Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Familie Lwow
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 489 (sequence 3)
- Language
- German
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489 von Trier gewählt1, von wo sein Ruf über die damalige jüdische Welt sich verbreitete, wie aus dem. regen Briefwechsel mit den bedeutendsten jüdischen Gelehrten seiner Zeit deutlich hervorgeht2 3. Nach dem Tode des Amsterdamer Rabbiners Abraham Berlin (25. Ijar 5493) wurde er vom Vorstande der Aschkenasim-Gemeinde zum Rabbiner von Amsterdam gewählt, aber aus einem unbekannten Grunde nahm er diese Berufung nicht an und wurde dann Rabbiner von Schwabach und Landrabbiner von Ansbach. In dieser Stellung genoß er sehr großes Ansehen, und nichts wurde in der jüdischen Welt unternommen, ohne daß man ihn vorher um seine Meinung befragt hätte. Im Streite zwischen Jonathan Eibenschütz und Jakob Emden betreffs der Amulette, stand er auf seiten des letzteren. Als der Lubliner Rabbiner Jakob Chaim (Schüler des Jonathan Eibenschütz) über Jakob Emden wie auch über den Landrabbiner von Lothringen Nechernia Reischer (Enkel des Jakob Reischer) und den Vorsteher der Gemeinde Metz Moses Mai den Bann verhängte, weil sie sich über Eibenschütz abfällig geäußert hätten, da trat ihm Josua Heschel Lwow mit seiner ganzen Kraft entgegen. Er schrieb auch seinem jüngeren Bruder Moses Lwow, Rabbiner in Nikolsburg, daß er den Lubliner Rabbiner Jakob Chaim, der damals schon sein Schwager war, veranlassen sollte, den Bann wieder aufzuheben. In seinem Briefe an den Rabbiner von Metz, Samuel Hellmann, vom 16. Siwan 5511 (1751), der im Buche שפת אמת von Jakob Emden abgedruckt ist, heißt es: ,,Heute schrieb ich an meinen Bruder nach Nikolsburg, daß er den Bann über die verhängten Männer aufheben soll, da sie makellos dastehenf<3. Im Jahre 5512 (1752) begannen die Herausgeber Propes in Amsterdam den babylonischen Talmud mit allen Kommentatoren von neuem zu drucken. Die bedeutendsten Rabbiner jener Zeit hatten ihre Zustimmung zu diesem Unternehmen gegeben und erließen auch einen Bann gegen denjenigen, der den babylonischen Talmud vor Ablauf von zehn Jahren nach dem Erscheinen der Amsterdamer Ausgabe wieder drucken sollte. Der Druck des Amsterdamer Talmuds sollte bis zum Jahre 5525 (1765) dauern. Während dieser Zeit begann auch der Herausgeber Salomon aus Sulzbach den babylonischen Talmud mit allen Kommentaren zu drucken und zwar genau nach der Amsterdamer Ausgabe. Diesem Unternehmen trat nun der Amsterdamer Rabbiner Saul Levi energisch entgegen. Mit Unter- Stützung der polnischen Rabbiner (vergleiche Beilage I) ließ er in allen jüdischen Gemeinden bekanntgeben, daß der Sulzbacher Talmud von keinem Juden benutzt werden dürfe, weil seine Herausgeber das Verbot der Rabbiner übertreten hätten. Er wandte sich dann 1 Rabbiner in Trier waren auch sein Vater Aron Lwow, sein Schwiegervater Isak Aron und dessen Vater Josef Josil. 2 So z. B. mit Juda Mahler, Landrabbiner in Cleve (s. אור הישר Nr.64), mit Jakob Reischer, Rabbiner von Metz (s. שו״ת שבות יעקב III Nr. 105), mit Jeeheskel Katzenellenbogen, Rabbiner in Hamburg, mit Meier Eisenstadt, Rabbiner von Eisenstadt, und Jakob Katz, Rabbiner von Frankfurt a. M. (s. שו״ת שב יעקב I Nr. 53), wo ein Responsum von ihm abgedruckt ist, und zwar aus der Zeit, als er Landrabbiner in Trier war. 3 Vgl. Anmerkung 2.