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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 5 · p. Seite 282

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 5
Article
Der Midrasch (Scheni ketuvim) von den Widersprüchen in der Bibel
Date
1929-01-01
Page
Seite 282 (sequence 2)
Language
German
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282 betrachtet werden. Tatsächlich sind die Widersprüche anderer Art als die der ersten Gruppe. In ihr handelt es sich um die Vor- Stellung von Gottes Vollkommenheit und Güte, Allmacht und Können, während in der letzteren Gruppe theologische Fragen kaum berührt werden. Es gibt aber auch in diesem Fragment der Wider- Sprüche Spuren davon, daß es in seiner jetzigen Gestalt nachtannaitischen Ursprungs sein muß. Ich glaube an einer andern Stelle nachgewiesen zu haben, daß die Vorstellung von der himmlischen ,,Familie“ erst dem dritten Jahrhundert angehören kann1. Hier aber (S. 47) findet sich der Satz כביכול נתמעטה פמליא של מעלה, als hätte sich die obere Familia verringert. Diese Piska ist nicht vereinzelt. Piska 58 beschäftigen sich R. Josiah und R. Jonathan, die Tannaiten aus der Schule des R. Ismael mit der Erklärung von den sich widersprechenden Stellen in Ex 1916 und I Kg 1912 über die Stimme Gottes (ed. Horowitz, S. 56). Piska 62 löst R. Nathan (Jonathan?) den Widerspruch zwischen ■Num 824 und 423 (ed. Horowitz, S. 60, vgl. auch 24 a. Tosefta Schekalim 326). Recht zahlreich sind ähnliche Stellen im Sifre zum Deuteronomium, Piska 62 S. Num 42, 70, 118, 334, 341. Ebenso kann man auf die Mechilta, S. 73 b, 98 b, 99 a, 100 b etc. hinweisen als Beleg dafür, daß die Ausgleichung wirklicher oder angeblicher Widersprüche einen beträchtlichen Teil der exegetischen Tätigkeit in den Tannaitenschulen bildete. Diese Sorgfalt für die Räumung von Schwierigkeiten hat in der Periode der Amoräer keineswegs nachgelassen. Im Gegenteil, sie wurde immer stärker und mit dem größten Eifer betrieben. Wie die Kirchenväter es öfters betonen, daß in den heil. Schriften kein Widerspruch herrschen kann, so mußten auch die Rabbinen an diesem Prinzip festhalten, obwohl es manchmal der größten Anstrengung bedurfte, 1 Vgl. Marmorstein, Arges et Hommes dans 1’ Agada, in RBJ 84, 1927, ■34—50 und 138—141. Gegen meine Vermutung ließe sich einwenden, daß der Babli b. Schebuoth 21 a, R. Jochanan im Namen des R. Simon ben Jochai, b. Tem. 3 ab, im Namen des R. Meir von בית דין של מעלה sprechen läßt, vgl. auch Pes. r. 114 b, wo .בית דין של מעלד im Namen des R. Meir :garnicht erwähnt wird. Allein ein Hinweis auf Jer. Schebuoth 35a lehrt deutlich, daß es ursprünglich בי לא ינקה ה' מנקין הן הדיינין geheißen hat. Ferner ist die Barajta b. R. H. 8 b zu beachten, wo es heißt, ,ת״ר כי חק לישראל הוא וכר מלמד שאין בדד של מעלה נכנסין לדין אא״כ קדשו ב״ר של מטה. Hier ist es aber sehr fraglich, oh wir die ursprüngliche tannaitische Lesart vor uns haben. Zum Beweis Midr. Tannaim Hoffmann, S. 100 wird als tannaitisch betrachtet der Satz שאין ב״ד של מעלה קונם אלא וכד (beachte d. Singular!), Während die Lehre im Jeruschalmi Bikkurim 2ג und Jer. Sanh. 115 im Namen R. Abin b. Tanhum b. Tarfon gebracht wird, b. Sabb. 59 b hat R. Samuel b. Nahmani im Namen des R. Jonathan eine ähnliche Lehre. Es bleibt noch eine Baraijta in der R. Akiba angeblich von בית דין של מעלה spricht, u. z. b. Makkoth 13 b. Ist es wirklich möglich, daß R. Akiba, der dem Papajos Schweigen gebietet, weil er die biblische Lehre von den göttlichen Beratern auf frischt, diesen Ausdruck für Gott gebraucht hätte? Er würde darin eine Verfälschung des jüdischen Gottesbegriffes gesehen haben. Man darf nicht vergessen, daß die Amoräer ihre termini in ältere Texte hineingestellt haben. Einen ähnlichen Fall sehen wir beim Gebrauch des Gottesnamens הקב״ה. ,,Heilig“ als Name Gottes ist bereits, auf einer gewissen Stufe der prophetischen Religion zu finden. Allgemein war er niemals. Der voramoräischen war er jedenfalls fremd, und hat sich erst nach dieser Zeit eingebürgert. Das hinderte aber nicht, diese Bezeichnung in alte Texte (in vereinzelten Fällen) einzuführen.

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