Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur neueren Bibelliteratur [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 561 (sequence 1)
- Language
- German
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Zur neueren Bibelliteratur1. Von Heinrich Speyer in Breslau. Die an dieser Stelle besprochenen Werke zur Bibelliteratur sind gekennzeichnet durch das Bestreben, die Untersuchungen im Rahmen eines größeren geschichtlichen, kulturhistorischen oder literarischen Gesichtsfeldes anzustellen. Für die bibelexegetischen Probleme ist zu diesem Zweck das Quellenmaterial des A.T. mehr als sonst ausgewertet worden, und für die archäologischen Untersuchungen ist die in Betracht kommende Kulturgeschichte in umfassender Weise berücksichtigt. Das letztere gilt besonders von der.Arbeit ,,LesHebreux en Egypte“ par Alexis Malion S. J. Prof esseur d״ E g y p t ologie ä!,Institut Biblique Pontifical, R o m 1, 1921. Der Aufenthalt der Juden in Aegypten, der Zweifelsohne zum Interessantesten gehört, was die Geschichte an Rand- Spannungen zwischen Völkerschichten kennt, wird uns hier nach den Inschriften des alten Aegypten und den biblischen Berichten geschildert. Wir hören von den immer rege gewesenen Beziehungen der semitischen Nomadenstämme zu dem fruchtbaren Nillande. Die Einfälle der Hyksos haben sogar zeitweilig das religiös-kulturelle Bild Aegyptens vollkommen zu verwischen vermocht und sind auch vielfach in den literarischen Denkmälern erwähnt, so in der Geschichte von Sinuhit, Neferrohu, dem König Akhthoi u. a. Auch die Stele des Nessumontu und des Sebekhu berichten von den Versuchen der Pharaonen die semitischen Nomadenstämme zurückzudrängen. Desgleichen enthalten Relieffe Abbildungen von hohen ägyptischen Beamten, die Asiaten empfangen, die als Zeichen ihrer Ergebenheit die Arme emporheben. Mallon gibt auch eine Beschreibung von vielen Gemmen, die z. T. semitische Namen enthalten und nennt im Zusammenhang damit eine ganze Reihe von Hyksos-Königen, die Aegypten zeitweilig unterjocht haben. Ein Kapitel gibt Auszüge aus der alexandrinisch-jüdischen Literatur mit besonderer Berücksichtigung des Josephus. Dann werden in der Hauptsache biblische Berichte behandelt, die ägyptisch-jüdischen Eigennamen und die Bedeutung des Landes Gosen für die Geschichte der Juden und deren Unterdrückung. Für aas bekannte Problem der Israel-Menephta-Stele gibt auch Mallon keine befriedigende Lösung. Die Erwähnung Israels: ,,Israel ist zerstört, es hat kein Samenkorn mehr“ neben südpalästinensischen Orten wie Asqelon, Jano‘am und Gezer veranlaßt M. (S. 181) mit Flinders-Petrie die Frage aufzuwerfen, ob nicht zur Zeit des Menephta ein doppeltes Israel bestanden habe. Das eine hätte Kanaan erobert und wäre dort unter diesem Namen bekannt geworden, und ein Stamm Israel hätte dann in Aegypten mit den Pharaonen gekämpft. Dieser Stamm muß nach M. nicht unbedingt mit den Hebräern 1 Wir haben Herrn Dr. Speyer vor allem die Besprechung von Werken zur Geschichte der biblischen Zeit übertragen. Die Schriftleitung. Monatsschrift* 72. Jahrgang- 36