Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Geschäftsbericht [der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums] für das Jahr 1928
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 1)
- Language
- German
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172 Geschäftsbericht für das Jahr 192$. Das Jahr 1929 ist ein Jahr der Jubiläen, das für die Geschichte der Juden seine besondere Bedeutung erhält durch die zweihundertste Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelssohns, dessen epochemachende Bedeutung für die kulturelle Erneuerung des Judentums unbestritten ist. Zur Ehrung dieses Tages bereitet unsere Gesellschaft zusammen mit der Akademie für die Wissenschaft des Judentums eine neue Gesamta11sgabe!der Schriften Moses Mendelssohns vor. Wir freuen uns, berichten zu können, daß die Vorarbeiten für die neue Ausgabe eine unerwartete Menge unbekannten und interessanten Materials zu Tage gefördert haben, und daß im Berichtsjahre die Vorbereitungen soweit gediehen sind, daß mit dem Druck der Gesamtausgabe bereits begonnen werden konnte. Wir dürfen hoffen, zum Jubiläumstage mindestens 3, vielleicht sogar 4 Bände vorlegen zu können. Die Herausgabe ,wurde dem Akademie-Verlag übertragen. Dank dem hochherzigen Entgegenkommen des Bankhauses Mendelssohn & Co. wird es diesem möglich sein, die Gesamtausgabe der Werke Moses Mendelssohns, die sich auf etwa 15 Bände erstrecken wird, recht preiswert abzugeben, so daß Bibliotheken und Einzelpersonen in der Lage sein werden, sich dieses monumentale Zeugnis jüdischen Geistes, diese starke Anregung jüdischen Lebens anzuschaffen. Unsere Gesellschaft hat das Jubiläum gewissermaßen vorweggenommen, hat als Vortragenden für ihre letzte Hauptversammlung Herrn Dr. Fritz Bamberger, einen der Mitarbeiter an der Gesamtausgabe der Mendelssohn- Werke, gewonnen, der über ,,Die geistige Gestalt Moses Mendelssohns“ sprach. Die Hauptversammlung fand am 4. Juni 1928 im Kongreßhause der Ausstellungshallen in Köln-Deutz im Kongreßsaal statt. Wir folgten gern einer Einladung, welche die Stadt Köln an eine Hei he jüdischer Organisationen hatte ergehen lassen, anläßlich der Internationalen Presse-Ausstellung dort eine jüdische Kulturwoche abzuhalten. Wir hatten dadurch Gelegenheit, zahlreiche Freunde außerhalb Berlins, insbesondre aus dem Rheinland, zu einer Hauptversammlung um uns zu vereinen, und hatten überdies die Freude, angesehene Vertreter jüdischer Verbände und Organisationen in unserer Mitte zu sehen. Die Stadt Köln begrüßte die Versammlung durch ihren Beigeordneten, die Universität Köln durch ihren Rektor, das Orientalische Seminar der Universität Bonn durch seinen Direktor. Die besonders zahlreiche und. durch die Teilnahme vieler Gelehrter ausgezeichnete Versammlung wurde durch die Berichte unseres Vorsitzenden und unseres Schriftführers sehr lebhaft interessiert und folgte mit gespannter Aufmerksamkeit dem erwähnten Vortrage des' Herrn Dr. Bamberger. Eine dort gegebene Anregung, gemeinsame Tagungen aller jüdisch-wissenschaftlichen Verbände zu organisieren, wird von uns weiter verfolgt. Der von uns erwartete propagandistische Erfolg der Kölner Versammlung blieb leider aus; die Anmeldung neuer Mitglieder war spärlich. Der Abgang von Mitgliedern ist in dieser Zeit noch immer schwrankender wirtschaftlicher Verhältnisse außerordentlich stark. Im Jahre 1928 schieden 122 Mitglieder aus. Dank der unverdrossenen Werbearbeit unseres Büros und unserer Freunde gelang es, 122 neue Mitglieder zu gewinnen, sodaß wir am Ende des •Jahres wieder über einen Bestand von 1600 Mitgliedern verfügen und damit die Ziffer von 1913 wieder erreicht haben. Bezeichnend aber bleibt, daß die Vermögenslage unserer Mitglieder sich sehr ungünstig gestaltet hat und daß auch im vergangenen Jahre 76 Mitglieder um Erlaß und 137 Mitglieder um Ermäßigung des Jahresbeitrages nachsuchen mußten. Wir haben, obwohl uns der frühere Zuschuß durch die Emergency Society in New York fehlte,, soweit es irgend angängig war, die nachgesuchten Vergünstigungen gewährt. Einen gewissen Ersatz für den ausgefallenen Beitrag der Emergency Society bot uns eine Spende des Herrn Ludwig Vogelstein in New York, der uns zunächst für 3 Jahre je 100 Dollar zur Verfügung stellte, wofür wir ihm auch an dieser Stelle unsern herzlichsten Dank aussprechen.