Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neue Schriften zum Pentateuch [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 2)
- Language
- German
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335 im heutigen Palästina, wo es Verpflichtungen gibt, eine bestimmte Zahl von Tagen bei gewissen Straßen arbeiten zu arbeiten. Sobald er die wahren Tatsachen gekannt hätte, würde er gewußt haben, daß nichts unbegründeter sein kann als Menes’ Beweisführung. Ein zweites Beispiel für seine Methode: ,,Die Sage vom goldenen Kalb will uns demnach nicht nur von den religiösen Verirrungen der Israeliten, sondern vor allem von der Entstehung der Leviten und von ihrer Einsetzung in das Priesteramt, da sie an die Stelle der aharonidischen Priester traten, erzählen. In der gegenwärtigen Fassung der Sage ist zwar von einer Bestrafung Aharons nichts erwähnt, man wird aber wohl nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß die ursprüngliche Fassung auch von der Bestrafung Aharons erzählt hat. Denp es wäre unbegreiflich, daß zwar die weniger schuldigen Israeliten hartbestraft wurden, dagegen der Hauptschuldige Aharon mit einem blauen Auge davon käme. Die Bestrafung Aharons bestand wohl darin, daß er als der Anstifter von den Leviten getötet wurde.“ (S. 5.) Man wird bemerken, daß Menes nicht einmal innehält, um das Beweismaterial mit Bezug auf Aharons spätere Laufbahn zu untersuchen — obgleich er auf S. 1 Nr. 12 zur selben Schicht gehörig bezeichnet wie Ex. 32, und daß er das Wort ״wohl“ als ausreichende Basis erachtet für jede Phantasterei, die ihm gerade durch den Kopf geht. Ich beschränke mich auf diese zwei Beispiele; denn das ganze Buch ist aus einem Stück. Es gibt kaum eine Seite, die nicht Beispiele von willkürlichen Behauptungen und unlogischen Gedankengängen enthielte, die auszusprechen ein verantwortungsvoller Denker sich schämen würde. Wenn die Alttestamentliche Zun fl Bücher dieser Art für wissenschaftlich hält, kann niemand sie daran hindern, sie zu veröffentlichen. Aber sie sollte nicht im Zweifel darüber sein, welches das unvermeidliche Ergebnis für das Urteil all derer sein muß, die einen Begriff von gewissenhafter und methodischer Forschung haben. Harold M. Wiener. (Uebersetzt von R. L.) 1• Heinemanns Poseidonios’ metaphysische Schriften. II. Band 1928, M. u. H. Marcus, Breslau VII. 496 S. Weniger als in dem 1. Bande, in welchem die griechischen Quellen des Buches der Weisheit und die des 4. Makkabäerbuches in eigenen Abhandlungen gesucht wurden, ist in dem 2. Bande der w7eitausgreifenden Forschungen über die Metaphysik des Panaitios und Poseidonios das Judentum und Jüdisches berücksichtigt. Nur in dem Abschnitte: ,,Die orientalischen Religionen“ S. 72 ff. wird eine Untersuchung darüber angestellt, woher Strabo seine Darstellung der Juden im 16. Buche seiner Geographie geschöpft habe. Zwar hatte der Verf. schon 1919 in dieser Zeitschr. 63, 113 ff. Poseidonios als Gewährsmann nachgewiesen; aber inzwischen hat Eduard Norden diese Frage zum Teil anders beantwortet. Mit dessen abweichender Meinung setzt sich nun H. auseinander und sucht durch scharfe Gegenüberstellung des Polybios und Poseidonios sowie durch Zusammenfassung der Resultate seiner eigenen Quellenanalyse diese auf breiterer Grundlage zu sichern1. Außer der Besprechung der Behandlung der Juden bei Pompeius Trogüs (S. 80), welche Poseidonios als Quelle ausschließt, berührt H־ nur noch S. 23, 432 und 485 die poseidonianische Auffassung des Moses als Predigers des stoischen Pantheismus, erwähnt (S. 129 und 134), daß Poseidonios den bildlosen Gottesdienst der Juden pries und daß der Pazifismus der israelitischen Propheten ebenso wie der des Panaitios auf metaphysischer Grundlage beruhe (S. 215). Daß an dem reichen Ertrage der Arbeit H.s auch Philo von Alexandria einen Anteil erhält, — man vgl. hauptsächlich S. 472 und 131 neben den Stellen, welche die Register ausweisen, —ist bei einem Gelehrten nicht zu verwundern, den die Probleme der mittelstoischen Metaphysik wesentlich wegen ihrer Bedeutung für den jüdischen Hellenismus beschäftigen. Prag. Maximilian Adler. 1 S. auch S. 139, 301, 356.