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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 7 · p. Seite 475

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 7
Article
Über Reste der palästinischen Vokalisation in Gebetbüchern
Date
1929-01-01
Page
Seite 475 (sequence 4)
Language
German
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475 dem 13. bis 14. Jahrhundert zu. Nehmen wir selbst an, daß die Handschrift noch dem zwölften Jahrhundert angehörte — höher darf man sie keineswegs hinaufrücken — so bleibt die Tatsache, daß für diese Zeit noch ein Fortleben der palästinischen Vokalisation, und zwar sogar in Deutschland nachgewiesen werden kann, doch merkwürdig genug. Wir erwähnten eben, daß das Stück דרכך אל לדנו nach syrischer Art in silbenzählendem Metrum abgefaßt ist. Leider bietet es, von תהילתך abgesehen, zufällig keine Gelegenheit festzustellen, ob der Dichter die tiberische oder die palästinische Vokalisation voraussetzte. Noch weniger das in der Form genau entsprechende אוחילה לאל (bei dem das Enjambement im dritten Vers nicht beirren darf). Andere etwaige analoge Stücke sind mir in unserem Gebetbuch nicht aufgefallen. Die späteren zahlreichen Pizmonim der spanischen Dichter, die wie zum Beispiel Salomo Gabirols שופט כל הארץ Silbenzählendes Metrum haben, folgen der tiberischen Vokalisation, sogar soweit, daß sie auch die Pausalform ך, zulassen. Die slowenischen Bestandteile in der Jiddischen Sprache. Von Gvi Rothmüller in Zagreb (Jugoslawen). In seinem Werke ,,D ie jiddische Sprache“1 führt Matthias Mieses den Nachweis, daß das germanische Element der jiddischen Sprache ,,im bajuvärischen Dialekt mit oft deutlichen Hinweisen auf Kärnten und Steiermark“ zu suchen ist (S. 269). Abgesehen vom rein philologischen Interesse besitzt diese Behauptung eine historische Bedeutung, da sie auf die Betrachtung des jüdischen Wanderzuges im Mittelalter nicht ohne Einfluß bleiben kann. Angesichts der Tatsache, daß das bajuvarische Sprachgebiet vor der Germanisierung vom slowenischen Zweig der südslawischen Sprachen beherrscht wurde, taucht bald die Frage auf, ob die slawischen Elemente des Jiddischen, bisher vor allem im Nordslawischen gesucht, nicht zu einem gewissen Teil der slowenischen Sprache entstammen. Diese Frage ist um so wichtiger, als ihre positive Beantwortung die Resultate von Mieses von einer neuen Seite her bestätigen würde. Deshalb kann uns nicht wundernehmen, daß schon Mieses selbst einige jiddische Spracherscheinungen dem Slowenischen zuweist. Er verfährt dabei in der methoaisch allein richtigen Weise, daß er nur die sonst unerklärlichen Wörter aus dem Slowenischen zu deuten sucht, wobei aber manche Ableitung starkem Zweifel begegnen muß. Von Interesse ist die Zurückführung des jiddischen safde (Großvater), das gewöhnlich vom polnischen dziad abgeleitet wird, auf das slowenische sed, das grauhaarig bedeutet. Diese Ableitung ist sehr wahrscheinlich und die Umwandlung des Wortes grauhaarig zum Begriff Großvater könnte unter dem Einfluß der hebräischen Sprache stattgefunden haben. Im Hebräischen heißt 1 Benjamin Harz, Berlin-Wien 1924. 31*

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