Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Gesellschaft für Geschichte der Juden in der tschechoslowak. Republik [Nachricht]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 2)
- Language
- German
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330 Als die Loge ״Praga“ U. O. B. B. im Jahre 1927 das 25 jährige Jubiläum ihres Bestandes feierte, überraschte sie die jüdische Welt durch die Herausgäbe eines außerordentlich wertvollen Buches, das in Form und Inhalt ihr zur höchsten Ehre gereicht: ,,Die Juden in Pra g“. Die ,,Praga“ hat das Glück, Herrn Universitätsprofessor Samuel Steinherz zu ihren Mitgliedern zu zählen. Der Name Prof. Steinherz ist weithin bekannt geworden durch das ihm übertragene Rektorat der Prager deutschen Universität, das ihm die antisemitischen Studenten streitig machen wollten. Als sein Rektoratsjahr abgelaufen war, trat er der ,,Praga“ bei mit dem Vorsatz, seine Kräfte nunmehr dem Judentum zu widmen. Selbstverständlich lenkte der Historiker Steinherz seine Aufmerksamkeit sofort auf die Frage nach der Geschichte der Juden in Böhmen. An den führenden Männern der ״Praga“, besonders an Dr. Gott liebStein fand Steinherz begeisterte Anhänger seines Wunsches, die Erforschung der Geschichte der Juden in Böhmen in neue Wege zu leiten. So erschien das Buch der ,,Praga“: ״Die Judenin Prag“ mit den hervorragenden Aufsätzen von Josef Bergl, Anton Blaschka, S. H. Lieben, Käthe Spiegel und S. Steinherz. Nun kam der Stein ins Rollen. ״Diesen ersten Schritt haben wir gewagt, ־die Bahn ist frei“. Diese Worte, mit denen die Loge ״Praga“ die Einleitung zu ihrem Buche schloß, wurden der Anstoß zu weiterer Tätigkeit. Schon in der Festsitzung anläßlich ihres 25jährigen Bestandes regte Dr. Gottlieb Stein die Gründung einer Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden in Böhmen an. Nun griff die Großloge des Distrikts herzhaft ein und entsprechend ihrer die ganze Ts che choslovakei erfassenden Organisation konnte der Präsident der Großloge Dr. Josef Popper am 22. April 1928 den Antrag den versammelten Mitgliedern der Großloge vorlegen, es sei die ״Ge - sellschaftfür Geschichte der Juden in der tschechoslovakischen Republik“ ins Leben zu rufen, der beizutreten sämtliehen Logen als Pflicht auferlegt werde. Von Anbeginn stellte sich die ״Gesellschaft“ in richtiger Erkenntnis -ihrer großen Aufgaben das Doppelziel: 1. Wissenschaftliche Arbeit zu leisten; 2. die gewonnenen Ergebnisse der Wissenschaft zu popularis i e r e n. Was bis heute über die Geschichte der Juden in den drei historischen Ländern geschrieben wurde, war zwar gut gemeint, aber nicht genügend wissenschaftlich fundiert, mehr oder weniger Dilettanten- und Liebhaberarbeit. Nun soll ein Stab hervorragender Forscher — Christen wie Juden — zur Mitarbeit gewonnen und periodisch sollen die Resultate der Forschungen veröffentlicht werden. Um jedoch die Mitglieder der ״Gesellschaft“ für die Sache zu erwärmen und die Förderung des Unternehmens auf die ganze Judenheit der Ts che choslovakei auszudehnen, wurde beschlossen, einen Teil der Ergebnisse wissenschaftlicher Erforschung in populärer Form als ״Jahrbuch“ herauszügeben. Nun liegt das erste Jahrbuch vor uns, fortiter in re suaviter in modo, wissenschaftlich, aber zugleich populär gehalten, in deutscher und tschechischer Sprache1. Das Jahrbuch enthält einen Artikel des Herausgebers über das merkwürdige Wörtchen שלא in einem aus dem 14. Jhdt. stammenden Bericht über die Vernichtung jüdischer Gemeinden durch die ersten Kreuzfahrer im Jahre 1096, für das Prof. Steinherz ״Prag“ setzen zu sollen glaubt, sodann eine kleine Abhandlung des Dozenten Dr. N e 111 über ״Alte und neue jüdische Musiker“, einen Aufsatz S. H, Liebe ns über die Fälschung ״Die Ramsehak-Chronik“; Heinrich Flesch veröffentlicht das Testament des Jacob Hirsch Biach Feilbogen und Prof. Guido Kisch die 1 Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Tschechoslovakischen Republik. I. Jahrgang. Herausgegeben von Prof. Dr. Samuel Steinherz. Kommissionsverlag Dr. Josef Flesch.