Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jüdisches, besonders jüdische Eigennamen im Koran im Lichte zweier neuer Arbeiten von Josef Horovitz [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 1)
- Language
- German
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328 Besprechungen Jüdisches, besonders jüdische Eigennamen im Koran im Lichte zwei neuer Arbeiten von Josef Horovitz \ Von Bernhard Heller in Budapest. Die Anfänge des Islam übten von jeher eine stark anziehende Kraft auf Forscher der Religionsgeschichte: eine monotheistische Glaubensbewegung, die im hellen Lichte der Geschichte vor sich geht und (z. B. an der Hand von Caetanis Annalen) von Schritt zu Schritt verfolgt werden kann. Auch in seinen Beziehungen zu älteren Bewegungen steht der Islam klarer vor uns als Judentum und Christentum. Prof. Goldzihers Vorlesungen über den Islam nebst einigen anderen seiner Arbeiten veranschaulichen, was der Islam dem Judentum, dem Christentum, dem Parsismus, dem Buddhismus, der griechischen Philosophie, dem römischen Recht zu verdanken hat. Die Beziehungen des Islam zum Judentum bilden seit Abr. Geigers Preisschrift den Gegenstand unermüdlicher Forschung. Die Ergebnisse dieser Forschung werden nun in zwei neuen Veröffentlichungen von J. Horovitz zusammengefaßt. An dieser Arbeit hat er ja seit lange redlich teilgenommen und indem er sie zusammenfaßt, mehrt er auch die Summe ihrer Ergebnisse. Hör. begrenzt den Kreis seiner Forschung: er untersucht nicht die Be- Ziehungen des Islam, sondern nur die Muhammeds zum Judentum, auch nicht seine geschichtlichen Berührungen, sondern nur die Spuren, welche der Koran von ihnen bewahrt. Ja auch hier beschränkt er sich auf die Eigennamen und auf die bezeichnenden Ausdrücke der religiösen Schöpfung Muhammeds. Er entsagt (freilich nur anscheinend, denn in Wirklichkeit birgt das Sprachliche eine Ueberfülle des Sachlichen) der lockenden und lohnenden Aufgabe, dem Inhalt, dem geschichtlichen oder sagengeschichtlichen Inhalt der Ueberlieferungen nachzuforschen. Diese dankbare Arbeit überläßt er mit der Großmut des Lehrers zwei Hörern, deren einer den Einfluß der jüdischen Ueberlieferungen, der andere den Einfluß der christlichen Ueberlieferungen auf den Koran untersuchen soll2. Sich selbst hat Hör. die weit schwerere Aufgabe Vorbehalten: all die sprachlichen Bestandteile zu beleuchten, die aus dem Judentum in den Koran gedrungen sind. Er befragt dabei alles Arabische, das dem K. vorangegangen war oder mit ihm gleichzeitig erscheint: die altarabische heidnische!Sichtung, die süd- und nordarabischen Inschriften, die hebräische, aramäische, syrische, äthiopische Sprache und Literatur der Juden, Christen und Mandäer. Seine ׳ Vertrautheit mit der Aggada setzt uns oft in Erstaunen. Auch gibt er uns einen bibliographischen Ueberblick darüber, was seine Vorgänger geleistet; Nöldeke-Schwally, Siegm. Fraenkel, Cheikho, Rhodokanakis, Lidzbarsld, Wensinck (H. U. C. A. 148—150). Bei jeder Gestalt, bei jedem Begriff stellt Hör. fest, zu welcher Zeit von Muhammeds Wirksamkeit sie auftreten. Im Hebrew Union College Annual bespricht Hör. jede Weiterbildung jüdischer Eigennamen im Koran und stellt ein Wörterbuch religiöser Begriffsbezeichnungen im K. zusammen. Seine ,,Koranischen Untersuchungen“ gliedern sich folgendermaßen: I. Die erzählenden Abschnitte des Koran. 1. Allgemeines und Formales. 2. Straflegenden. 3. Erzählungen von Propheten und Gottesmännern. 4. Die koranische Prophetologie: Boten, 1Warner und Propheten; Selbstbezeichnungen Muhammeds; Gläubige und Ungläubige; die 1 1. Jewish proper names and derivatives in tlic Koran. Hebrew Union College Annual. Cincinnati 1925. II, 145—227 (= H. U. C. A.). 2. Koranische Untersuchungen von Josef Horovitz. (Studien zur Geschichte und Kultur des islamischen Orients. Zwangslose Beihefte zu der Zeitschrift ״Der Islam“. Herausgegeben von C. H. Becker.) Berlin und Leipzig, Walter de Gruyter & Co., 1926. III u. 171 S. Preis 12 RM. ( K. U.) Diese Besprechung wird ergänzt durch eine weitere in der REJ 1928, LXXXV, 49—55, wo an der Hand von diesen zwei Arbeiten die koranischen Bezeichnungen für religiöse Begriffe erörtert werden. 2 Das Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums 1926, S. 46, kündigt bereits folgendes Werk an: Dr. Speyer, ,,Die biblischen Erzählungen im Koran“.