Form ugorka3 während das Cechische ohurka, das Russische ogurec, das Polnische ogorek auf weisen. Diese Beispiele dürften den slowenischen Einfluß in der jiddischen Sprache zur Genüge erhärtet haben. Es ist aber selbstverständlich, daß nach Erbringung dieses Nachweises die Annahme nicht von der Hand zu weisen ist, da,ß sich auch im sonstigen jiddisch-slawischen 1 J. C. Hinrichs, Leipzig 1916. 3 Ljubljana, 1893.