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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 5 · p. Seite 341

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 341 (sequence 3)
Language
German
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341 gewisse Umkehr gebracht (Einführung hebräischer Kurse, Gründung einer rabbinischen Schule in Slä 1920). Ein umfangreicher Teil des Buches ist dem Ritus von Rabat und Slä gewidmet. Der häusliche iind der Gemeinde־Kult, Lehrhaüs und Synagoge, Fest- und Feiertage sind breit, aber nicht immer genau, dargestellt.;Dabei ist sich der Verfasser ganz im unklaren darüber, daß diese Dinge nicht für Rabät-Slä bezeichnend, sondern allgemein jüdisch sind. Auf Einzelfragen, z. B. Abweichungen von dem üblichen sephardischen . Ritus, konnte er als Außenstehender natürlich nicht eingehen. Referent befindet sich in gleicher Lage. Spezifisch nordafrikanische Züge trägt der Heiligenkult der marokkanischen Juden, den Goulven in einem besonderen Kapitel behandelt hat. Er ist nicht lokal beschränkt, bis nach Wezzän im Nordosten — als Sitz einer berühmten Scherifen-Familie auch dem Islam teuer — und nach dem Schäwija-Gebiet im Süden erstrecken sich die Wallfahrten. So sprengt der Heiiigenkult die Abgeschlossenheit der Gemeinden, die sich sonst an zahl־ reichen Abweichungen in Sitte und Brauch selbst einander so naheliegender Orte wie Rabat und Slä zeigt. Die Art der Verehrung deckt sich mit der auch sonst im Judentum üblichen (Lichterkult), den örtlichen Verhältnissen entsprechend spielt die Bitte um Regen eine besondere Rolle. Die jüdischen Heiligen haben ihre Jahresfeste, die mit demselben Ausdruck bezeichnet werden wie die der muslimischen: Mausim. Und gewisse muhammedanisdhe ׳Heilige werden auch von den Juden verehrt. Auch bei den Erscheinungen der ,,niederen Religion“, den Sühneriten, magischen Schutzhandlungen bei Geburt und Tod etc. läßt sich der Einfluß der Umwelt feststellen. Islamisch ist der Gebrauch von Zaubers chalen, und im Aberglauben gesellen sich die arabischen Djinnen zu dem jüdischen Schedim. Auch auf dem Gebiete des profanen .Brauches berühren sich die beiden Kulturen: Bei der Hochzeit in Rabat erscheint der Bräutigam als Sultan, umgeben von seinem Hofstaat. Diese Sitte, welche in die bekannte folkloristische Kategorie ,,König-Bräutigam“ gehört, ist genau in derselben Art im ganzen muslimischen Nordafrika verbreitet, vgl. Westermarck, Les Cerdmonies du Mariage au Maroc. Auf eine Darstellung der Geschichte der Gemeinden von Rabat und Slä hat Goulven verzichtet. Immerhin findet sich in den beiden Abschnitten ,,Isradlites et Musulm ans au Maroc“ und ״L’Activite commercial des Israelites“ eine Reihe historischer Nachrichten. Aus dem ersten ersieht man, daß sich doch auch in der Reihe der Muslime Stimmen für die Juden erhoben haben (wie auch sonst in Nordafrika, z. B. Sidi Mahre z in Tunis). Im zweiten Abschnitt dürften besonders die Angaben über den jüdischen Einfluß auf die äüßere, die Handels- und die Münzpolitik des Scherifenreiches interessieren. Er vermittelt uns auch einen Einblick in die Geschichte des Korsarentums, an dem die Juden von Rabat (wie die von Algier und Tunis) finanziell beteiligt waren. Auf kleinere Unstimmigkeiten, z. B. die Frage, der Transskription, einzugehen, möchte . ich mir versagen. Erwähnt sei folgendes: S. 5ל: der Druckfehler ,,Chezau“ statt ,,Chezan“ ist aus Addison, S. 88, übernommen; S. 126: die Beschimpfung ,,gifet“ ist nicht ״charogne“, sondern eine in der ganzen Levante übliche herabsetzende Verdrehung von Jahüd. In dem nützlichen Literaturverzeichnis vermißt man Cazös, Essai sur 1’Historie des Israelites de. Tunisie, Paris 1888. Der Wert des Buches liegt in der Darstellung des Ueberganges, in dem sich die marokkanische Judenschaft seit 15 Jahren befindet. Die Aus־ führungen Goulvens über diese Entwicklung werden auch denjenigen an־ ziehen, der die Empfindungen, mit denen der Verfasser sie begleitet, und seinen naiven Glauben an den ,,voie du progr&s“ und die ,,hauteur de l’esprit scientifique“ des Jahrhunderts nicht zu teilen vermag. Charlotten bürg. W. Gaskel. '

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