Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 444 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829951-2829956-2834778--48522-2834913- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
444 aber spricht von ,,einem Creutzgewölbe mit untersetzten Säule n“. Ganz abgesehen davon, daß selbst der Laie erkennen müßte, daß die Mauern für das riesenhafte Gewölbe lächerlich dünn erscheinen müssen. Einen ähnlichen Irrtum stellt die Behauptung dar, diese Synagoge sei flachgedeckt gewesen. K. erklärt diese für das Mittelalter kaum vorstellbare Dachform damit, daß (Fußnote 147) 1196 sich bei einem Pogrom die Juden auf dem Speicher der Synagoge versteckt hatten. Gerade dies aber weist auf das Gegenteil der K.’schen Behauptung hin. Aehnliche technische Fehlschlüsse finden sich auf S. 223 (Posen) sowie in der irrigen Beschreibung der Gewölbe in der ehemaligen Synagoge zu Frankfurt. Hier hat K. nur nach einer zweifellos fehlerhaften Zeichnung des Inneren (Abb. 89) geurteilt und die klare Grundrißaufnahme (Abb. 88) offenbar nicht verstanden. Denn der Wechsel der Dienste deutet klar auf ein Netz- und nicht Kreuzgewölbe. Aehnlichen Irrtümern verfällt K. auch bei der Pinkasschule in Prag. Daß er hier nicht auch die an dieser Stelle (Bd. 67, S. 168 ff.) von mir erwähnten hochbedeutsamen Ausgrabungen als Abbildungen bringt, ist recht bedauerlich. Denn an Platz hat es ihm nicht gemangelt. Opfert er doch, um nachzuweisen, daß einige von Frauberger als mittelalterlich bezeichneten und von mir in meiner Arbeit als solche erwähnten Synagogen nicht hierher gehören, ganze 6 Seiten, statt dies in einer kurzen Bemerkung abzutuen. Ja, er geht noch weiter, indem er, um einen vermeintlichen Irrtum meinerseits nachzuweisen, Abbildungen der Synagoge aus der Heidereuterstraße in Berlin vorführt, die man in einem Werke über mittelalterliche Bauten kaum suchen wird und die er aus dem Klischeebestand der Frankfurter Gesellschaft ohne Mühe zur Verfügung hatte. Die Ursache ist folgende: In meinem Werke zitiere ich aus Balthasar König (Annalen der Juden in den preußischen Staaten, Berlin 1790), es hätte in Berlin eine Synagoge bestanden, ,,aus einem massiven von Backstein aufgeführten Gebäude nach der neuengotischenArt von zweien Etagen“. K. sagt nun, er hätte dies bei König nicht gefunden, bringt als Beweis die in den Formen des 18. Jahrhunderts gehaltene Abbildung der Synagoge und schließt diese Betrachtung (und damit sein Werk) mit der inhaltsschweren Bemerkung ,,es wird wohl ein Irrtum Grottes vorliegen“. Ich muß diese Art Korrektur einer wissenschaftlichen Arbeit umso seltsamer finden, als K. aus dem Register bei König unter ,,Synagogen“ mühelos die zitierte Stelle finden konnte, die sich auf Seite 235, Absatz 2 befindet. Nach dieser bestanden vor dem 1712 bis 1714 von dem Regensburger Zimmermeister Kemmeter errichteten Synagoge zwei ältere, eine in der Büttel-, eine in der Heidereuterstraße. Eine derselben wurde 1697 mit Genehmigung des Kurfürsten Friedrich III. von Koppel Rieß errichtet, die andere vom Hofjuden Liebmann. Daß es natürlich gänzlich fern von mir lag, eine Synagoge des 18. Jahrhunderts, nur weil sie neogotisch gewesen war, als mittelalterlich zu bezeichnen, ist selbstverständlich. Es wäre weiter auf einige Druckfehler hinzuweisen, die sinnentstellend wirken. So bei Abb. 24, wo es 1726 statt 1734 heißen muß; ebenso Fußnote 198 statt 190. Auch wäre eine eingehendere Beschreibung der Synagoge auf dem Kazmierz in Krakau erwünscht gewesen, deren genaue Aufnahmen Gurlitt mit seinen Schülern bewirkt hat und die er vermutlich gern zur Verfügung gestellt hätte. Noch wertvoller wäre eine ausführliche Erklärung der seltsamen Formen der Backsteingiebel in der Altneusynagoge Prags gewesen, umsomehr als diese Architektur als Fremdkörper in Böhmen erscheinen muß und sehr wertvolle Forschungsarbeit geboten hätte. Es ist dies umso merkwürdiger, als K. sonst recht beachtliche kunsthistorische Aufschlüsse über die Formen und Ornamentik anderer Synagogen gibt. Ebenso konnte die dortige Synagoge des Mardochai Meysel, die noch ganz im Banne mittelalterlicher Bauweise steht und von mir eingehend behandelt wurde,'wenigstens erwähnt werden. Ebenso Köln, dessen ehemalige Synagoge heute Rathauskapelle ist. Zusammenfassend möchte ich indessen den ungewöhnlichen Fleiß des Verfassers hervorheben und das Werk als eine wertvolle Bereicherung einer wissenschaftlichen Materie bezeichnen, die noch immer Neuland ist, so daß die Arbeit darum den Dank aller interessierten Kreise verdient. Man mag aber auch daraus entnehmen, daß eine Forschung dieser Art nur dann als ersprießlich und vollkommen wird bezeichnet werden können, wenn wie bei der Monographie über die galiläischen Synagogen der Techniker und Kunsthistoriker Hand in Hand arbeiten, in all diesen mit dem Bauwesen innig zusammenhängenden Dingen einander gegenseitig ergänzend. Alfred Grotte.