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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 5 · p. Seite 553

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 553 (sequence 2)
Language
German
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553 Es liegt uns jetzt ein photographischer Abdruck von Elchanan Henle Kirchhains ,,Simchath Hanefesch“ II. Teil vor, das im Jahre 1927 in Fürth erschienen ist, meines Wissens die erste anastatische Ausgabe eines alten Buches, durch solche Kreise besorgt, die unmittelbare Beziehungen zum Jiddischen haben1. Die Wahl des Simchatli Hanefesch war vielleicht darum richtig, da die Sprache des H. Kirchhain viele Aehnlichkeiten mit der heutigen polnisch-jiddischen Mundart aufweist2, was auch den Nichtspezialisten für Altjiddisch einen Einblick in das Buch gestattet. (Unrichtig ist die Auffassung der Mirjam Fleiß3, daß die Sprache des Kirchhain der litauisch-jiddischen Mundart viel näher stehen sollte. Schon daß Kirchhain mhd. a auf heutiges ei, ej> oj reimt4, bezeugt, daß seine Aussprache in allen diesen Fällen a war, was auch im älteren Po-lnisch-jiddischen zutraf5. Manche Spuren im heutigen polnisch-jiddischen6 und im westungarisch-jiddischen Dialekt weisen noch auf diese Aussprache hin. Dazu kommt noch, daß das Jiddische in Deutschland dem in Polen näher stand als dem in Litauen7. In der Einleitung gibt der Herausgeber ein übersichtliches biblio- und biographisches Material und läßt dann eine literarkritische Einschätzung des Werkes folgen. Aus den erhaltenen, leider knappen Nachrichten sucht er eine dürftige Biographie des Verfassers zusammenzustellen, indem er den jüdischen Landtag von Hessen streift, unter dessen Vorstehern auch der Vater des Verfassers — Wolf — sich befunden haben soll. Auf Grund gewisser Stellen des Werkes (Simchath Hanefesch, II, Kap. 19), aus welchen seine gesellschaftliche Tätigkeit zu ersehen ist, stellt der Herausgeber die Vermutung auf, daß Elchanan Henle seinem Vater im Amt gefolgt ist. Es findet sich dann eine Aufstellung vieler, die den Namen Kirchhain führen. Die Angabe in der Jew. Enc. V, 106, nach welcher der Verfasser in Frankfurt seinen Wohnsitz gehabt haben soll, wird wegen Mangels an Beweisen verworfen. In vielen Punkten werden die Angaben der Bibliographen und Literarhistoriker Steinschneider8, Ben-Jakob9, Zinberg u. a. berichtigt. Weiterhin folgt eine Inhaltsübersicht des Werkes und eine Analyse vieler Stellen, in der der Herausgeber die Meinung vertritt, der Verfasser habe viele Lieder nach schon vorhandenen Melodien komponiert. Zum Schluß wird eine Charakteristik des Buches und des Schreibers gegeben, in welcher er nicht sowohl als selbständiger Dichter denn als Kompilator hingestellt wird. Das Buch ist nach der Meinung des Herausgebers eine wichtige Quelle für kulturhistorische und philologische Forschungen, wie auch von weittragender Bedeutung für die Entwicklungsgeschichte der jiddischen Metrik. Der Herausgeber hat eine ernste durchdachte Arbeit geliefert, fordert aber gelegentlich die Kritik heraus. Es darf nicht mit Sicherheit behauptet werden, daß der Landtag der hessischen Juden im Jahre 1626 zum ersten Male zusammengetreten ist. Er ist allerdings der erste, von welchem wir bestimmte Nachrichten haben. Viele Anzeichen weisen jedoch darauf hin, daß auch im 16. Jahrhundert Zusammenkünfte dieser Art stattgefunden haben10. Auf den Landtagen wurden die Vorsteher (פרנסים) für 3 Jahre und nicht, wie Schatzki meint, für 9 Jahre gewählt. (Vgl. Munk, MGWJ 1897, S. 508, und Hildesheimer Jubiläums- 1 Eine ähnliche Ausgabe eines alten jiddischen Buches — ספר המשלים Frankfurt a. M. 1687 — hat die Soucino-Gesellschaft erscheinen lassen. 2 Vgl. A. Landau in Nagels ,,Deutsche Mundarten“, Wien 1897, S. 46. 3 Das Buch Simchath Hanefesch, Dissertation, Bern 1913, S. 12. 4 Ibid. S. 14. 5 Vgl. ים של שלמה Traktat Gittin, Berlin 1771, f. 34 b ובמדינת פולין שפותחיץ המלות... Auch im Cod. 140 der Handschriftensammlung des jüdischtheologischen Seminars zu Breslau, der aus dem 17. Jahrhundert aus Krakau stammt, f. 53 b, findet sich dieselbe Angabe. 6 Vgl. M. Weinreich, Studien zur Geschichte und dialektischen Gliederung der jiddischen Sprache. Marburger Dissertation 1923, Maschinenschrift § 45. 7 Vgl. M. Mieses: Die jiddische Sprache, Wien 1924, S. 307. 8 Gat. Bodel. S. 920. 9 Ozer Hasfarim S. 594. 10 Vgl. Munk in MGWJ 1897, S. 505, 508 und in Hildesheimer Jubiläumshscrift, Berlin 1890, S. 70.

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