Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zu Immanuel Romi [Nachricht]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 2)
- Language
- German
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304 Außerdem sei bemerkt, daß Immanuel doch sicherlich nur dasjenige anführt, was zu seiner Zeit allgemein im Vordergründe des Bewußtseins stand; das Kausalitätsproblem aber, und nur darum würde es sich nach Brody und in gewissem Sinne auch nach Cassuto handeln, ist im Mittelalter nur nebenbei und mit wenig Interesse gestreift worden. Mir scheint, daß die Stelle ganz einfach zu interpretieren ist, wenn man unter »"DD לכל הנמצאות nichts anderes als die sehr geläufige Umschreibung von Gott Ursache alles Seins versteht. Der Sinn ergibt sich dann ganz klar: ,,die Länge der Erkenntnis :— besser: des Wissens — Gottes“, welches alles umfaßt, und, wie es im Mittelalter allgemein heißt, gleich seinem Wesen unendlich ist. 11. ״ואיכה׳ דוד, בדבר נעלינו, תהי נפש דכר יצרה ממירה״ (ibid. 213, Z.l). Brody faßt ממירה im Sinne von ממרה ,,zuwiderhandeln“ auf, und behauptet, Immanuel habe sich die Verwechselung des Verbs מרה mit מור zuschulden kommen lassen. Auch hier ist Cassuto im Recht, wenn er ממירה im eigentlichen Sinne ,,eintauschen“ auffaßt. Jedoch seine Konjektur ייצךה statt יצרה zu punktieren, gibt zwar einen leicht faßbaren Sinn, der aber das Gegenteil von dem, was der Zusammenhang verlangt und was Cassuto selbst darunter versteht, ausdrückt. Denn nach dieser Punktuation müßte es heißen: ,,wie kann die Seele ihren Liebestrieb gegen dasjenige, wodurch wir erhaben sind, eintauschen?“. Das kann aber Immanuel unmöglich gemeint haben; vielmehr muß es umgekehrt heißen: , ,wie kann die Seele das Erhabene gegen das Nichtige eintauschen?“. Man vgl. //ואיך נמכור משוש עולם ונצחי בצד הבל ותבל הארורה" in demselben Abschnitt (206, Z. 13). Der Sinn steht also fest, und wir müssen bloß sehen, wie wir diesem den Text anpassen können. Vor allem ist demnach unter דבר יצרה, welches das Einzutauschende darstellt, etwas Erhabenes, Wertvolles zu verstehen, und daher die ursprüngliche Punktuation יצרה zu behalten. Dagegen muß בדבר נעלינו, das den Gegenwert darstellt, etwas Geringwertiges bedeuten, und diese Bedeutung finden wir, wenn wir נעלינו nicht verbal von עלה, sondern substantiv, von נצל — Schuhe — auffassen. Immanuel spielt da auf den Vers Arnos 26, 86 בעבור נעלים an, wo נעלים sprichwörtlich für etwas ,,Geringwertiges“ gebraucht wird, und sagt demnach: ,,wie kann bloß die Seele das Wort ihres Schöpfers — das Wertvollste -— gegen das Wertlose an uns eintauschen?“. Bei der allegorischen Tendenz Immanuels in der Bibelexegese ist es sogar wahrscheinlich, daß er zugleich auf den Vers Exod 35 של נעליך anspielt, wobei נעלים als das dem Heiligen Entgegengesetzte erscheint, und nach der allegorischen Deutung das Sinnliche bedeutet, welches dem Intellektuellen entgegengesetzt ist. Man vgl. Bachja zur steile: וצל דרך השכל של נעליך... הזהירו שישלול ממנו החומריות שהמשילה לנעלים;ähnlichAbravanei z. St. Und gerade um diesen Gegensatz handelt es sich hier. Allein diese unsere Interpretation bietet eine Schwierigkeit. Das Metrum verlangt, daß בדבר ein ״תד ותנועה gibt; bei der Substantivform von נעלינו müßte es בדבר heißen, und das Metrum ist dann zerstört.