Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zu Deuteronomium 6, 4
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829959-2829964-2835478--49125-2835540- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
264 bis zu seinem letzten Tage ein Lernender. Ist doch kaum etwas bezeichnender,, als daß er noch am Tage vor seinem Tode sich zur Lektüre im Krankenbett die Septuaginta bringen ließ. Seine Schüler hingen an ihm mit geradezu schwärmerischer Verehrung. Sie wußten, was sie ihm dankten an Wissen* an‘Befähigung zu selbständiger Denkarbeit, an pädagogischer Schulung und Methode, die er mit ungewöhnlicher Meisterschaft beherrschte. Das Bestimmende aber war das Ethos dieser Persönlichkeit. Darum war er nicht Lehrer, sondern Erzieher, weil er dies Ethos lebte. Der Kantische Pflichtbegriff war ihm in Fleisch und Blut übergegangen und konnte bis zur Pedanterie werden. Wahrheit und Gerechtigkeit waren die Grundpfeiler seines Seins. Hier kannte er keine Zugeständnisse, gegenüber Lüge, Ungerechtigkeit und Pflichtvergessenheit konnte er in Zorn geraten. Mit allen Fasern seiner Seele hing er am Judentum, das ihm dies Ethos gab als Religion. Der ethische Monotheismus des Judentums ist ihm die Bürgschaft der Offenbarung gewesen. Frühzeitig, schon in seinen Studienjahren von Abraham Geigers Wirken beeinflußt, hat er das Judentum mit Freisinn erfaßt. Alles Große und Hehre fand sein tief religiöser Sinn im Judentum. So hat der Greis, der noch als Achtzigjähriger seine arabischen Studien wieder aufnahm und den Koran eifrig las, sich mit aller Energie dem Studium der Bibel zugewandt, griechische und lateinische, englische und französische, deutsche und spanische, alte und neue Bibelübersetzungen sorgfältig geprüft und wiederholt an scheinbar geringfügigen Einzelheiten die Umbiegung und Trübung der biblischen jüdischen Auffassung aufgezeigt. Sein letzter Aufsatz, der hier zum Abdruck kommt, gehört in diese Kategorie. Das Judentum und die jüdische Wissenschaft hat einen der Besten an ihm verloren. Wer ihm näher treten und seine Freundschaft erfahren durfte, bekennt dankbar, daß ihm das höchste Glück der Erdenkinder zu eigen war, Persönlichkeit. ־ Hermann Vogelstein. Die Grundlehre des Judentums: אחד njfr ע\י*אל יהוד, אלפינו: (Deut 64) lautet in der Septuaginta: *Axous, 'JaparjX, Kvpmr o $soe 7]pä)v K6pm: ־ ek icrrcu. Auch nach Wolf Grafen Baudissins eindringender Deutung von Kupm (in seinem sehr bedeutenden,, gründlichen und umfassenden postumen Werke: KYRIOS als Gottesname im Judentum und seine Stelle in der Religionsgeschickte) glaube ich behaupten zu dürfen, daß durch Kuptoq als Ersatz für den Gottesnamen in die Bibel etwas von diesem weit Abstehendes hineingetragen worden ist. Denn die Vorstellung von dem ״einen wahren Gott“, die die alexandrinischen Uebersetzer nach Baudissin (III 698) mit Kupioz verbunden haben, haftete doch diesem nicht an. Und so konnte einerseits, da heidnische Götter den Titel xupm; hatten, von Griechen der Gott Israels heidnischen Göttern gleichgestellt werden. Und daß anderseits, während manche Uebersetzer nach Baudissin (ebd. 699) gar nicht mehr daran dachten, daß x6p10<; die Bedeutung ״Herr“ habe_, dadurch in nichtgriechischen Lesern nur diese Vorstellung ״Herr“ geweckt wurde, zeigt die Wieder־ gäbe der Itala mit dominus.