Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der Anteil der Berliner Judenschaft an den Kontributionen während der feindlichen Besetzungen der Stadt im siebenjährigen Kriege
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 3)
- Language
- German
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352 dringens der Oesterreicher wurden 30 angesehene Vertreter der Judenschaft, ,,glaubwürdige Männer/‘ auf das Rathaus geladen, wo in Gegenwart des Stadtpräsidenten und sämtlicher Mitglieder des Magistrats auf Aufruf die Beutel mit dem Geldinhalt übernommen wurden und eine Spezifikation überreicht wurde, welche die einzelnen Beiträge enthielt. Es wurden hinterlegt 3 545 Rtlr. in Friedrichs- und Louisdor, 1 300 Dukaten ä 3 Rtlr. und 12 555 Rtlr. in 66 Beuteln und Paketen an Weiß- und Silbergeld1. Im Augenblick der Ablieferung waren die Beutel mit dem Geldinhalt nicht gezählt worden. Infolgedessen stellte sich erst später heraus, daß die Spezifikation mit dem tatsächlichen Inhalt der Beutel nicht übereinstimmte. Es ergab sich ein Defizit von 6 333 Tlr. 8 Ggr., über das eine xXufklärung in der auf den 1. Dezember 1757 von der Steuerkommission anberaumten Sitzung geschaffen werden sollte. Als Vertreter der Judenschaft erschienen: Hirsch David2, Abraham Meyer3, Wulff Fürst4, David Bruck5, Meyer David6 und Philipp Behrend7. Auf die ihnen gemachten Vorhaitungen erklärten sie folgendes: Die 3 545 Friedrichsdor und die 1 300 Dukaten wären von verschiedenen Juden zusammengebracht und sofort gezählt worden. Die ersteren hätten Hirsch David und Abraham Levy8, die Dukaten Herz Gumpertz9, Wulff Fürst und Joseph Fürst10 als Kassierer gezählt, sodann wären sie in die Beutel getan und mit dem Petschaft der Judenschaft versehen worden. Einige Herren des Magistrats, welche bei der Ablieferung zugegen waren, dürften sich noch daran erinnern, daß mehrere Beutel nicht ganz fest ver- 1 Acta Commissionis wegen Aufbringung der vor die hiesige Residenzien den 17: Oktober 1757 hergeschossenen Brandschatzungs-Gelder (im Magistratsarchiv, Clauswitz.’sches Archivverzeichnis: Geschichtliches X'XVI Nr. 4—6). Vol. I Bl. 143/6 und Assignationes zur Ausgabe der Berlinischen Brandschatzungs-Contributions-Gelder in Anno 1758, Nr. 1 Bl. 22; Die Spezifikation in Anhang I. 2 Judenliste 1749 Nr. 44; הירש בר דוד פרעגער war damals Aeltester (Gemeindebuch Bl. 127 v), gest. 1773, Grabstein Nr. 755. — Die Identifizierungen erfolgen auf Grund des handschriftlichen Nachlasses von Landshuth, sowie des Gemeindebuches (beide im Gemeindearchiv) und auch der Judenliste von 1749; die deutsche Schreibweise nach den Akten, auch wenn sie nicht einheitlich ist. Wir geben hier die Registernummern des Landshuth’schen Verzeichnisses an. 3 Judenliste 1749 Nr. 60; אברהם בר מאיר רינטל, damals Aeltester (Gemeindebuch a. a. O.) gest. 1767, Grabstein Nr. 323•. 4 Judenliste 1749 Nr. 45; שמעון וואלף בר ראובן פירשט war damals einer der Beisitzer (טובים, Gemeindebuch a. a. O.), gest. 1758, Grabstein Nr. 808. 5 Judenliste 17149 Nr. 95; war damals zusammen mit dem folgenden Meyer David Beisitzer (עיקורים Gemeindebuch a. a. O.), gest. 1780, Grabstein Nr. 1025. 6 Judenliste 1749 Nr. 89 (Graetz-Greditz) מאיר בר דוד מגדיידיץ, gest. 1771, Grabstein Nr. 546. 7 Judenliste 1749 Nr. 116; gemeint ist hier wohi einer der damaligen Kassenvorsteher פייס הערפורט gest. 1772, Grabstein Nr. 853. 8 Judenliste 1749 Nr. 2; Gemeindeältester (Gemeindebuch a. a. O.) אברהם בר יהודה ליב םנ־ל, gest. 1761, Grabstein Nr. 784. 9 Judenliste 1749 Nr. 203; überihn Kaufmann-Freudenthal, Die Familie Gomperz S. 154 f. 10 War Kassenvorsteher יוזפא ב-ר ישעיה האללענדד, gest. 1772, Grabstein Nr. 781.