Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Gesellschaft für Geschichte der Juden in der tschechoslowak. Republik [Nachricht]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 4)
- Language
- German
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332 auf der anderen Seite die kirchliche Intoleranz war, die^mit dem heutigen, doch auch heute Unrechtem Kultur-, Rassen- und Moralmotiv zu entschuldigen nicht am Platze ist, wenigstens nicht in einem streng wissenschaftlichen Buche. Man braucht doch nur die verschiedenen Eingaben der Altstädter christlichen Kaufleute aufmerksam zu prüfen, um sich zu überzeugen, daß die Bedrücker den Bedrückten kulturell und moralisch garnicht sonderlich überlegen waren. Entscheidend für unsere Geschichte in der Diaspora ist weder der Rassennoch der Moralunterschied, sondern einzig und allein das Gesetz von dem triebhaften Haß jeder Mehrheit gegen eine in sie sich einnistende Minderheit, die sich beharrlich weigert, in der Majorität aufzugehen. Die schlimmste Entgleisung aber leisten sich die Verfasser auf Seite 79 f. Da heißt es : Selbstverständlich beruht der Haß des christlichen und semitischen (so!) Elements auf Gegenseitigkeit. Der Jude mußte auf Schritt und Tritt die Exklusivität und Unsicherheit seiner Stellung inmitten der feindlichen christlichen Gesellschaft empfinden, die keine Gelegenheit vorübergehen ließ,, ohne ihn ihre tiefe Verachtung fühlen zu lassen. Schon die vorgeschriebene Kleidung sonderte auf den ersten Blick den Juden vom Christen; die gelbe Farbe war ebenso gut ein Zeichen dieser verachteten Rasse, wie der leichten .Frauenzimmer. Hatte er auch ein bedeutendes Vermögen erlangt, so blieb der Jude gesellschaftlich doch auf sein enges Ghetto beschränkt und in den eisernen Ring der christlichen Vorurteile geschmiedet. Diese christliche Verachtung beeinflußte offenbar das Wachstum des jüdischen Hasses allem Christlichen gegenüber, der übrigens auch an den Talmudkommentaren einen ausgezeichneten Nährstoff fand, die den Christenhaß für verbindlich und durch die Gebote der Lehre Mosis und seiner späteren Erklärer geheiligt erklärte n“. Wir müssen gegen diese Unterstellung auf das allerentschiedenste Verwahrung einlegen. Daß die Juden nicht Haß mit Liebe vergalten, ist zweifellos, das waren sie schon ihrer Selbsterhaltung schuldig: die Verachtung hüben mußte Verachtung drüben auslösen; das fehlt übrigens nirgends, wo eine Minderheit gegen den Uebermut und Hochmut der Mehrheit sich zur Wehr setzen muß. Daß aber in irgend einem mittelalterlichen Talmud- oder Bibelkommentar der Christenhaß für verbindlieh und geheiligt erklärt wurde, ist vollständig aus der Luft gegriffen und dem Rüstzeug verlogener antisemitischer Zeitungen und Pamphlete entnommen. Ich kann auch nicht genug meiner Verwunderung Ausdruck geben, daß Prokes und Blaschka, die doch wohl wissen, was historische Wahrheit ist, einen Satz niederschreiben konnten, für den sie nicht einen Schatten von Beweis erbringen können! Ich kann auch dem Redaktionskomitee den Vorwurf nicht ersparen, die inkriruinierten Stellen unbeanstandet gelassen zu haben. Ich kann es begreifen, daß das Redaktionskomitee gerade seinen Christliehen Mitarbeitern gegenüber die weitestgehende Objektivität wahren wollte. Es durfte aber nicht soweit gehen, in einem vo.n Juden herausgegebenen Buche Dinge sagen zu lassen, die absolut unwahr sind. Qui tacet, consentire.videtur f Es ist jammerschade, daß die prächtige Abhandlung von Prokes und Blaschka durch diesen gelben Fleck Schaden gelitten hat. Sie bleibt trotzalledem der Stolz des ersten Jahrbuchs, wie wir es als einen großen Gewinn ansehen, wenn christliche Gelehrte der Erforschung der Geschichte der Juden in der tschechoslovakischen Republik ihr Können und ihre Fähigkeit widmen. Karlsbad. I. Ziegler. Encyclopaedia Judaica* Das Judentum in Geschichte und Gegenwart. Band III,. Apostel bis Beerajim. Berlin, Verlag Eschkol, XXIII und 1231 S. Von diesem neuen Band gilt im allgemeinen dasselbe, was S. 541 ff. des vorigen Jahrgangs über das gesamte Unternehmen und die beiden ersten Bände gesagt wurde. Die Herausgeber und der weitaus größte Teil der Mitarbeiter sind ja dieselben geblieben; auch die Grundsätze für die Gestaltung des Inhalts und die Ausstattung sind unverändert; an musikalischen Beilagen und an Landkarten ist nicht gespart; die farbigen Bilder sind vielleicht noch reichhaltiger als in den vorigen Bänden. Auch an dem Grundsatz der Zusammenfassung größerer Teilgebiete ist. mit Recht festgehalten worden. Selten wird, wie bei dem Beitrag Archäologie,, nur eine knappe Uebersicht geboten; meist sind Monographien größeren Umfangs von einem oder mehreren Mitarbeitern hergestellt; z. B. über Ara-■