Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 628 (sequence 3)
- Language
- German
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628 Uebermensch der Persönlichkeit; gleichgesetzt wird.' Der Begriff des Uebetfmanschen ist so stark im Nietzsche’schen ginn in den Sprachgebrauch übergegangen, daß man es schwer anders färben kann, und selbst wenn man es tut, bleibt die Gefahr, daß man es unwillkürlich im gewohnten Sinn im Gedächtnis behält und das Ganze falsch versteht; aber auch im Sinne der Persönlichkeit genommen, ist es fraglich, ob man sagen darf: ,,Weil der Ueber- .mensch das natürliche Recht hat^ Schranken niederzureißen, sich zu leben, will es ihm der Dutzendmensch nachtun und reißt nur nieder“; wer trifft die objektive Feststellung, wer Uebermensch und Persönlichkeit und wer Dutzendmensch, ist? Mißverständlich ist auch der Satz: ,,Diese segensreiche Wirkung der Frommen auf die späteren Generationen ist ihre Unsterblichkeit“; .ist das alles, was zur Deutung der Unsterblichkeit zu sagen ist? Und gibt es denn nicht eine für jedermann? Hier wäre ein. Wort nötig, das Mißverständnisse ausschließt. Und mißverständlich ist schließlich ein Satz wie der folgende: ״Hat sich aber einmal der Mensch für die Sünde entschieden, dann ist allerdings sein Schicksal entschieden. Das Chaos: Trieb und Leidenschaft sind für immer seine Herren geworden, das absolute Sein — Gott — wendet sich ab von ihm, die Harmonie ist ihm entschwunden“; für immer? Schicksal entschieden? Ja, gibt es denn nicht die Umkehr und die Erneuerung? Bei der Umschreibung der Heiligkeit Gottes im Sinn der sittlichen Vollkommenheit hätte wohl auch irgendwie auf die Otto’sehe Prägung des Numinosen eingegangen werden müssen, es ist nicht so, daß die sittliche Vollkommenheit alleiniger Inhalt der Heiligkeit ist und sie deckt. Sollten diese Ausstellungen eine Schmälerungsein? Keineswegs. Man weist auf Lücken nur hin, wo sonst ein Vollwertiges, Inhaltvolles ist, und wo man die Ergänzung entbehrt. So seien auch diese Hinweise nur empfunden als Zeugnis für den Wert des Werkes und für das Gute, das aus ihm in die . Seelen einströmen kann. Offenbach a. M. Dienemann. Hans Bauer und Pontus Leanders Grammatik des Biblisch-Aramäischen. Halle a. S., M. Niemeyer. XV, 380 S. Eine ausführliche Darstellung des Biblisch - Aramäischen ist seit E. Kautzsch’s 1884 veröffentlichter Grammatik nicht mehr erschienen. Seit- .dem ist die sprachwissenschaftliche Forschung nicht stehen geblieben und die Kenntnis des älteren Aramäisch ist durch wichtige Funde — es sei nur an die Elephantine-Papyri erinnert — bedeutend gefördert worden. Da der Umfang der Biblisch-Aramäischen Texte so gering ist, so läßt sich die in ihnep verwendete Sprache mit einiger Vollständigkeit nur darstellen, wenn alle älteren westaramäischen Texte, die nabatäischen und palmyrenischen In- Schriften und vor allem die Papyri, weitgehend herangezogen werden.; Die Verfasser haben dieses Material in ausgiebiger Weise benutzt, die Meinungen ihrer Vorgänger, soweit sie ’ irgendwie Erwähnung verdienen, gebucht und erörtert,.darüber hinaus aber zahlreiche neue und ansprechende Erklärungen der sprachlichen Erscheinungen gegeben. Außer der Kenntnis des Hebräischen setzen sie keine besondere sprachwissenschaftliche Vorbildung voraus, wenn sie auch o.ft auf Erscheinungen aus den anderen semitischen und gelegentlich auch den indogermanischen Sprachen vergleichend hinweisen. ׳ Jos. Horovitz. Rene Bussaud: Topographie Historique de la Syrie antique et mediövale; avec 16 cartes, Paris. Paul Geuthner. 1927. 200 Fr. Der bekannte französische Archäologe schenkt uns hier ein Werk, für das wir ihm nur dankbar sein können. Ausgehend vom nördlichen Palästina, führt er uns durch die verschiedenen Landschaften Syriens und bespricht dabei die Orte, die irgendwie in der Geschichte des Mittelalters oder des Altertums eine Rolle spielen. Es ist ein reiches Quellenmaterial, das D. für seine Arbeit verwendet hat; und das, was er uns zur Geschichte der einzelnen Orte zu sagen hat, wird nur noch wertvoller dadurch, daß ein reiches, dem Werke beigefügtes Kartenmaterial (nebst einem alphabetischen Verzeichnisse der darin vorkommenden modernen Ortsnamen) es dem Verfasser ermöglicht, viele: neue Gleichstellungen antiker Ortsnamen mit modernen vorzuschlagen.