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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 6 · p. Seite 414

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 6
Article
Erwiderung [Nachricht] / Aptowitzer, Viktor
Date
1929-01-01
Page
Seite 414 (sequence 12)
Language
German
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IRI
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־414 Wenn ein Rezensent sich fest vornimmt, ein Buch zu vernichten, so gibt er sich ja gewiß die größte Mühe, Mängel und Fehler des Buches ausfindig zu machen. Und wenn ihm trotzdem nichts anderes als eine Rezension, wie die des Herrn Marmorstein gelingt, so ist dies der beste Beweis für die Richtigkeit, der im Buche vorgetragenen Theorie. In diesem Sinne hat Herr Marmorstein meinem Buche einen Dienst erwiesen, wie alles Lob und alle Anerkennung es nicht tun könnten. Daher bin ich ihm für seine Rezension dankbar. Zur Auffassung des Gelübdes. Einem Schreiben des Herrn Prof. E. B a n e t h entnehmen wir folgende Ausführungen: Auf S. 34 dieses Jg.s der Monatsschrift zitiert Dr. Taubes ohne Quellenangabe eine Talmudstelle mit diesen Worten: ״Ein Mann sagte zu seinem Weibe: Konam dein Genuß von mir, wenn du von deiner Speise R. Jehuda und R. Simon nicht wirst kosten lassen.“ In einer Note bemerkt er: ״Zum Ausdruck עד שתטעימי תבשילך Vgl. Tos. Ket VIIS, wobei derselbe Passus nach dem Zusammenhang sich auf Konkubitus beziehen dürfte.“ Die Talmudstelle findet sich Nedarim 66b und lautet: .ההוא דאמר לד לרביתהו קונס שאי את נהנית לי עד שתטעימי תבשילך לרבי יהודה ולרבי שמעון רבי יהודה טעים ...דש לא טעים. Die Worte ר* יהודה טעים, die Taubes freilich wegläßt, beweisen, daß ,,das Kosten der Speise“ an dieser Stelle unmöglich den obszönen Sinn haben kann, den T. dem Anscheine nach auch hier unterstellt. Zweifellos trügt der Schein. Aber ebenso zweifellos steht die gelehrte Anmerkung an• einem recht unglücklichen Orte, wo sie leicht mißdeutet werden kann. Die Toseftastelle lautet: הדירה שתהא מטעמת תבשילה לכל אדם או שתהא ממלאה ומערה לאשפה ושתאמר לכל אדם דברים שבינו לבינה יוציא ויתן כתובה. Mit dem besten Willen kann ich in diesem Zusammenhang keine Stütze für T.s Behauptung finden. Im Gegenteil! Wenn er recht hätte, dann und nur dann würde das erste Beispiel nicht zu den beiden anderen passen. Denn in diesen steht es selbst nach Samuels Auslegung (jer. YII 5, bab. 72a) im Belieben der Frau, die Forderung ihres Mannes zu erfüllen oder abzulehnen, während sie in jenem, da Ehebruch zu den schwersten Verbrechen zählt, ja gar keine Wahl hat. Und davon abgesehen, wäre יוציא ויתן כתובה in diesem Falle gar zu selbstverständlicn. Es bleibt doch aus solchem בדר kein Ausweg mehr als die Scheidung. Wie immer die Frau sich entschließt, ihre Ehe muß auf alle Fälle gelöst werden. Tut sie nach dem Willen des Mannes, so ist sie ihm infolge des Ehebruchs verboten; weigert sie sich, so ist sie ihm auf Grund des Gelübdes — wenn ich mir die neue Entdeckung zunutze machen darf — tabu. Noch eins! Wenige Zeilen vorher meint Taubes: ״Sehr verbreitet ist die Ansicht, daß die Kinder des Sünders das Racheobjekt der Gottheit sind/1 Das soll dasselbe sein wie בעון נדרים בנים מתים. Ist es aber auch dasselbe? Vielleicht liegt es bloß am Ausdruck, vielleicht auch nur am Ton, es klafft hier ein Gegensatz zweier Weltanschauungen. Schuld und Sühne auf der einen, Rache der Gottheit auf der anderen Seite — das ist כרחק מזרח ממערב, wie das Morgenland fern ist dem Abendlande. Besprechungen Ludwig Eerd. Ciausz: Von Seele und Antlitz der Rassen und Völker. Einführung in die vergleichende Ausdrucksforschung. 99 S. Text mit 231 Abbildungen auf 86 Kunstdrucktafeln. München 1929, Verlag I. F. Lehmann, geb. 13 Mk. Kaum ein Gebiet wissenschaftlicher Forschung ist so sehr von Weltanschauungen und Parteien entstellt und mißbraucht worden, wie die Rasseforschung. Unklar in den wesentlichsten Grundbegriffen, voreingenommen in der Sämmlüng:;des Materials, dierlte;sie oft genüg nur dazu, die eigene Gemein- Schaft in ein möglichst helles Licht zu rücken und jede andere Gemeinschaft zu entwerten — besonders die jüdische, und so wurde die Rassetheorie zu einer

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