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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 6 · p. Seite 636

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 636 (sequence 2)
Language
German
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636 verstrickt auch er sich immer hoffnungsloser in die abendländische ״Zivilisation“, in die modernen weltbeglückerischen sozialen, nationalen, politischen Lehren. Die ״Assimilation“ begann diesen den Haß der noch kulturverwurzelten Schichten aller Völker weckenden Prozeß, der Zionismus folgte trotz guter Ansätze nach und jetzt übernehmen die Uefcerlieferungstreuen die zionistische Ideologie, ohne zu merken, daß.hier ״die nackte Freude an der nackten Sonderexistenz“, das Land und das bloße Leben und Schaffen darin den Mittelpunkt bildet, dort aber die Thora, das Judentum. Freilich ist und bleibt dem frommen Juden ״Palästina immer Erez Israel“ und es gehört zu den schwersten Ver- Säumnissen der Ueberlieferungstreuen, daß sie in der Neuzeit die Palästinaarbeit anderen überließen. Aber der Weg des Zionismus kann nicht der ihre sein. Zudem geht es um mehr als der Zionismus will. Israel, das wohl das Heidentum in seinem Innern überwunden und den Gottesgedanken über die Welt verbreitet hat, muß erst beginnen, das wichtigste der Verheißung zu erfüllen: bei spielgebend.heiliges Volk zu werden. Um aber dem jüdischen Volk den an treue und sinnbewußte Gesetzesbeobachtung gebundenen Aufstieg zur Heiligkeit zu ermöglichen, ist es in eine Lage zu versetzen, die den Drang zu Abfall und Gesetzesübertretung gar nicht mehr aufkommen läßt: in einen ״Ewigkeits- und naturnahen Siedlungs- und Berufszustand“. Seine Verländli chung ist anzustreben, und zwar grundsätzlich in allen Ländern. Praktisch freilich kommt ״für den Augenblick fast nur Palästina als Siedlungsland in Betracht“. Außerdem braucht das jüdische Volk ein festes Gefüge: die ,,Allgemeinde“ unter rabbihischer Führung, wobei wiederum in Erez Israel der Sitz der obersten Behörden sein müßte. In alledem sollen die ״Olim“ als eine Art Eliteorden vorbildlich dem Volke voranleben. B. begegnet dem Hinweis auf die Schwierigkeiten des von ihm ja schon früher (״Gottes Volk“) vorgeschlagenen Weges mit dem Vertrauen auf die Macht des Glaubens. Doch ein anderer Vorhalt muß ihm gemacht werden. Er unterschätzt die Bedeutung starker im heutigen Zionismus vorhandener Kräfte. Seine Hauptforderung der Verländli chung berührt sich nahe mit der für die Partei ״Hithachduth“ maßgeblichen Lehre A. D. Gordons und noch mehr mit den Bestrebungen der misrachistischen Jugend und Arbeiterschaft. Ueberhaupt fehlt ihn! offenbar das rechte Verständnis für den Misrachi oder die rechte Einfühlung in dessen Wesen. Insofern kann die hebr. Schrift von Federbusch als willkommene Ergänzung der B.schen angesehen werden. Die zwei ersten Abschnitte entwickeln in Form einer Polemik ״nach links“ und ״nach rechts“ das Wesen des religiösen Zionismus, das ist des Misrachi. F. führt zunächst den Nachweis vom religiösen Grundcharakter des geschichtlichen jüd. Nationalismus: לאומיות דתית. Das geschichtliche Judentum lehnt den reinen, profanen Nationalismus ab, bejaht aber den kulturellen. Sein Kulturnationalismus ist bestimmt durch das religiöse Moment, durch Thora und Ueberlieferung. Läßt dies der Zionismus außer Acht, so kann auch er nicht vor Assimilation und Untergang schützen, erweist sich vielmehr selbst als nationale Assimilation. Ebenso falsch und gefährlich ist die entgegengesetzte von der antizionistischen Orthodoxie vertretene Auffassung des Judentums als reiner Religion. Gewiß ist das Judentum Religion, aber eine das ganze Volkstum umfassende: דת לאומית. An Birnbaum erinnert die Abrechnung dieses zweiten Abschnitts mit jener passiven, das Palästinawerk nur kritisierenden Orthodoxie. Der Zionsgedanke ist in Thora und mündlieber Lehre verankert, das geschichtliche Judentum bildet eine untrennbare religiös-nationale Einheit und kann in seiner ungebrochenen Ganzheit einzig in Erez Israel zur vollen Verwirklichung und Entfaltung gelangen. Deshalb müßte die gesamte religiös gerichtete Judenheit sich einmütig für den Aufbau Zions tatkräftig einsetzen und dürfte den Misrachi in seiner schweren Arbeit nicht allein lassen. Die sehr beachtlichen kulturellen und kolonisatorischen Leistungen, die er trotz aller Widerstände schon bisher im Lande vollbrachte, schildert der dritte Abschnitt. Dankenswert sind besonders die Darlegungen des Wesens und־ der Ziele des ״Hapoel Hamisrachi“ und des Weltbundes J der Misrachjugend, deren zwar sozialistische, jedoch Klassenkampf und marxistischen Geschichtsmaterialismüs ablehnende Einstellung ausschließlich an der altjüdischen Forderung der sozialen Gerechtigkeit orientiert ist, und die dem überlieferten Schrifttum die Hochbewertung der produktiven Selbstarbeit entnehmen,

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