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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 443

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 443 (sequence 2)
Language
German
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443 führlicher Weise mit den Judenbädern beschäftigt hat und von diesen ausgezeichnete Aufnahmen mit vielen Einzelheiten der Architektur und Ornamentik brachte. (Friedberg, Andernach und Deutz.) Auch das Preuß. Zentralbl. d. Bauverw. brachte Speyer bereits i. J. 1885. Der Verfasser gibt als Quelle für seine Abbildungen vielfach nur an: ,,Klischee d. Ges. usw.“, ein Vorgehen, das im Interesse der Forschung nicht unwidersprochen bleiben darf. Denn nicht nur, daß z. B. Abb. 62 (Schnitt durch die Mikweh in Friedberg) aus der Denkmalpflege 1902 entnommen ist, dasselbe gilt auch von den vielen anderen Abb. des Werkes, für die K. zwar die Klischees von der genannten Gesellschaft entlehnte, ohne aber auf deren von Frauberger bearbeiteten Publikationen auch nur mit einem Worte zu verweisen. Es fehlt also nicht nur Deutz vollständig, auch Andernach mit seiner technisch ungemein interessanten Anlage, die die genannte Zeitschrift 1909 in vorzüglichen Aufnahmen brachte, ist nur in einem kaum verständlichen Grundriß beschrieben. Auch war die köstliche Ornamentik von Friedberg, auf die K. hinweist, aus der Zeitschrift leicht zu entnehmen. Einzelne Synagogen, z. B. Worms sind erschöpfend bearbeitet mit viel Abb.-Stoff, der ]bisher unbekannt war. Bedenklich aber ist Regensburg behandelt, dessen 1519 zerstörte Synagoge K. auf Grund der bekannten Altdorfer’schen Zeichnungen im Grundriß restauriert. Hier sind ihm bzw. seinem Hilfsarbeiter jedoch allerlei Fehler unterlaufen, die nicht unwidersprochen bleiben können. K. nimmt 4 Joche an; demzufolge müßte der Almemor asymmetrisch im 3. Joche stehen, da Altdorfer ihn (Abb. 23) genau gegenüber der Tür zeichnet. Ferner ist die Vorhalle unrichtig restauriert, da sich der Strebepfeiler nicht vor dem 3. sondern 2. Joch der Vorhalle und nicht verwachsen mit dem Gurtbogen, sondern neben diesem zeigt. Die auf dieser falschen Restauration aufgebauten Schlüsse sind demnach unrichtig und wissenschaftlich nicht vertretbar. Wenn K. selbst annimmt, Altdorfer hätte seine Zeichnungen erst nach Zerstörung des Baues angefertigt, ist es da nicht naheliegend, daß er Einzelheiten der Ornamentik aus jenen Kirchen entnahm, von denen K. nunmehr die Verwandtschaft mit den Formen der Synagoge ableitet? Ich bin der Ansicht, daß die Synagoge entweder fünfschiffig war oder, da Altdorfer aus dem Gedächtnis zeichnete, nur dreischiffig nach dem Vorbilde von Worms und Prag; im übrigen fand ich dieses System auch jüngst an einem bisher völlig unbekannten Bau in Schlesien, von dem an dieser Steile noch berichtet werden soll. Auch die freischwebende Ecke am Almemor ist ein Trugschluß des Verfassers, der die allerdings falsche Zeichnung Altdorfers nicht richtig verstanden hat. Bezüglich Prag und Miltenberg habe ich in meiner Arbeit die Fünfteiligkeit der dortigen Gewölbe als gesucht bezeichnet, als Mittel zur Vermeidung der Kreuzform. K. nennt diese Ansicht ein ״Ammenmärchen“. Als solches hatte auch ich diese seltsame Gewölbeform ursprünglich angesehen, bis mich die Epstein’schen Aufnahmen aus Miltenberg dahin belehrten, daß dabei eine Absicht vorläge. Denn hier ist, was K. als Nichttechniker entgangen ist, diese 5. Kreuzrippe völlig unorganisch, so daß der־ Techniker hier das Gesuchte, Absichtliche förmlich herauslesen kann. Im Üebrigen hätte meine nach K. falsche Annahme den beiden Referenten meiner Dissertationsschrift, dem anerkannten Kunsthistoriker Ghr. Matthäi und Prof. Petersen auffallen müssen; hier also von Ammenmärchen zu sprechen, scheint mir nicht ganz glücklich. Anderseits ist K. auch entgangen, daß die Altneuschule in Prag wie kein anderer Bau des Mittelalters mit bewußt jüdisch-rituellen Formen arbeitet. Der Aufsatz oberhalb der Dienstkonsolen, die K. (S. 208) als ״oben abgerundete Rechtecke“ bezeichnet, sind die traditionellen Formen der mosaischen Bundestafeln und die ״langgestreckten, spitzgehackten, starkgerippten, ganz steifen Blätter“ sind Oelblätter, die ebenso wie das oft angewandte Weinblatt die Einstellung des Künstlers auf jüdische Motive dartuen. Warum sollte dieser also nicht auch bewußt die b: Rippe im Kreuzgewölbe verwendet haben? Entgangen ist auch K., daß das bekannte Tympanon der Vorhalle hier in Komposition und Form völlig zwei gotischen Giebelfüllungen des Magdeburger Doms gleicht, in so auffallender Art, daß man hieraus Rückschlüsse zu ziehen berechtigt wäre. — Technisch bedenklich ist auch die versuchte Restauration der ehemaligen Synagoge von Speyer (Abb. 38), bei der K. die Frauenschule mit einem einzigen Kreuzgewölbe überdeckt bei Spannweiten von 13,30 zu 9,40 m! Er beruft sich hierbei auf Lietzel (Fußnote 150); dieser

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