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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 212

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 4
Article
Die mandäische Religion und das Judentum
Date
1929-01-01
Page
Seite 212 (sequence 2)
Language
German
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212 2. Buches. Die ältere Rezension nennen wir A, im Gegensatz zu B, der jüngeren Rezension. Die in A enthaltenen, aus dem Talmud und den Midrasim stammenden spät jüdischen Bestandteile vermögen uns einen Anhaltspunkt über die Zeit zu geben, in der die mandäische Sekte frühestens entstanden sein könnte. Spätjüdische und christliche Bestandteile konnten nur solange aufgenommen worden sein, als die Mandäer noch dem Juden- und Christentum nahestanden. Bei dem uns bereits in A entgegentretenden maßlosen Haß gegen Juden- und Christentum, die übrigens in A als eine einheitliche Religion aufgefaßt werden, erscheint es ausgeschlossen, daß die Mandäer nach ihrer Absqnderung. vom Juden-, und Christentum auch weiterhin noch jüdische und neutestamentliche Vorstellungen übernommen hätten, zumal, da sämtliche jüdische und christliche Schriften als Teufelswerk gebrandmarkt worden sind. Alle die jüdischen und christlichen Bestandteile, die zum unerschütterlichen Glaubensgut der Mandäer gehören, weisen, wie hier dargelegt werden wird, auf ein ursprüngliches Judenchristentum hin, aus dem sie hervorgegangen sind. Gehen wir zunächst auf die monotheistischen Lehren des A ein, die mit denen des Judentums sich decken. Ausdrücklich wird an verschiedenen Stellen hervorgehoben, daß der göttliche Weltenherrscher ,,unbegrenzbar, ohne Genossen an der Krone, ohne Teilhaber an der Herrlichkeit“ (S. 5) sei. Er ist ,,der große und hohe Gott“1, ״der hohe Lichtkönig2 .. . . von Anfang bis in alle Ewigkeit, der erste, von allem Urbeginn an, der Schöpfer aller Gestalten, der Bildner der schönen Dinge“ (S.,6). ,,Eine r ist der Lichtkönig in seinem Reiche, keinen gibt es, der größer als er wäre, keinen, der mit ihm Krieg führte“ (S. 8). ,,Er hat keinen Vater, der älter wäre als er, keinen Erstgeborenen, der vor ihm gewesen wäre, er hat keinen Bruder, der mit ihm seinen Anteil teilte, keinen Zwillingsb rüder“ (S. 9). ,,Durch sein Wort sind seine Engel und 1 Die mand. Ausdrücke רבא ועלאיא entsprechen den targumischen רבא ( hebr. גדול) und ־=). עלאה hebr.?עליו), die beide auch im Judentum Attribute Gottes sind. Zu der mand. Bezeichnung Gottes als des ,,Herrn der Größe“ 'מרא דרבותא (Ginzä s. 6) vgl. Deut 323: הבו גדל לאלוהינו targ. הבו רבותא קדם א להגו. Das beim Gottesdienst unmittelbar nach der Aushebung der Thorarolle beginnende, aus I Ghr 29u stammende Gebet lautet im Targum לך אדני 1ץבותא ,,dir 0 Herr die Größe.“ Daß auch der mandäische Ausdruck ״Leben“ (bezw. Lebende“) für Gott aus dem Judentum stammt, habe ich Oriens Christi anus 1927, 269 aargelegt; vgl. ferner Joseph. Ant. XII 2: ״Wir nennen ihn (Gott) den Lebendigen, weil er allen das Leben verleiht“. Aehnlich auch im Samaritanischen, vgl. M. Gaster, Asatir X 28, 51, XI 17. Die Bezeichnung ״Lebender“ für eine Gottheit kommt noch im Altägyptischen vor; so heißt Gott Schu ״Sohn des Ra, lebender Herr“, die Göttin Sechmet wird, als ״die Lebendige“ angeredet (H. Junker, Der Auszug der Hathor Tafnut, Abhdl. Preuß. Ak. W. 1911, 29,34.) 2 ־ Nicht im Iranischen, sondern im Judentum wird Gott als König bezeichnet, der sich als Licht offenbart (§emöt R. P. 15 zu C 1212) und deshalb auch Licht genannt wird. Ps 3610, 271104 ,8916 יa, II Sam 2229, Jes 60! 19, Mi 7g; Dan 222, Wajjiqrä Rabbä P. 31, Scheftelowitz, Entst. d. manich. Rel. 19. Im Saharit - Gebet des 1. Röshassänäh-Tages heißt es: ״O König, der im Lichte wohnt, der in L i 0 h t g e h ü 111 ist wie in ein Gewand, er wird unser Recht wie das Licht hervorgehen lassen“. Die Bezeichnung Gottes als des Lichts (<$«$<;) findet sich häufig bei Philon (J. Kroll, Hermes Trismeg. S. 22). ־ .

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