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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 5 · p. Seite 501

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 5
Article
Michael und Gabriel
Date
1928-01-01
Page
Seite 501 (sequence 3)
Language
German
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501 Schar umgeben:, ,Michael und sein Gefolge, Gabriel und sein Gefolge"1. Wie im apokalyptischen Schrifttum wird auch im Talmud und im Midrasch der Vorrang dem Erzengel Michael zuerkannt: ,,Was in der Schrift von Michael ausgesagt wird, ist wunderbarer als das־־ jenige, was die Schrift mit Bezug auf Gabriel berichtet." ,,Der größte unter den Engeln — das ist Michael." ,,Ueberall, wo Michael erscheint, da offenbart sich die göttliche Herrlichkeit." Nach R. Jochanan (B. Tht.) war der Engel, der Mose im Dornbusch inmitten einer Feuerflamme erschienen war, Michael. ,,Weshalb wird er Michael genannt? — Im Meereslied heißt es: Wer ist wie du unter den Göttern, o Herr? (Exod 15n); am Schlüsse der Thora aber lesen wir: Keiner ist wie Gott, o Jeschurun (Deut 3326). Die Wortverbindung ,,Wer wie du" (Mi chamocha) und ,,Keiner wie Gott" (en ka-El) ergibt ,,M i c h a e l"2. Michael ist einer der höchsten Himmelsfürsten, und sein Standort ist zur Rechten des göttlichen Thronwagens. Er ist ,,himmlischer Priester". In dem Sebul (Heimstätte) genannten Himmelsraume ist ein Altar errichtet; daneben steht der große Fürst Michael und bringt Opfer dar3. Michael ist ,,der Genius Israels und sein Fürsprecher", Israel wird ,,seine Nation" genannt. Er ist der große Widersacher Satans, der im späteren jüdischen Schrifttum den Eigennamen Samael führt. ,,Womit sind Michael und Samael zu vergleichen? — Mit einem Fürsprecher und einem Ankläger, die vor Gericht stehen. ... So stehen auch Michael und Samael vor Gott: Satan klagt an, Michael aber rechtfertigt Israel: Satan will sprechen, doch Michael bringt ihn zum Schweigen." Einst, in den Tagen der messianischen Erlösung, wird jedoch Michael zeitweilig seine Fürsprache einstellen. ,,Am Ende der Tage" werden nämlich himmlische Heerscharen als Ankläger wider Israel auftreten und sich an den Heiligen, gelobt sei er, mit den Worten wenden: Herr der Welt! Gibt es etwa einseitige Begünstigung vor deinem Richterstuhle? Wenn die Völker Götzendiener sind, so sind es die Israeliten nicht weniger; treiben jene Unzucht, so tut Israel das gleiche, vergießen jene das Blut ihres Nächsten, so sind auch die Israeliten nicht besser. Weshalb fahren jene in die Hölle, während diese unbestraft bleiben? In jener Stunde wird Michael, der Anwalt Israels, verlegen schweigen und kein Wort der Verteidigung finden. . . . Allein der Heilige, gelobt sei er, wird ihm zurufen: Michael, du schweigst und trittst für meine Söhne nicht ein? Wahrlich, ich selber will sie rechtfertigen, zu ihren Gunsten aussagen und ihnen die Erlösung bringen4." Michael und Satan sind erbitterte Feinde, und Satan sinnt beständig darauf, Michael eine Niederlage zu bereiten. ,,Wann wird endlich Michael wehklagen" — spricht Satan in der Sterbestunde Mosis — ,,daß ich aus vollem Herzen jubeln könnte5?" Allein Michael ist auf der Hut, und jedesmal, wenn Satan vor Gott er- 1 Genesis rabba 78: Eclbesiastes rabba 9; Deut, rabba 2.—. 2 Berachot fol. 4; Exod. r. 2; Num. r. 2; Gen. r. 49. 3 Jalkut Schimeoni I, 132; Num. r. 2; Menachot 110; Ghagiga 12. 4 Joma 77; Exod. r. 18; Jalkut gcbimeoni 1, 241; II, 500.— , 5 f)eut. r. 4,

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