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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 6 · p. Seite 637

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 637 (sequence 3)
Language
German
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637 Der kleinen Schrift, die freilich manche Grundfragen einer übrigens erst zu schaffenden eigentlichen Theorie des Misrachismus unberührt läßt, wäre eine deutsche Uebersetzung zu wünschen. Abraham Schlesinger. .Englische Gedichte, ausgewählt von Dr. Erich Klibansky, Nr. 1 der ,, Ar bei ts hefte für jüdische Schulen“, Breslau, Jüd. Jugendverlag 192$. Der bisher an den höheren jüdischen Lehranstalten verwendete Lese- Stoff war kaum geeignet, auf Herz und Gemüt des jüdischen Schülers zu wirken und den Bedürfnissen einer jüdischen E. rziehungs * und Charakterbildung wesentlich entgegenzukommen. Es ist daher ein besonders dankenswertes Unternehmen des ,,Jüdischen Jugend־. Verlags“ (Breslau, Charlottenstr. 54/56), Arbeitshefte fürjüdis ehe Schulen in zwangloser Folge und Wahl herauszügeben. Uns liegt Heft 1 vor: Englische Gedichte (ausgewählt von Dr. E. Klibansky, mit Anmerkungen von Studienrätin Lilli Freimann). Unter den englischen Dichtern sind vertreten: Walter Scott (1 Gedicht), Thomas Moore (1), Byron (6, aus den ״Hebrew Melodies“), Longfellow (1), Wordsworth (1). Es wird sich darüber streiten lassen, ob die Beschränkung auf nichtjüdische Klassiker richtig und ob die Auswahl eine lückenlos glückliche zu nennen ist. Sie scheint mir zu sehr nach formal-klassizistischen und historischen und viel zu wenig nach ethisch-herzhaften und religiös-fruchtbaren Gesichtspunkten ׳־getroffen zu sein. Jüdische Gedankenwelt und jüdisch-warme Gefühlswerte werden hiermit kaum vermittelt. Ein Gedicht ist,noch nicht jüdisch, weil einige Male darin Gott-Zebaoth oder Salem ( Jerusalem) genannt oder sonstwie biblische Reminiscenzen verarbeitet sich finden. Am herzhaftesten ist Byron vertreten (Saul, By the Rivers of Babylon we säte down and wept); hier finden wir echt biblische Töne angeschlagen. Wir vermissen aber desselben Dichters: ,,Jephta’s Daughter“ und ״Vision of Belshazar“ (schon wegen der Parallele mit Heine; der darin vorkommende Gottesname ließe sich, ebenso wie in Heines;,Belsazar“, beim Vorlesen leicht ersetzen). Auch fehlt von Longfellow manches Herz und Seele packende Gedicht (,,The Jewish Cemetery at Newport“, ״The Legend of Rabbi Ben Levi“) oder des ge danken tiefen Robert Brownings Legende: ,,Rabbi Ben Esra“ u. a. m. Auch hätte u. E. auch mancher jüdisch-englische Autor hier zu Worte kommen müssen; so Is r, Zangwill (mit Gedichten aus ,,Blind Ghildren“ oder seinen Meister- Übersetzungen der Poesien der Hohen Festtage) oder die jüdisch-amerika.- nische Dichterin H. Szold u. a. Auch ließe sich manch artiger Blumenstrauß von Pros astücken aus jüdisch-englischen Romanen und N ö - veilen für jüdische Sclvulzwecke zusammenstellen. Doch sind dies alles .Desiderate, die vielleicht in weiter herauszugebenden Arbeitsheften Berücksichtigung finden könnten. Das beigefügte Vo.kabu I a r (der Name ,,Notes“ ist etwas anspruchsvoll, dafür sind die sachlichen Erklärungen doch zu spärlich) ist knapp und auf die wesentlichsten Uebersetzungshilfen beschränkt. Eine kleine Bemerkung: die Sacherklärung zu Wordsworth’s ״A Jewish Family“ (S. 15 unten) muß bei einer 2. Auflage gekürzt werden (von .... ,,to make them appear“ ab): Es ist nicht nötig, daß jüdische Schüler ironische Bemerkungen einer jüdischen Mutter über jüdische Fasttage zu lesen bekommen. An Druckfehlern im Vokabular sind mir aufgefallen: retourn (I8), coulour (VI6), unimpassioned (IX?1, falsche Trennung), studious (X7) fehlt. Bei jeder Anthologie wird es sich kaum vermeiden lassen, daß der Kenner der einscnlägigen Literatur manches ihm liebgewordene Gedicht vermissen, manches Gebrachte als nicht unentbehrlich empfinden wird; dafür ist ja in iyricis der Geschmack auch zu subjektiv verschieden, um eine unfehlbar sichere Wahl zu gewährleisten. Trotz der genannten kleinen Ausstellungen begrüßen wir daher das junge bahnbrechende Unternehmen aufs wärmste und sind dem Herausgeber zu großem Dank verpflichtet. Ein hoffnungsvoller Anfang auf unbefahrenen Geleisen ist hier gemacht, ein Anfang, der den Herausgeber und andere Kenner fremdsprachlicher Literaturen zu weiteren Tiefgrabungen auf gleichem Gebiete anspornen sollte. Dr. Armin Blau.

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