Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden in Kiel im Jahrzehnt von 1850 - 1860
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 1)
- Language
- German
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287 Die Juden in Kiel im Jahrzehnt von 1850—1860. Von Rabbiner Dr. A. P 0 s n e r in Kiel. In einer unvollendet gebliebenen Schrift ,,aus der Vergangenheit der israelitischen Gemeinde zu Kiel“ (Beilage zum Berichte der Israelitischen Religionsschule zu Kiel über das Schuljahr 1891—1892) aus ־der Feder des Dr. M. Stern, der damals in Kiel wirkte, werden die Anfänge des Kieler jüdischen Lebens behandelt. Die folgenden Ausführungen sind nicht eine Fortsetzung der erwähnten Schrift, denn sie führen sie nicht unmittelbar fort, sondern sollen einem Zeitraum gelten, der wirklich als der Ursprung der Kieler Gemeinde angesehen werden kann. Ein Verzeichnis der Kieler Juden von 1841 weist schon eine merkliche Anzahl jüdischer Einwohner auf1. Sie haben sich im Laufe der Jahre vermehrt und sich auch mit den in dem benachbarten Dorfe Brunswyck — die Schreibung dieser Ortschaft ist sehr verschieden, nach dieser trägt die Brunswicker Straße in Kiel ihren Namen — wohnenden Juden mehr verbunden gefühlt, so sehr, daß sie mit ihnen gemeinsam ihre jüdischen Belange regelten. Am 13. März 1852 beauftragen 19 Personen und beurkunden dies durch namentliche Unterschrift vor einem Notar — am 24. 4. 1852 kommt noch eine 20. Person hinzu —, daß sie den Geldwechsler Adolph Samson und den Handelsmann Jacobi Hirsch als Bevollmächtigte für jeden Erwerb, der den Kieler und Brunswicker Juden zugute kommen soll, angesehen wissen wollen. Diese waren am 29. 1. 1852 beim Departement der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten wegen des Erwerbs einer Begräbnisstätte vorstellig geworden; eine solche besaßen die Kieler Juden noch nicht; sie mußten ihre Toten nach außerhalb, meist nach Rendsburg, zur letzten Ruhe geleiten. Die Unterzeichner der Vollmacht erklären auch, daß sie ,,nicht nur den gegenwärtigen, sondern auch den künftigen Israelitischen Bewohnern der Stadt Kiel und der Brunswyck die Benutzung der Begräbnisstätte unter den gleichen Bedingungen gestattet haben wollen“, die sie für sich selbst und ihre Familien feststellen werden. Am 8. 7. 1852 kommt der Kaufcontract zwischen der verwitweten Madame Magdalena Dorothea Repenning und den Herren Jacobi Plirsch und Adolph Samson zustande. Nach diesem Vertrag erwerben die beiden Bevollmächtigten von Frau Repenning ,,von der ihr gehörigen, auf dem Papenkamp unter Nr. 14 A. belegenen, die früheren Nummern 70, 71 und 72 des Papenkamps enthaltenden Koppel einen Flächenraum von einhundert und zwanzig Quadratruthen“. Der Contract nennt die Kaufsumme, die Verpflichtung der Umzäunung, die Abgaben für das Landstück und die sonstigen Unkosten, die von den Käufern zu tragen sind. Eine Erwähnung darüber, daß das erworbene Gebiet eine Begräbnisstätte werden solle, erfolgt nicht. Am 29. Juli 1852 geschieht im Rathause die ,,Verfassung“ (in curia). 1 Jüdische Familien-Forschung III (1927), Nr. 3, S. 266 f.