Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Studien zur Redaktion des babylonischen Talmuds
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 13)
- Language
- German
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143 beiden Bemerkungen sind auf uns, wie es scheint, in ihrer Urfassung gekommen. Wir finden selten eine Suggia, deren Aufbau das Problem der talmudischen Redaktion in einer so breiten Linie aufrollen läßt. Die Suggia ist trotz ihres Einheitscharakters, der im Gesamtrahmen seinen Ausdruck findet, nicht aus einem Gusse; eine jede Teilsuggia ist vielmehr ihren eigenen Entwicklungsweg gegangen, sei es in chronologischer, sei es in sachlicher Beziehung. Der Gesamtrahmen und namentlich die Erklärungen Ulas, R. Jochanans und Resch Lakischs sind alt, denn abgesehen davon, daß die Autorennamen für das Alter bürgen, bezeugen es die Parallelen im Jeruschalmi. Die Einzelsuggioth scheinen zu verschiedenen Zeiten ihren Abschluß gefunden zu haben. So ist die zweite Teilsuggia wahrscheinlich zur Zeit Abajes und Rawas, der erste Teil der dritten sicherlich erst nach Abaje und Rawa gelernt und ihr zweiter Teil gewiß erst nach R. Aschi abgeschlossen worden. Die Verschiedenheit der Entwicklung in sachlicher Beziehung findet ihren prägnantesten Ausdruck in den zwei Schlußbemerkungen der Gesamtsuggia. (Schluß folgt.) Die literarische Form der Patriarchenbiographien des PM!on von Alexandrien. Von Dr. Anton Prießnig. I. Die biographischen Formen der spätantiken Literatur1. Formenreichtum der spätantiken Biographie. Nach Friedr. Leo waren im Altertum folgende Schemata für Lebensbeschreibungen gebräuchlich: I. Das SchemaderPeripatetiker und des Plutarch: A. Vorgeschichte (Jugend des Helden). — B. Seine Tätigkeit: Zusammenhängende Erzählung der Handlungen in zeitlicher Folge mit eingestreuten Anekdoten und Aussprüchen unter ständigen Hinweisen auf die jeweils hervortretenden Charakterzüge. — C. Tod. 1 Verzeichnis der wichtigsten Schriften über die biographischen Formen: Friedrich Leo, Die griechisch-römische Biographie nach ihrer literarischen Form, Leipzig 1901. Wilhelm Schmid, Der griechische Roman. Gegenwärtiger Stand unserer Kenntnis über seinen Begriff und Ursprung. Neue Jahrbücher für das klassische Altertum usw. 1904, Bd. 13, S. 465—485. (Der Aufsatz handelt auch über die romanhaften Biographien.) Richard Reitzenstein, Hellenistische Wundererzählungen, Leipzig 1906. Karl Holl, Die schriftstellerische Form des griechischen Heiligenlebens, Neue Jahrbücher für das klass. Altertum usw. 1912, Bd. 29, S. 406—427. Anton Prießnig, Die biographischen Formen der griechischen Heiligenlegenden in ihrer geschichtlichen Entwicklung, Münchener Dissertation, Männerstadt Ufr. 1924, S. 11—21 (Zusammenfassung der Ergebnisse der bisherigen Forschung über die legendenhaften Biographien von Wundertätern). A. Marmorstein, Legendenmotive in der rabbinischen Literatur, Archiv für Religionswissenschaft, herausg. v. Richard Wünsch, 1913, Bd. 16, S. 160 ff. Horodetzki, Der Zaddik (jüdische Wundertäter), ebenda S. 145—159.