Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 436 (sequence 4)
- Language
- German
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436 cosi netto e pnramento fosse stato tradotto in Toscana“. ״Lassen wir die Griechen und Lateiner ... in unserer Zeit scheint mir Maestro Leone, welcher jene seine göttlichen Gespräche über die Liebe geschrieben hat, diesem Ziele würdigerweise zugestrebt zu haben, wenn die Gespräche so sauber und klar ins Italienische übersetzt worden wären, wie gut er sie in seiner Sprache verfaßte.“ I, S. 64). Man erwäge nun folgende 3 Momente: 1. dieses Schreiben trägt das Datum 1543 — also kaum 8 Jahre nach der ersten Ausgabe der Dialoge; 2. Tolomei entfaltete seine literarische Tätigkeit zum größten Teil in Rom, wo Marino Lenzi die erste Ausgabe der Dialoge besorgte; 3. Tolomei stand in intimster literarischer Beziehung zu eben diesem Marino Lenzi, wie aus zwei Schreiben an denselben (Delle Lettere, ed. Napoli 1854, II, S. 46, 84) hervorgeht. Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir die Vermutung aufstellen, daß Tolomei die Mitteilung, daß Leo die Dialoge in seiner Sprache schrieb und sie dann ins Italienische übersetzt wurden, direkt von Lenzi bekam, der womöglich selbst der Uebersetzer war. Was Tolomei unter lingua sua versteht, ist zwar nicht ganz klar; es ließe sich wohl auch an Hebräisch denken, was durch die Tatsache gestützt werden könnte, daß wir von Leo außer den Dialogen nur hebräische literarische Produkte kennen. (Ich lege kein Gewicht auf die Worte Schillers — zitiert vom Verf. S. 154 —, er habe einen Dialog über die Liebe ,,aus dem Hebräischen ins Lateinische übersetzt gefunden“, denn diese Aeußerung beruht wahrscheinlich darauf, daß Schiller die Dialoge im Sammelband ״Artis Cabbalisticae“...., Basel 1581, gelesen hat, wo einige kabbalistische Werke aus dem Hebräischen aufgenommen sind, zu denen Schiller auch die Dialoge rechnete, zumal der Verf. Leo Hebraeus genannt wird.) Da uns aber keiner von dem Kreise des ersten Herausgebers bekannt ist, der eine Uebersetzung aus dem Hebräischen hätte hersteilen können, müssen wir unter lingua sua spanisch oder portugiesisch verstehen. Abgesehen von diesen, nur Nebensächliches berührenden Mängeln ist die Darstellung des Lebens und der Lehre Leos eine lichtvolle und erschöpfende. Zu besonderem Dank verpflichtet uns Verf/durch die vollständige Zusammen- Stellung aller bis nun ans Licht geförderter Dokumente aus dem Staatsarchiv zu Neapel, die irgendwie auf Leo Bezug nehmen. Wertvoll ist auch der 3. Anhang, der eine Reihe von Emendationen des Textes der Dialoge enthält. Nach eingehenderen Untersuchungen über Leos Leben und Wirken, ergab sich mir folgende Hypothese als wahrscheinlich: Leo entwarf seine Dialoge ursprünglich hebräisch, da er bis gegen 1516 vorwiegend im Kreise seiner Landes- und Leidensgenossen sich bewegte, <L. h. in der geistigen Atmosphäre der spanischen Jaden. Erst in den letzten Jahren seines Lebens, am päpstliehen Hofe, kam er in engere Berührung mit dem italienischen literarischen Kreise in Rom, zu welchen auch Marino Lenzi gehörte, und dort nahm er selbst, auf Zureden seiner italienischen Freunde, die Uebersetzung oder besser, die Umarbeitung ins Italienische vor. Diese Hypothese habe ich in einem hebräischen Aufsatz ausführlich begründet. Firenze, Februar 1927. _ Dr. I. Sonne. Das Künzelsauer Fronleichnamsspiel v. J. 1479. Hsg. v. A. Schumann. XXIII und 232 S., 3 Handschriftennachbildungen. Verlag der Hohenlohesehen Buchhandlung (F. Rau), Oehringen (Württbg.). Das hier zum ersten Mal vollständig veröffentlichte Spiel hat vornehmlich heimatgeschichtliches Interesse. Seine Komposition und sein Verhältnis zu ähnlichen Spielen aus anderen Gegenden ist bereits 1892 in der Marburger Dissertation von T. Mansholt dargelegt worden. An dieser Stelle sei hervorgehoben, daß die eingeschobene ,,Disputation zwischen Ecclesia und Synagoga“ im Gegensatz zu anderen Behandlungen dieses Stoffes nicht mit einer Taufe der Juden und dem Eingeständnis ihrer Niederlage endet (vgl. etwa das Frankfurter Passionsspiel!); vielmehr faßt die ,,Synagoga“ ihren Standpunkt der Kirche gegenüber dahin zusammen, daß sie ihr die ultima ratio des mittelalterlichen Judentums vorhält: ,,Ich wil mich über brennen lan, dan ich dir beystan — in her Abrahams gartten wil ich meiner gesellen wartten.“ (S. 169 0.) Dr. Erich Klibansky.