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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 354

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Der Anteil der Berliner Judenschaft an den Kontributionen während der feindlichen Besetzungen der Stadt im siebenjährigen Kriege
Date
1928-01-01
Page
Seite 354 (sequence 5)
Language
German
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354 Zacharias Gregor je witsch Tschernyschew und des Vertreters des Generals en chef, Grafen Peter Saltykows, Grafen Wilhelm F e r m o r — waren samt den Oesterreichem (unter Lacy), die sich ihnen angeschlossen hatten, obwohl sie im Jahre 1757 die Verpflichtung übernommen hatten, Berlin nicht mehr zu behelligen, 40 000 Mann stark, während die Besatzung Berlins nur 14 000 Mann betrug. Zunächst war die Bürgerschaft zum Widerstand entschlossen, aber schon in der Nacht vom 8. zum 9. Oktober mußten die Verteidigungstruppen nach Spandau zurückgezogen werden. Damit war die Notwendigkeit einer Kapitulation gegeben. Am 9. Oktober hielten die Russen in Berlin ihren Einzug, während die Oesterreicher Charlottenburg und Potsdam besetzten. Vom Morgen des 9. Oktober bis zum Abend des 12. Oktober blieben die feindlichen Truppen in Berlin. Die Verhandlungen über die Kapitulation wurden im Aufträge des Magistrats hauptsächlich von dem Kaufmann Johann Ernst Gotzkowsky geführt. Tottleben forderte zunächst eine Kontribution von 4 Millionen Tlr. in alter Münze (Dukaten), aber dem Geschick Gotzkowskys gelang es, diese Kontribution auf 1 %> Millionen Tlr. in Silbermünze und 200 000 Douceurgelder1 an die verschiedenen Corps anstelle der Verpflegung der Truppen herabzudrücken. Dabei hatte — nach den Erzählungen Gotzkowskys, der diesen Vorfall beschreibt — Graf Tottleben die Absicht, der Judenschaft eine besondere Kontribution aufzuerlegen. Er wollte auch die Juden Ephraim und Itzig als Geißeln nehmen. Drei Tage sollen, dem Berichte Gotzkowskys zufolge, die Juden dieser Angelegenheit wegen im Tottlebenschen Quartier verbracht haben, und es soll seinen Bemühungen gelungen sein, Tottleben von dieser Forderung abzubringen. Im allgemeinen scheint das Verhalten der russischen Truppen gut gewesen zu sein, im Gegensatz zu dem der Oesterreicher, welche viel rücksichtsloser in Potsdam und Spandau verfuhren. Tottleben sorgte für Ordnung in der Stadt und schonte die Bürger; dagegen wurden allerdings die militärischen Institutionen und die königlichen Besitzungen nur wenig oder garnicht geschont. Insgesamt belief sich der Schaden nach Berechnungen des Magistrats auf 1 954 306 Rtlr. einschließlich der Brandschatzungsgelder2. 1 Ueber diese und die später zu erwähnenden Münzarten bezw. Münz- Veränderungen siehe Acta Botussica, Münzwesen Bd. 1,11, inshes. Kap. 3 u. 4 (vgl. auch die Stichwörter: Kontribution, Russische Invasion und Russische Okkupation). Auf den großen Anteil der Juden an dem preußischen Münzwesen, insbesondere während der Kriegszeiten, was u. a. durch die Tatsache dokumentiert wird, daß seit 1758 sämtliche preußischen nud sächsischen Münzstätten an Veitei Ephraim und Söhne, Moses Isaac und Daniel Itzig verpachtet waren, kann hier nicht näher eingegangen werden. Diese Dinge müßten den Gegenstand einer besonderen Abhandlung bilden. 2 Auch über die Folgen dieser Okkupation sind die Berichte nicht einheitlich. Einige Zeitgenossen schildern Tottleben als ,,Wohltäter der Bürgerschaft“, andere berichten auch von schweren Plünderungen der Russen. Diese Angaben sind ganz offenbar übertrieben. Näheres: ,,Umständliche Nachricht von der Unternehmung der Russen auf Berlin“ 1760 (Flugschrift);

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