Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 370

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Zur Kosmologie der Agada
Date
1928-01-01
Page
Seite 370 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829951-2829956-2834763--48422-2834839
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

370 siehe, im Leib jener habend ein großes Licht. Und ich sprach zu ihm: Löse dich auf, Adoel, und es werde sichtbar ein aus dir Abgetrenntes. Und er löste sich auf und es ging hervor ein sehr großes Licht, und ich aber inmitten des Lichtes. Und als irgendwie das Licht sich bewegte, ging aus dem Licht hervor ein großer Aeon, offenbarend die ganze Kreatur, die ich beschlossen hatte,zu schaffen. Und ich sah ,daß gut'. Und ich stellte mir hin einen Thron und setzte mich auf ihn. Und zum Licht aber sprach ich: Gehe du hinauf höher als der Thron und befestige dich und werde das Fundament dem Obersten. Und nicht ist höher als das Licht irgend etwas anderes/' Aus dieser Darstellung ergibt sich folgender Vorgang der Schöpfung. Aus dem Unsichtbaren kam das Urlicht — Adoel — hervor. Aus dem Urlicht kam das zweite Licht hervor, aus dem die Welt erschaffen wurde. Dadurch läßt sich auch der Widerspruch lösen, der in den Quellen in bezug auf die an R. Samuel b. Nachmani gerichtete Frage besteht. In der einen Quelle lautet die Frage: Wie hat Gott die Welt erschaffen1; in einer anderen Quelle aber lautet die Frage: Wie hat Gott das Licht geschaffen2. ' Ich glaube nun, daß hier nicht ein Gespräch in zwei verschiedenen Versionen vorliegt, sondern daß von ein und demselben Gespräche jede Quelle je einen Teil aufbewahrt hat. Das Gespräch bestand aus zwei Fragen. Die erste Frage bezog sich auf die Schöpfung der Welt. Die Antwort lautete: Gott hüllte sich in Licht und erschuf seine Welt. Damit war gesagt, daß noch vor der Schöpfung das Licht vorhanden gewesen, daher die zweite Frage: Woher schuf Gott das Licht? Antwort: Gott hüllte sich in Licht wie in ein Kleid und die ganze Welt erstrahlte von seinem Glanze. Also die Schöpfung des Lichtes aus dem Lichte, das Urlicht emanierte das zweite Licht, den Urstoff der Welt. XXV 1: ״Und ich gebot, daß im Obersten herabkomme von dem Unsichtbaren ein Sichtbares. Und es kam herab der überaus sehr große Adoel.“ Adoel ist also ein Sichtbares, das aus dem Unsichtbaren hervorgekommen. Dort heißt es aber weiter: ״Und siehe, im Leib jener habend ein großes Licht.“ Es ist also ganz klar, daß Adoel Licht ist. Es liegt daher nahe, Adoel sei Verschreibung von ״Or El“ (אור אל). Nun aber kennen wir die Ansicht der Chachanim, daß die Welt aus Zion Heiligtum Licht erschaffen wurde, so ist es sehr wahrscheinlich, daß Adoel gleich ist Ariel (אריאל) Altar Hestia. In der Tat gibt es in der kürzeren Redaktion des slaw. Henoch (Bonwetsch das. S. 79) zu Adoel eine Variante Adael, dies erinnert an הר אל Ez 4355ן LXX 1 Tan. ed. Buber 6 §) 7 § ויקהל;10 § בראשית); Es. r. XV 22; L Anf. 2 Pes.ed. Buber 145b vgl. Gen. r. III 4; Lev. r. XXXI 7; Mid.CIV §4, s. a. XXVII 1.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.