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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 125

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 3
Article
Der Judenbader zu Gaya
Date
1929-01-01
Page
Seite 125 (sequence 7)
Language
German
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125 Stirn so unachtsam gelassen hast, daß das Weib davon gleich blind geworden? R. ,,Ich weiß nichts davon, Wer weiß ob ichs gewesen bin, oder ein Anderer.“ Int. XX um. ,,Der Herr Dr. Götz unter anderem schreibet anher auch dieses, daß du ihm Herrn Doktor bekannt hast, wie du selbst in deinem Hause etliche Judenkinder an solcher Scorbut’scher Flecken-Krankheiten gehabt hast. Warum hast du es nicht angezeigt, besonders darum, weilen solche Krankheiten auch gefährlich und leicht anzüglich, oder ansteckende sein sollen.“ R. ,,Dazumal ist kein Befehl hier gewesen, daß man es anzeigen solle. Die jüdischen Kinder, die ich bei mir im Hause gehabt habe, haben keinen gefährlichen Zustand gehabt, ist nur eine Wurmsucht gewesen. Das war gleich dorten um Wenzeslaizeiten. Man thut solche Sachen wider mich aufbfingen, nur aus lauter Feindschaft. Ich protestire auch wider alle Schäden und Unkosten wider den Christen- Bader. Er solle mir auch darauf Caution stellen. Melde auch den Rekurs an. Ihre Myt. an, weil man mich in Arrest stecken will, wo ich doch Possessionirt bin und will an noch Bürgen vor (== für) mich stellen.“ Das alles, was da beschrieben, ist, vom Christen-Bader eigentlich angezeigt und respective von dem Juden-Bader bekennet und ausgesagt worden. Urkund dessen ist unser Namens-Unterschrift und Stadt-Richterliches Petschaft. Actum Gaja die et Anno ut supra. (L. S.) Georg Johann Podiwinsky subst. Stadtrichter. Josef Anton Wiebauer Assistent. Carl J. J. Dapzt Assistent. Josef Wenzel Drazitzky, Aktuarius. Verzeichnis der am 14. März 1720 beschlagnahmten Medikamente und deren Befund nach genauer Untersuchung: No. 1 Pulver: ,,wird judizirt, ein Muschelpulver, truckert (= trocknet) aus, befördert den Schweiß und wird gebraucht bei Fieber für die armen Leute.“ No. 2 ,,wird judizirt pulverisirte Wolfsmilchwurzel. Purgirt sehr stark, führt die wässerige Feuchtigkeit und Schleime ab. No. 3 ist ein Gummi gutta, purgirt hinauf und hinunter, vornemlich die wässerige Feuchtigkeit und wird gebraucht sonderlich wider die Wassersucht.“ No. 4 der Herr Dr.. Götz verwies, wie der Jud selbst hätte ausgesagt, es wären die Wiebkuchen auf mährisch: sniedek. Der Jud muß examinirt werden, zu was er es gebraucht hat; bei den Autoren finde nichts von dessen Gebrauch, auch in denen Apotheken findet man es nicht. No. 5 ,,Krönäugel oder Krähenaugen, wird unter die Wundtränke immer wohl gebraucht, ist narkotisch, dienet auch wider das dreitägige Fieber und den Menschen wider Gift, den vierfüßigen Tieren aber, so blind geworfen werden, ist ein Gift, übrigens ist ein ingendicus des Electuary de ovo Jmperi Maximil.“ No. 6 in einem Flaschel war Elixir, ist aber ausgeleert und nicht zu judiziren, was für eines war. 7. ,,Wird gehalten für ein Magisterium jalappae, ist einPurgiv, von der Medicin oft in Gebrauch.“

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