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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 5 · p. Seite 263

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 5
Article
Mendelssohns Anschauungen vom Wesen des Judentums
Date
1929-01-01
Page
Seite 263 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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263 füllung ihrer menschlichen Pflichten heranzubilden. Nur die religiöse Erziehung bleibt den Kirchen Vorbehalten. Wir erkennen hier wiederum die Trennung von Vernunft- und Offenbarungsreligion in der Trennung staatlicher und religiöser Erziehung. Der Staat hat nicht nur polizeiliche, sondern auch kulturelle Aufgaben zu erfüllen. Die Erziehung seiner Bürger zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft ist seine kulturelle Aufgabe. Hier führt die Philosophie Mendelssohns unmittelbar zu seinen politischen und pädagogischen Ideen. So erkennen wir die Auseinandersetzung mit Locke als wesentliche Voraussetzung der Mendelssohnschen Religions- und Staatsphilosophie und als Schlüssel des Verständnisses seiner Anschauung vom Wesen des Judentums. Grade weil die Vernunftreligion die allgemeine Menschenliebe, das jüdische Gesetz aber die Erziehung des jüdischen Volkes zur Verwirklichung der Vernunftreligion zum Ziele hat, steht der Partikularismus des Religionsgesetzes mit dem Universalismus der Vernunftreligion in innigster Verbindung. Als Religionsgemein״ schaft tritt das Judentum unter Wahrung seines Gesetzes in den Kreis des europäischen Lebens, dessen Aufgabe die Verwirklichung der Humanität ist, und als Religionsgemeinschaft erhebt es die Forderung der Anerkennung der staatsbürgerlichen Rechte der Juden. Zu Deuteronomium 64. (Ein durch die Septuaginta veranlaßter Grundfehler in der Bibelübersetzung) Von Dr. Michael Holzman s. A. Vorbemerkung• Am 25. April ist Michael Holzman achtundachtzigjährig gestorben. Wenige Wochen vor seinem Tode ist der nachstehende Aufsatz geschrieben, mitten aus schaffender Arbeit ist der Greis, der sich bis zuletzt jugendliche geistige Frische und Begeisterung bewahrt hat, weggerafft. Am 20. Januar 1841 in Ostrowo geboren, kam er als Dreizehnjähriger an das soeben begründete jüdisch-theologische Seminar in Breslau. Aber entgegen seiner ursprünglichen Absicht hat er seine theologischen Studien nicht beendet, sondern, nachdem er am Elisabethgymnasium das Reifezeugnis erlangt hatte, das Seminar verlassen und sich ganz dem Studium der Philologie zugewandt. Jacob Bernays in Breslau und Ghajim Steinthal in Berlin waren die beiden Lehrer, an denen er bis ins höchste Alter mit verehrungsvoller Dankbarkeit hing. Noch vor Ablegung der Staatsprüfung unterrichtete er an der jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin, wurde dann am Sophienrealgymnasium angestellt und 1882 :zum Direktor der jüdischen Lehrerbildungsanstalt und der Knabenschule der jüdischen Gemeinde in Berlin berufen. Mit siebzig Jahren trat er von diesem Amt zurück. Holzman hat wenig veröffentlicht, weil seine peinliche Auffassung der Berufspflicht ihm nicht die Muße zu produktiver literarischer Tätigkeit ließ. Aber er war nicht nur ein Gelehrter mit umfangreichen, tiefen Kenntnissen,;sondern ein Mann der Wissenschaft, der an alle Fragen mit besonnener methobischer Kritik und dem unstillbaren Wahrheitsdrang heranging. Er war

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